Deutsche Oper
Berliner Intendantin bittet die Politik um Hilfe
Die Intendantin der Deutschen Oper leistet den Offenbarungseid: Kirsten Harms richtet einen Appell an die Politik, die Spielstätte an der Bismarckstraße finanziell zu unterstützen: "Jetzt kann nur noch die Politik helfen." Sonst verlöre die Oper zwangsläufig ihre Daseinsberechtigung.
Die Intendantin der Deutschen Oper Berlin, Kirsten Harms, hat die Politik wegen der "strukturellen Unterfinanzierung" ihres Hauses um Hilfe gebeten. Die größte Berliner Oper habe ihre Etatplanung 2009 wegen außergewöhnlicher Sonderkosten außerhalb ihrer Verantwortung (wie Anpassung von Versorgungsbezügen) um 1,2 Millionen Euro senken müssen bei einem Etat von 37,8 Millionen Euro. Eine Million Euro bedeuteten 20 Arbeitsplätze. 2010 kommen noch Tarifsteigerungen hinzu, die bisher aus eigenen Mitteln aufgebracht werden mussten. Die Personalkosten machen an Theatern wie auch an der Deutschen Oper über 80 Prozent aus.
Die permanenten Kostensteigerungen könnten nicht ständig "aus dem sowieso schon kleinen künstlerischen Etat bestritten werden", meinte Harms. Die Deutsche Oper muss zudem mit dem Wegfall der bisherigen VW-Sponsorenmittel in Höhe von einer Million Euro fertig werden.
"Ab einem bestimmten Punkt der Einsparungen stoßen wir an totale Grenzen", sagte die Intendantin am Dienstag vor Journalisten. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, jetzt kann nur noch die Politik helfen. Wenn wir unser künstlerisches Ziel nicht erreichen, haben wir keine Daseinsberechtigung, das gilt aber auch, wenn wir unser finanzielles Ziel verfehlen. Wir brauchen die Einsicht auch auf politischer Seite, dass unsere Sorgen kein Einzelfall und auch nicht nur momentan sind." Harms plädierte in diesem Zusammenhang für ein Staatsziel Kultur im Grundgesetz, da Kulturausgaben noch immer zu den freiwilligen Leistungen des Staates zählten.
"Das größte Opernhaus in Berlin muss auch die größten und besten Aufführungen bieten", sagte die Intendantin. Aber jetzt müsse sie mit Beethovens "Fidelio" bereits eine Premiere zur Eröffnung der nächsten Spielzeit absetzen und die Aufführungszahl pro Saison reduzieren. 2008 verzeichnete die Deutsche Oper mit 252.000 Besuchern einen Besucherrekord, betonte Harms. Das entspreche einer durchschnittlichen Auslastung von 69 Prozent. "Natürlich ist das noch steigerungsfähig."
Auf die Frage, ob sie ihren Vertrag über 2011 hinaus trotz der Probleme verlängern will, sagte Harms: "Ich fühle mich hier wohl und würde gerne weitermachen." Aus der Berliner Kulturverwaltung hieß es dazu, zu Personalfragen werde in der Öffentlichkeit keine Stellung genommen. Zu einem Zeitungsbericht, der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) habe bereits mit ihr über das Ende ihrer Intendantenzeit gesprochen, sagte der Sprecher: "Wenn Frau Harms das so sagt, wollen wir das weder bestätigen noch dementieren." Harms ihrerseits fand am Dienstag lobende Worte für Wowereit, der sich stark dafür engagiere, "die Kultur in Berlin nach vorn zu bringen und die drei Opernhäuser zu schützen".
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