Kino
Diese "Bedtime Stories" sind zum Einschlafen
Vorleser haben in Hollywood Konjunktur: Adam Sandler erzählt in "Bedtime Stories" Gutenachtgeschichten. Und alle werden plötzlich wahr. Damit hält er zwar seine Filmkinder bei Laune. Den Zuschauer kann er aber kaum packen. Trotz Pupsmonstern ist die Phantasie nicht gerade sprühend.
Von Josef Engels
Erzählt wird die Liebesgeschichte um den 15 Jahre alten Michael (David Kross) und die 20 Jahre ältere Hanna. Das Ergebnis hat bereits überzeugt. Die Golden-Globe-Nominierung folgte prompt.
Vielleicht geht es in den Vereinigten Staaten tatsächlich zu so wie in "Bedtime Stories", diesem Disney-Film durch und durch: dass das, was den Kindern vorm Schlafengehen erzählt wird, zwanghaft wahr werden muss – es nach ganz oben schaffen, seine Träume leben.
Möglicherweise misstrauen – im Gegensatz dazu – die vom alten Kontinent ihren Geschichten und ihrer Geschichte so sehr, dass sie auf pragmatische Pädagogik als Betthupferl setzen. Mit Büchern, die durchaus Titel tragen könnten wie "Der Biber mit dem Fahrradhelm".
Exakt so heißt eine der Schlummerlektüren, mit denen Patrick und Bobbi normalerweise von ihrer allein erziehenden, verwerflich europäisiert wirkenden Ökospießer-Mutter (Courteney Cox) zu Bett gebracht werden. Als die verreisen muss, übernimmt der liebenswerte Verlierer-Onkel und aufstiegsambitionierte Hotel-Hausmeister Skeeter (Adam Sandler) diese Aufgabe. Und erzählt Storys, die zwar pädagogisch zweifelhaft sein mögen, aber dafür recht unterhaltsam sind.
Sie spielen da, wo das amerikanische Kino immer schon gerne zuhause war, u.a. im Wilden Westen, in der Sandalen-Antike, im Weltall. Da darf sich "Bedtime Stories" visuell richtig austoben, zur Freude von Hauptdarsteller Adam Sandler. Dessen Begründung, warum er mitspielt, liest sich allerdings fast, als wollte er seinen Fans vom Besuch abraten: "Ich wollte einen Film machen, den sich irgendwann mein Kind anschauen kann und sich nicht dafür schämen muss."
Der Witz an "Bedtime Stories" ist nun der, dass Gutenacht-Geschichten Realität werden. Mal regnet es aus heiterem Himmel Kaugummi-Kugeln, mal taucht ein Pups-Monster auf, mal verhalten sich erwachsene Menschen ungewöhnlich.
So richtig fantasievoll, albern und durchgeknallt, wie man es den Kindern in Drehbüchern immer nachsagt, sind die Ideen der beiden Kleinen nicht. Schade, dass da der Mut zur kompletten Anarchie gefehlt hat – wo der Film sonst mit Anspielungen für ältere Kinobesucher (etwa an Howard Hughes, Paris Hilton oder Meerschweinchen, die ohne Zweifel unter Drogeneinfluss stehen) ja nicht spart.
"Bedtime Stories" bleibt leider über weite Strecken ein leicht hysterisches Märchen ohne jegliche Magie. Möglicherweise wirkt es wenigstens bei manchem als Einschlafhilfe.
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