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11.06.10

Kommentar

So schafft die Regierung nicht mal die Vorrunde

Angenommen, Angela Merkel wäre die Bundestrainerin und ihr Kabinett die deutsche Auswahl für Südafrika - nicht einmal die eingefleischtesten Fans würden dieser Mannschaft zutrauen, die Vorrunde zu überstehen.

Eine erfolgreiche Truppe braucht klare Ansagen, ein Ziel, einen Fachmann auf jeder Position mit Technik und Kondition, vor allem aber Disziplin. Oliver Kahn hat beim Sommermärchen 2006 beispielhaft vorgemacht, wie Mannschaftsdienst aussieht: Mit stoischem Schweigen hat er zunächst Lehmanns Berufung zur Nummer eins ertragen. Im dramatischen Elfmeterschießen hat er dem Rivalen sogar noch aufmunternd zugesprochen. Lehmann parierte zwei Elfer, die deutsche Mannschaft stand im Halbfinale. CSU und FDP könnten ein wenig vom Kahn-Spirit gut vertragen.

Der Bundesregierung fehlt derzeit dieser gemeinsame Wille zum Erfolg. Die Regierungsmannschaft erinnert auf erschreckende Weise an die EM-Truppe des Jahres 2000, als sich schon vor dem Turnier eine Oppositionsgruppe gegen den schwachen Bundestrainer Erich Ribbeck gebildet hatte. Einzelne Lichtblicke wie Scholl oder Deisler reichten nicht, das Team mitzuziehen. Eine zerfahrene Truppe holte sich zwei Niederlagen ab und fuhr zu Recht nach Hause. Die Kanzlerin durchlebt jetzt ihre Ribbeck-Phase, schön abzulesen an der Nicht-Moderation des Konflikts zwischen den Koalitionspartnern Westerwelle und Seehofer. Die Streithähne wurden von der Chefin nicht etwa gebremst, sondern vielmehr ermutigt, einfach weiterzukeilen. Ihr Ordnungsruf gestern kam spät, sehr spät.

Wie im Fußball gilt in der Politik: Ein gemeinsames Ziel sorgt für Halt, Motivation und Ruhe. Steht dieses Ziel fest, kann der Chef Verstöße ahnden und Quertreiber isolieren. Wenn jeder allerdings sein eigenes Ziel definiert, funktioniert die Hierarchie nicht mehr. Die Kanzlerin mag eine brillante Machttaktiererin sein, aber als Teamchefin hat sie ein gewaltiges Problem: Sie hat viele ihrer Führungsspieler vertrieben, kann ihren Herrschaftsapparat aber gleichwohl nicht den beiden Koalitionspartnern überstülpen. Ein Pofalla wird von den Streithähnen kaum ernst genommen, wo ein Koch vielleicht noch für Ruhe hätte sorgen können. Angela Merkel ist Siegerin auf dem Schlachtfeld der Leere; sie ist zwar unangefochtene Anführerin, hat aber keine Führungsspieler mehr auf dem Feld, die ihre Ideen umsetzen können - für jeden Trainer ein Albtraum.

Es gehört zur Ironie des Regierens, dass ausgerechnet ein hocheffizienter, hochprofessioneller und hoch motivierter Apparat wie die Nationalelf nun der Merkel-Truppe ein paar Wochen Luft verschafft - krasser könnte der Gegensatz zwischen Sympathieträgern und Stolpertruppe kaum sein. Es wäre ein kapitaler Fehler der Kanzlerin, die vielen Fähnchen an Autos und von Balkons als Zustimmung zu dieser Regierung zu interpretieren. Die Deutschen freuen sich auf die WM und für ihre Mannschaft - trotz dieser Bundesregierung.

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