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Kommentar

Warum GM sich so schwer von Opel trennt

Der Opel-Betriebsrat zürnt über die Hinhaltetaktik von General Motors (GM) und kündigt spektakuläre Maßnahmen an. Auch die Bundesregierung ist ungehalten und zutiefst verärgert, dass sich der US-Autobauer nach den monatelangen Verhandlungen noch immer nicht bereit erklärt hat, den Rüsselsheimer Autobauer an den erklärten Lieblingsbieter der Bundesregierung, den kanadisch-österreichischen Automobilzulieferer Magna, zu verkaufen.

Doch der Zorn wird nicht fruchten - was mit Opel geschieht, entscheidet am Ende des Tages General Motors selbst.

Und der US-Autoriese hat womöglich gar kein Interesse daran, seinen europäischen Arm zu verkaufen. Anders lässt sich die Zögerlichkeit von GM, das Suchen immer neuer Ausflüchte kaum noch erklären. Vor wenigen Monaten schien das noch undenkbar. Das Ende des einst mächtigsten Autobauers der Welt schien nahe. Niedergestreckt von einer verfehlten Modellpolitik, Milliardenschulden und einer zu starken Konzentration auf den nordamerikanischen Heimatmarkt. Ein Bittsteller war GM nur noch, kein Ritter der PS-Branche mehr. Doch nach der Flucht in die Blitzinsolvenz tritt der US-Automobilkonzern heute wieder auf wie das personifizierte Selbstbewusstsein.

Der neue Stolz ist allerdings nicht der einzige Grund, weshalb die einstige Nummer eins der PS-Branche Opel wohl nicht mehr verkaufen will. Dahinter steckt die schlichte Erkenntnis, dass General Motors ohne Opel auf Jahre hinaus nur die Rücklichter der finanzstärkeren und besser aufgestellten Wettbewerber Volkswagen und Toyota sehen würde. Der Rüsselsheimer Autobauer Opel und dessen britische Schwestermarke Vauxhall sind fest im europäischen Markt verankert. Dabei ist die Marke mit dem Blitz trotz mancher Vorurteile etabliert, die Technik besser als ihr Ruf - und die Modelle verkaufen sich nicht zuletzt dank der Abwrackprämie in Deutschland glänzend.

Würde General Motors Opel abgeben, stünde der US-Autobauer ohne nennenswerte Präsenz auf dem europäischen Markt da, denn die Verkäufe der GM-Marken Chevrolet oder Cadillac könnten diesen Absatzverlust bei Weitem nicht ausgleichen. Zudem stehen Opel und Vauxhall für rund ein Drittel des Konzernumsatzes. Der wichtigste Grund dürfte allerdings das technologische Wissen der Rüsselsheimer sein. Opel ist das Kompetenzzentrum von General Motors in Sachen abgasarmer und sparsamer Fahrzeuge. Bei Opel werden derzeit die kleinen, kompakten und umweltschonenderen Autos gebaut und entwickelt, die General Motors langfristig zum Überleben braucht, aber nicht aus eigener Kraft auf den Markt bringen kann.

Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass sich starke Kräfte im Konzernverbund dagegen wehren, die deutsche Marke auf- und abzugeben. Für sie dürfte dies so sein, als ob man einem Hinkenden die Krücken entreißt. Deshalb steigt mit jedem Tag, an dem keine Entscheidung pro Magna fällt, die Wahrscheinlichkeit, dass Opel auch künftig nicht von seiner Mutter im fernen Detroit getrennt wird.

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