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09.02.12

Kommentar

Die Charité braucht Sicherheit

Das Ziel scheint auf den ersten Blick nicht wirklich ambitioniert: Vermeintlich "nur" 4,5 Millionen Euro will die Charité in diesem Jahr als Überschuss erwirtschaften. Denn der Umsatz von Deutschlands größtem Universitätsklinikum liegt bei 1,39 Milliarden Euro.

Doch die 4,5 Millionen Euro sind ein Zeichen: Die Uniklinik mit ihren 13 500 Mitarbeitern hat nach Jahrzehnten, die durch Defizite geprägt waren, den wirtschaftlichen Turnaround geschafft.

Wenn nach einer schwarzen Null im vergangenen Jahr in diesem Jahr ein kleiner Gewinn erwirtschaftet wird, ist das die Leistung des Vorstands, der sein dreijähriges Sanierungsprogramm auch gegen viele Widerstände durchgesetzt hat. Aber es ist auch die Leistung der vielen Ärzte, Schwestern, Pfleger und Mitarbeiter in der Verwaltung, die in den vergangenen Jahren vieles mittragen mussten. Denn bei allem Sparen - die Charité gehört seit Jahren zu den besten Gesundheitseinrichtungen Europas. Das zeigen nicht nur die vielen wissenschaftlichen Leistungen, sondern auch eine Zahl: 150 Millionen Euro an Drittmitteln konnte das Klinikum im vergangenen Jahr einwerben. Das ist deutschlandweit Spitze.

Während es nach außen viel Glanz gibt, liegt über der Charité nach innen aber auch ein Schatten. Die Klinik leidet an der maroden Bausubstanz, vor allem an den Standorten in Mitte und in Steglitz-Zehlendorf. Wenn nun schon keine Versicherung mehr für Wasserschäden aufkommen will, zeigt das eine dramatische Entwicklung. 33 Millionen Euro bekommt die Charité vom Land Berlin für Investitionen pro Jahr. Notwendig wären aber 100 Millionen Euro. Eine Entlastung soll hier die für 2013 bis 2016 avisierte Sanierung des Bettenhochhauses in Mitte bringen. Hier ist die Charité-Führung gefordert, dass die Kosten eingehalten werden. Andererseits braucht der Vorstand auch die Rückendeckung der Politik. Wenn - wie vor einigen Wochen geschehen - der neue Senat die Sanierung wieder infrage stellt, könnte das Vorhaben um Jahre zurückgeworfen werden.

Denn die Charité ist weit mehr als ein Aushängeschild für Berlin. Und sie ist weit mehr als ein Ausbildungsbetrieb für angehende Mediziner (die Zahl der Studenten pro Jahr liegt bei 700). Das international angesehene Klinikum gehört neben dem landeseigenen Krankenhauskonzern Vivantes zu den Wachstumsmotoren der Gesundheitswirtschaft. Viele der Arbeitsplätze an dem Klinikum sind qualitativ hochwertig. Gleichzeitig hängen viele weitere Jobs im Dienstleistungsbereich an dem Gesundheitskonzern. Auch wenn der Gewinn in 2012 "nur" 4,5 Millionen Euro sein soll - die Menschen, die von der Arbeit im Klinikum leben, stärken die Wirtschaftskraft in der Hauptstadt. Vom Image-Gewinn für die Wissenschafts- und Forschungsmetropole ganz zu schweigen.

Der Vorstand der Charité ist gefordert, den hohen Leistungsstand der vergangenen Jahre zu halten und die Wirtschaftlichkeit weiter zu verbessern. Das ist sicherlich nicht leicht. Der neue Senat muss dem Universitätsklinikum dafür aber Sicherheit bei den Rahmenbedingungen geben. Nur so kann sich das Unternehmen weiterentwickeln - zum Wohl der Stadt.

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