Umzug wegen Sanierung
Staatsoper startet im Oktober 2010 im Schiller-Theater
Weil die Berliner Staatsoper Unter den Linden saniert werden muss, zieht das Ensemble für drei Jahre in das Schiller-Theater in Charlottenburg. Doch zuvor wird dieses Ausweichquartier für 20 Millionen Euro hergerichtet. Die skeptischen Mitarbeiter will man mit neuen Annehmlichkeiten überzeugen.
Von Stefan Kirschner
Um 13.51 Uhr muss es passiert sein: Zu dieser Zeit sind die Uhren in den Werkstätten des Schiller-Theaters stehen geblieben – egal, ob sie in der früheren Schlosserei oder in der Schreinerei hängen. Um kurz vor 14 Uhr war offenbar Schluss. Alle Maschinen raus. Und der letzte stellt den Strom ab. Ein bisschen erinnert die Szenerie an eine Inszenierung von Christoph Marthaler. In einem Saal hängt neben Uhr, Signalhorn und Lampe noch ein Entlüftungsschlauch von der Decke. Fehlt eigentlich nur, dass aus einer der Türen ein paar Schauspieler auftreten und zu singen beginnen.
So ein Auftritt hätte gepasst. Denn schließlich lud am Montag die Staatsoper ein: Zur Besichtigung der Baustelle Schiller-Theater. Der künftigen Ausweichspielstätte der Staatsoper. Die Eröffnung an der Charlottenburger Bismarckstraße ist symbolträchtig für den 3. Oktober 2010 geplant.
Vor einer Woche haben im Schiller-Theater die Arbeiten begonnen; offenbar stand als erstes der Ausbau der Sitze im Zuschauerraum auf dem Programm. Die Stühle stehen jetzt in diversen Foyers, mit Plastikplanen abgedeckt. Sie sollen aufgearbeitet und später wieder eingebaut werden. Man braucht nicht alle. Denn im Rahmen des Umbaus, ganz konkret durch die Erweiterung des Orchestergrabens, reduziert sich die Platzzahl auf 976. Das sind gut 400 weniger als derzeit in der Staatsoper. Für die im Vergleich zu den beiden anderen Berliner Opernhäusern sehr gut besuchte Staatsoper ein echtes Manko, denn damit gehen dem Haus Einnahmen verloren.
Lob des Ausweichquartiers
Wie es sich für einen kommissarischen Intendanten gehört, sieht Roland Adler, der den Umzug als "erfreuliche Herausforderung" bezeichnet, erst mal die positiven Aspekte: Im Vergleich zum Staatsopern-Saal "sind die Sichtverhältnisse im Schiller-Theater hervorragend". Und auch die Akustik soll dem nicht nachstehen.
Das wären dann schon mal zwei Pluspunkte. Um die Akzeptanz für den hausintern nicht unumstrittenen Umzug in den Westen zu vergrößern, werden weitere Verbesserungen aufgezählt: Weil die Kantine kleiner ist, wird die ehemalige Schiller-Schreinerei zu einem "lichtdurchfluteten Aufenthaltsraum" umgestaltet. Und dem Orchester, der machtvollsten Truppe eines Opernhauses, wird ein neuer Probenraum angekündigt, der auf einer Ebene mit Garderobe und Orchestergraben liegt. Damit entfällt der an der Staatsoper noch übliche Gang über die Straße. Trotzdem werden die Angestellten künftig enger zusammenrücken: Immerhin müssen 555 Mitarbeiter untergebracht werden – so viele hat das Schiller-Theater nicht gehabt.
Der Zeitplan ist eng, es darf nichts passieren
Damit alles im straffen Zeitplan über die Bühne gehen kann, darf nichts Schlimmes passieren. Ein Asbestfund beispielsweise. Der hat die gerade laufende Sanierung des Deutschen Theaters um Monate verzögert. Die bei der Schiller-Theater-Besichtigung ebenfalls anwesende Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer überlässt in diesem Punkt dem Generalplaner das Wort. "Wir haben 200 Schadstoffproben entnommen", sagt Andreas Zerr. Aber völlig ausschließen kann er nicht, dass bei den Sanierungsarbeiten noch etwas gefunden wird, was dann den Zeitplan durcheinander bringt.
Für den Umbau des Schiller-Theaters stehen 20 Millionen Euro zur Verfügung. Fast zwei Drittel der Summe sollen in die Technik und dabei vor allem in die Bühnentechnik fließen.
Weil jahrelang in Berlin wenig in die Erhaltung von Kulturbauten investiert wurde, stehen in der nächsten Zeit noch weitere Sanierungen an. Im Deutschen Theater sollen die Arbeiten, die im vergangenen Mai begannen, bis Ende Februar abgeschlossen sein. Danach ist die Volksbühne dran. Bis Oktober 2009 sollen dort für rund 14,5 Millionen Euro die Drehbühne, die Belüftungsanlage im Zuschauerraum und der Verwaltungstrakt saniert werden. Das Theater schließt für einige Monate und spielt dann im Prater, dessen bereits laufende Sanierung dann unterbrochen wird.
Auch die Schaubühne muss ihren Spielbetrieb einschränken. Nachdem bereits zum Ende der vergangenen Saison die Hubpodien im Saal A saniert wurden, steht in diesem Frühsommer die Fortsetzung der Arbeiten in den Sälen B und C an. Insgesamt investiert der Senat dort rund fünf Millionen Euro.
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