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10.08.09

Kommentar

Der Kampf um die Macht beginnt - nach der Wahl

Ulla Schmidt als nagelneues Wahlkampfzugpferd der SPD, die CSU balgt sich mit der FDP um ungelegte Eier und einen Hühnerhof, Frau Merkel macht lieber noch etwas Urlaub. In Deutschland ist Wahlkampf, sieben Wochenenden noch, und man wundert sich schon. Kommt da noch mal was?

Ach, ja. Klaus Wowereit. Der lenkt, gewollt ungewollt, den Blick ganz passend auf die Zeit danach. Könnte ja sein, dass Kanzlerkandidat der SPD irgendwann wieder ein begehrter Posten ist, in vier Jahren, vielleicht noch früher, die Zeiten sind schließlich ebenso schnelllebig wie ungewiss. Wenn Schwarz-Rot abgewählt oder sich nach kurzer Verlängerung endgültig verbraucht hat, wenn mit Schwarz-Gelb das passende Feindbild im Kanzleramt wirkt, dann, ja dann ...

Es sind gar nicht wenige in der SPD, die sich herzlich sehnen nach diesem Moment der Entfesselung, erst recht in den hinteren Reihen, wo der Unmut über Schröders Agenda mit dem Unmut über die große Koalition eine emotionale Allianz bildet. Wo man endlich wieder klare Grenzen ziehen möchte. Rechts, Links, Oben, Unten, Gut, Böse. Arm, Reich. Da ließe sich dann wieder Leidenschaft entwickeln, Politik mit Herz, rot-rot, ganz warm. Ach, Oskar.

Es ist ja gar nicht sicher, wer länger durchhält in der Politik. Lafontaine oder diejenigen in der SPD, denen der Ex-Parteichef noch immer als Fahnenflüchtiger gilt und gegen deren Ehre es verstoßen würde, sich noch einmal gemeinsam an einen gedeckten Tisch zu setzen. Schröder ist schon weg, Struck geht, Müntefering wird das auch müssen, so oder so. Die Phalanx der vom Ex-Parteichef noch persönlich Beleidigten zerfällt. Das offene Bekenntnis zu Rot-Rot wird eines gar nicht fernen Tage auch Ausdruck eines sozialdemokratischen Generationswechsels sein. Nahles, Böhning, Pronold. Und eben auch noch Wowereit, wenn er es denn schafft als Hoffnungsträger zu überleben bis dahin. Ein gewisses berufliches Interesse daran, dass es nicht mehr allzu lange dauert mit der rot-roten Regierungssperre auf Bundesebene, darf man ihm also schon unterstellen, er hat es ja auch kräftig unterstrichen in den vergangenen Wochen, immer indirekt, immer halblaut, aber immer unmissverständlich in der Botschaft. Habt keine Angst, es wird weitergehen, auch ohne Steinmeier und Steinbrück. Es geht sogar besser.

Insofern wird alles verschoben in diesem Wahlkampf, der so leidenschaftslos ist wie keiner zuvor, weil die Fronten noch mühsam verborgen werden. Der eigentliche Kampf um die Macht im Land beginnt erst nach dem 27. September. Seite 3

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