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Kommentar

Was Schulen und Unis dringend nötig haben

Es gibt wohl kaum ein Thema, bei dem postulierte Wirklichkeit und gefühlte Wirklichkeit so weit auseinanderliegen wie bei der Bildung.

Bildung, Bildung, Bildung, das beschreiben seit Jahren, Jahrzehnten, landauf, landab Politiker aller Parteien als das zentrale Anliegen ihrer Politik. Das Zukunftsthema, das Megathema, das Wasweißichnochalles. Bildung - das ist, nicht nur in den Sonntagsreden der Politiker und Interessenvertreter, unsere Antwort auf die globalisierte Welt. Mindestens.

Auf der anderen Seite wissen mindestens ebenso lange Schüler, Studenten, Eltern, Lehrer und Gelehrte, dass es so nun wirklich nicht weitergeht an der Schule, an der Hochschule, auch nicht im Kindergarten. Zu volle Klassen, überforderte Lehrer, zu schlechte Ausstattung, überfüllte Hörsäle, zu wenig Förderung, zu wenig Forderung, mangelhafte Fortbildung, mangelhafte Integration, zu wenig Fremdsprachen, zu wenig Computer, zu wenig Geld. Fürs Gehalt, für die Fibeln, für neue Gebäude, für notwendige Reformen, für mehr Nähe, für gleiche Chancen, für alles. Es nimmt kein Ende, niemals.

Irgendwas läuft schief.

Wir stecken jedes Jahr deutlich mehr als hundert Milliarden Euro, je nachdem, was man alles dazuzählt, in unsere Bildung. Wir reformieren unsere Schulen und Studiengänge was das Zeug hält, wir beschleunigen die Ausbildungsgänge, und dann entschleunigen wir sie wieder. Wir fassen zusammen und separieren, wir lieben unsere Kinder, sind früher selbst auf die Straße gegangen - für bessere Bildung natürlich. Und wir wussten doch auch ganz genau, wie das funktionieren könnte. Damals. Nun, diverse Bildungsoffensiven später, stehen wir da mit unserm Talent und schauen in die wissbegierigen Augen unserer Jugendlichen, die zu Recht etwas erwarten von uns, und müssen zugeben: Nein, besser gemacht haben wir es irgendwie auch nicht.

Alles noch mal von vorn also? Zurück auf los? Neue Reform? Neues Geld? Neue Chance?

Man darf darüber nachdenken, man darf immer auch Neues wagen, gerade im Bildungsbereich. Nur: Daran hat es ja nicht gefehlt in der Vergangenheit. Eher an Beständigkeit, Berechenbarkeit, Kontinuität. Qualitäten, die verdammt wichtig sind fürs Erwachsenwerden, in der Familie. Aber eben auch in unseren Schulen und Hochschulen. Möglichst vielen möglichst viel Verlässlichkeit zu liefern, das muss das Ziel der Bildungspolitik der kommenden Jahrzehnte sein. Bundesweit, und in Berlin erst recht.

Dazu noch, eigentlich ganz selbstverständlich: der Griff an die eigene Nase, der Versuch, es selbst besser zu machen als unsere Vorgänger. Die besseren Eltern zu sein, die besseren Lehrer, die besseren Professoren, auch die besseren Trainer. Es liegt gar nicht immer an der falschen oder richtigen Politik. An einzelnen Menschen, das weiß jeder, der Kinder auf der Schule, D-Jugendliche beim Fußballtraining oder Erstsemester an der Uni hat, hängt am Ende der Erfolg jedes noch so filigran ausgetüftelten, noch so gut ausgestatteten Bildungssystems.

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