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15.02.12

Kommentar

Ein großer Irrtum namens Wulff

Man darf dem Bundespräsidenten eins noch immer abnehmen - oder glauben - auch wenn es manchmal schwer fällt: Christian Wulff wollte dieser Republik ein guter Präsident sein.

Er wollte in diesen nicht ganz übersichtlichen Zeiten Maßstäbe setzen, Kompass sein und - dies vor allem - Integrator in einer Welt der stetig auseinanderdriftenden Einzelinteressen. Er ist mit warmem Herzen ins Schloss Bellevue gezogen, mit der inneren Überzeugung, an dieser Stelle dem Land vorzüglich dienen zu können, womöglich besser als jeder andere.

Aus dieser Haltung - heute kann man sagen: Selbstüberschätzung - heraus hat er Ursula von der Leyen, die ja längst unterwegs war in Richtung Bellevue, zur Seite geschubst. Aus dieser Haltung heraus hat er Joachim Gaucks Gegenkandidatur ertragen, unter deren Leichtigkeit und Unangefochtenheit er sehr gelitten hat. Aus dieser Haltung heraus hat er auch noch die Demütigungen der ersten beiden Wahlgänge in der Bundesversammlung hingenommen. Wulff ist schwer ins Amt gekommen, auch deshalb kann er nicht leicht gehen. Das wäre, so empfindet er es, der Gipfel der Ungerechtigkeit.

Angela Merkel weiß, dass das ein Irrtum ist. Dass Wulffs Nominierung ein Fehler war, der am Ende auch auf sie zurückfällt. Sie kannte ihren Stellvertreter im Amt der CDU-Bundesvorsitzenden - auch sein zweites, mitunter skrupelloses Gesicht. Sie wusste, dass Wulff im Zweifel dazu in der Lage war, alle Maßstäbe von Fairness und Vorbildhaftigkeit zu seinen eigenen Gunsten zu verrücken. Dass er eben kein geborener Präsident ist, sondern im Grunde ein verhinderter Möchtegern-Kanzler. Ein Machtpolitiker, dem es fast unerträglich geworden war, Angela Merkel auf absehbare Zeit nicht ablösen zu können.

Was die Kanzlerin vielleicht nicht wissen konnte, und was wir heute wissen, was manche in der Union schon damals ahnten: Wulff gehört zu jener Sorte Politiker, die Wasser predigen, aber den Wein zu schätzen gelernt haben. Das ist menschlich, allzu menschlich. Aber am Ende eine zweite schlechte Voraussetzung für das Amt des Bundespräsidenten, dessen Grundvoraussetzung eine moralische Autorität ist, über die Christian Wulff nicht verfügt. Vielleicht kannte er selbst diesen eklatanten Mangel nicht, jedenfalls erkannte er ihn nicht im Moment seiner Bewerbung. Inzwischen aber liegt er offen zu Tage, und das Leugnen wird von Tag zu Tag peinlicher. Daran, an diesem zentralen Mangel, kann auch der ebenso stürmische wie uneigennützige mediale Dauereinsatz des Pastoren Peter Hintze nichts ändern - sein vielleicht letzter öffentlich in den Ring steigender Unterstützer.

Es ist jetzt an der Zeit, dass die beiden, die einzig dazu in der Lage sind, ihren Irrtum zu revidieren, sich zusammensetzen. Und Konsequenzen ziehen. Die Bundeskanzlerin und ihr Präsident.

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