Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
03.09.10

Kommentar

Ausdiskutieren, nicht wegschweigen

Die Bundesbank hat entschieden, Sarrazin soll gehen. Jetzt wird auch die SPD fieberhaft nach einer Chance suchen, sich des unangenehmen Genossen zu entledigen. Keine Frage: Der Zahlenmann hat mit seinem Thesengewitter und nachfolgenden Einlassungen für Empörung gesorgt, oft zu Recht.

Dennoch: Nicht alle Gedanken Sarrazins sind wirr und nicht jeder ein Radikaler, der ihm zustimmt. Vielmehr beweist das öffentliche Interesse, die Leserbriefe, Tumulte in Buchläden und die Nachfrage nach Auftritten, dass der frühere Berliner Finanzsenator ein Thema anspricht, das die Leute bewegt, so oder so.

Das Grundgesetz weist den Parteien eine herausragende Rolle im demokratischen Miteinander zu. "Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit", bestimmt Artikel 21. Der politische Wille braucht politische Meinung, die wiederum auf politischer Information gründet. Idealerweise organisieren vor allem die beiden deutschen Volksparteien diesen gesellschaftlichen Dialog, listen Argumente, markieren kontroverse Positionen, suchen nach Lösungen, auch wenn die Themen, ihre Protagonisten und deren Ton bisweilen schmerzen.

Die Bundesbank kann einen solchen Protagonisten zu Recht verbannen: Sie ist nicht Partei. Die SPD würde einen Fehler machen, wenn sie das Gesprächsbedürfnis mit einem Rausschmiss gleichsam abwürgte. Nähme eine lebendige Diskussionspartei ihre Verantwortung wahr, dann würden die SPD-Oberen selbstbewusst eine deutschlandweite Diskussionsreihe mit dem Querkopf beginnen, von Genossen, für Genossen und alle anderen Interessierten. Warum setzen sich nicht Gabriel, Nahles, Stegner, Wowereit, Steinmeier mit Sarrazin öffentlich auseinander, in einem fairen Wettbewerb mit Argumenten, Fakten, Zahlen?

Es gibt reichlich Beispiele für gelungene Integration, genügend Studien, die Sarrazin relativieren oder entkräften. Gerade Sozialdemokraten, die noch immer mit Schröders Reformen hadern, können trefflich darüber streiten, ob man den Wert von Menschen auf ihre volkswirtschaftliche Leistungsbilanz reduzieren darf. Ein hartes aber faires Gespräch kann jenes unkonkrete Empfinden versachlichen, das viele Bürger umtreibt.

Aber offenbar trauen gerade die SPD-Oberen ihren Argumenten nicht, sondern überlassen die Debatte dem hektischen TV-Talk. Doch was bei Beckmann, Plasberg und anderswo abgefeiert wird, gehört auf die Bühne der Ortsvereine, etwas ruhiger, dafür gern ein wenig tiefschürfender. Demokratische Diskussion, dass heißt nicht, über-, sondern miteinander zu reden. Doch die Schmerzangst der SPD ist offenbar größer als die Einsicht, dass dieser Sarrazin ausdiskutiert werden muss. Wegschweigen lässt sich das Integrationsthema nicht.

Wenn jedem unliebsamen Geist das Parteibuch entzogen wird, dann verwandelt sich eine bunte Volkspartei in eine stromlinienförmige Sekte, die kaum mehr Verbindung zu den Menschen hält, die sie eines Tages wählen sollen. Dass bei manchen Bürgern der Verdacht wächst, da solle einer mundtot gemacht werden, hilft nur denen, die mit Verschwörungstheorien punkten wollen.

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote