Berlinale
Die Berlinale ist auch ein Handelsplatz für Filme
Es tummeln sich die Stars, die Preise purzeln. Aber gelingt es auf der Berlinale auch, deutsche Qualitätsware an internationale Verleiher zu zu verkaufen? Ein Bericht vom European Film Market.
Von Katharina Dockhorn
Julia Jentsch gehört zu den aufregendsten deutschen Schauspielerinnen. Als Sophie Scholl zog sie Millionen in ihren Bann. Jetzt verzaubert sie als "Effi" Millionen - nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.
"Mit den Namen von Julia Jentsch, Sebastian Koch oder Ulrich Tukur kann früh Interesse in aller Welt geweckt werden", sagt Dirk Schürhoff von der Beta Film, der in diesen Tagen im Martin-Gropius-Bau "John Rabe", "Effi Briest" und "Hilde" an internationale Verleiher und Fernsehanstalten verkaufen will. "Gemeinsam mit den Produzenten versuchen wir wirklich alles, um unsere Filme gut im Programm zu platzieren. Die neuen Galavorstellungen im Friedrichstadtpalast sind eine gute Ausgangsposition, weil die Filme dort ohne Druck des Wettbewerbs an exponierter Stelle laufen."
Der ehrwürdige Museumsbau unweit des Berlinale-Zentrums am Potsdamer Platz hat sich in diesem Jahr wieder zum Treffpunkt der Filmhändler aus aller Welt entwickelt. Poster, Flyer und Kataloge wetteifern um die Gunst der Kunden, die wie stets die Qual der Wahl haben. 407 Firmen aus 55 Ländern bieten 695 Filme an. Die Mehrzahl stammt aus den USA, Großbritannien Frankreich und Deutschland. Erstmals sind Indonesien, Kasachstan, Malaysia, Jordanien und Ägypten dabei. Sie suchen die Aufmerksamkeit von 1467 Einkäufern aus 59 Ländern.
Außerdem hoffen 30 Verlage im Rahmen von "Books at Berlinale" auf Interessenten für ihre Titel, und mehr als 450 Produzenten suchen auf dem Koproduktionsmarkt nach Partnern für bereits geplante Spielfilmprojekte. 36 Vorlagen aus 23 Ländern wurden ausgewählt. Und last but not least wird in diesem Jahr in Berlin ein Austauschforum für Dokumentarfilme etabliert. "Wir haben nur einen leichten Rückgang an angemeldeten Filmen, was mit den normalen Schwankungen zu erklären ist. Der Markt ist stabil", betont Beki Probst, seit 20 Jahren Chefin des Filmmarktes ist.
Die Geschäfte auf dem Amerikanischen Filmmarkt im November waren flau. Berlin ist nun der erste Seismograf des Jahres 2009. Die Unkenrufe scheinen sich nicht zu bestätigen. Die Terminkalender waren schon vor der Berlinale gut gefüllt, sagt Irina Ignatiew von der telepool, die "Hexe Lilli", "Lippels Traum", "U-900" und "Dr. Alemán", aber auch deutsche Fernsehfilme im Gepäck hat. Die ersten Abschlüsse sind sicher.
Solche sogenannten Vorabverkäufe sind mittlerweile Standard bei der Mehrzahl der deutschen Produktionen. Sie garantieren den Produzenten schon im Vorfeld des Drehs einen Teil des Budgets. "Je früher wir uns bei einem Projekt verpflichtet haben, desto besser waren die Verkäufe", verallgemeinert Dirk Schuerhoff die Erfahrungen von "Die Fälscher" und "Das Leben der Anderen".
Anders sieht es für Erstlingsfilme und das Arthousekino aus. "Sie werden künftig sicher schwieriger auf Drehbuchbasis zu verkaufen sein", sagt Michael Weber von der Kölner Mach Factory. Die junge Firma wirbt weiter für Dresens "Wolke 9", der bereits in mehr als 30 Länder verkauft ist, und den Oscar-Favoriten "Waltz with Bashir", der in 60 Ländern laufen wird. In Berlin gilt sein Hauptaugenmerk der uruguayisch-deutschen Koproduktion "Gigante" und dem spanisch-peruanischen Film "La Teta Asustada", die beide im Wettbewerb laufen. "Interessante Geschichten werden mittlerweile an vielen Stellen der Erde erzählt, und jeder versucht, sie früh zu finden." Weber hofft auf gute Kritiken und positive Reaktionen der Zuschauer, die den Verkauf beflügeln.
Die Filmhändler stehen jedoch vor zwei Problemen: Die Ära der hohen Preise scheint vorbei. Zudem sind alle deutschen Filmhändler von Zahlungsverzögerungen für schon abgewickelte Geschäfte betroffen. In Russland sind Teile der Filmindustrie in den Händen von Oligarchen, die in den vergangenen Monaten Milliarden verloren haben. "Selbst jahrelange Partner haben Probleme, und die Banken sind vorsichtiger bei der Bewertung von Risiken", sagt Kai Grüneke.
Trotzdem bleibt er Optimist, dass sich Miete, Vorführkosten und Ausgaben für das Marketing auf der Berlinale unter dem Strich für die Verkäufer rechnen. Nur dann werden alle auch im kommenden Jahr wieder kommen. Daran glaubt auch Beki Probst. "Ich wünsche mir, dass die Industrie die Krise als Chance begreift." Eines bleibt sicher: Mit dem Gewinn des Goldenen Bären werden die Preise weiterhin steigen.
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