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Kommentar

Machtmanager statt Saufkumpane

Das ist natürlich auch Wahlkampf. Deutscher Wahlkampf diesmal. Nicht ein Präsidentschaftskandidat möchte mit jubelnden Deutschen fotografiert werden wie damals an der Siegessäule.

Sondern eine Kanzlerin, die zur Wiederwahl steht, sucht die Nähe eines Präsidenten, dem ihre Deutschen jedenfalls enthusiastischer begegnen als jedem hiesigen Politiker.

Es ist also keine schlechte Gesellschaft, in die sich Angela Merkel heute begibt. Und natürlich ist es ihr nicht unangenehm, dass sie Barack Obama nun schon zum vierten Mal in diesem Jahr trifft. Und dass die Leitartikler - jedenfalls unseres Landes - nun schon zum dritten Mal darüber rätseln, wie es denn nun wirklich bestellt ist um die Chemie zwischen den beiden.

In Wirklichkeit ist das ziemlich Wurst. Die Zeiten, in denen Helmut Kohl mit Boris Jelzin saunieren ging und Wladimir Putin Gerhard Schröder auf dessen Wohnzimmersofa von seiner demokratischen Gesinnung überzeugte, sind auch schon wieder Geschichte. Mit Barack Obama und Angela Merkel treffen zwei ziemlich kühle Manager der Macht aufeinander, die beide eher den nächsten Tagesordnungspunkt im Sinn haben als das nächste Bier oder den nächsten Tritt in die Wade des anderen.

Sie werden heute nüchtern und nacheinander ihre Themen abhaken, hier Konsens, da auch Dissens protokollieren. Sie werden sich einig sein, dass man sich vom provozierend-pöbeligen Ahmadinedschad nicht bis aufs Blut reizen lassen darf, sondern den Weg der Isolation der widerwärtigen Teile des Teheraner Regimes klar und distanziert weitergehen muss, ohne dabei den Iran insgesamt als Teil der internationalen Gemeinschaft aufzugeben. Sie werden sich persönlich auch relativ nahe sein, wenn es um die Weltklimapolitik geht. Obama ist auch in dieser Hinsicht aus einem ganz anderen Holz geschnitzt als George W. Bush - was allerdings nicht heißt, dass er Schritte mitgehen würde, die zwar ökologisch von großem Nutzen wären, für den Präsidenten selbst aber auf innenpolitisches Harakiri hinausliefen. Es wird noch ein wenig dauern, den ressourcengreifenden "american way of live" einigermaßen umweltverträglich zu gestalten.

Nicht nur beim Thema Klimapolitik - die üblichen diplomatischen Floskeln werden auch heute wieder dazu dienen, um diese oder jene Verärgerung zu kaschieren oder Punkte, an denen sich so gar nichts bewegt zwischen Präsident und Kanzlerin. Die aus amerikanischer Sicht immer noch völlig unzureichende Zahl der deutschen Soldaten in Afghanistan zum Beispiel. Oder die mangelnde Bereitschaft Berlins, Obama aus der Guantanamo-Patsche zu helfen.

Am Ende aber werden sie und auch wir wieder feststellen, dass Amerikaner und Deutsche, trotz aller gegenseitiger Vorurteile, ein sehr stabiles, freundschaftliches Verhältnis zueinander haben, das selbst ausgewachsene Männerfeinde wie Gerhard Schröder und George W. Bush nicht wirklich kaputt machen konnten. Das ist ein ziemlich wunderbares Ergebnis von sechs Jahrzehnten transatlantischer Beziehungen. Seite 4

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