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05.05.09

Kommentar

Warum ausgerechnet Fiat Opel helfen könnte

Ja, daran werden wir uns auch noch gewöhnen müssen. Dass unsere, natürlich überaus fundierten, Vorurteile nicht mehr so recht taugen für die Blaupausen der Zukunft.

Es ändert sich da gerade ein bisschen was in der Welt.

Fiat, zum Beispiel, genau: diese sogenannten Autofabrikanten aus dem Land der Pizzabäcker, Spaghettiköche und merkwürdigen Regierungschefs. Die mit den untermotorisierten Rostlauben und einem Kleinwagen namens 500, der allenfalls aussieht wie 50-einhalb. Ja, ausgerechnet dieses italienische Unternehmen könnte eine Aufgabe bewältigen, an der unser deutscher Daimler gescheitert ist. Chrysler hat Mercedes an den Rand des Ruins gebracht. Jetzt übernimmt Fiat. Und Opel - unseren guten, alten Opel, Papas Wagen - den wollen sie auch. Fiat! Das muss man erst mal verkraften.

Ernsthaft: Es liegt im Interesse unseres Landes, unserer Arbeitnehmer, dass die Bundesregierung, dass auch das Unternehmen Opel sich eben nicht von den gut gepflegten Klischees der Vergangenheit beeindrucken lassen, sondern die Papiere intensiv prüft, die die Turiner Konzernchefs gestern in Berlin vorgelegt haben. Trotz oder gerade auch wegen der darin enthaltenen Härten wie der möglichen Aufgabe des Standorts Kaiserslautern: Es deutet einiges darauf hin, dass die Perspektiven der Rüsselsheimer Traditionsmarke unter Fiats Fittichen besser sein könnten als unter denen eines kanadischen Zulieferers oder auch eines Finanzinvestors.

Dafür spricht zum Beispiel die Einschätzung vieler Experten, dass die massenhafte Herstellung von Automobilen künftig ökonomisch nur noch ab einer Stückzahl von fünf, vielleicht sechs Millionen Fahrzeugen im Jahr zu gewährleisten ist. Dafür spricht auch, dass sich die Produktpaletten der beiden Unternehmen ganz geschmeidig aufeinander einstellen ließen. Fiat für die Kleinwagen, Opel für die Mittelklasse, eines Tages vielleicht auch für höhere Ansprüche, mit einem neuen Opel "Kapitän" zum Beispiel oder einem "Diplomat". Dafür spricht außerdem, dass mit dem dritten Partner Chrysler auch große Märkte außerhalb Europas bespielt werden könnten. Nicht zuletzt: Angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise, angesichts der sich in deren Folge abzeichnenden, sehr harten Verteilungskämpfe sind die Europäer insgesamt, aber eben gerade auch die hier verwurzelten Konzerne, gehalten, alte Ressentiments beiseitezuschieben und viel stärker als bisher zusammenzuarbeiten.

Andererseits, und auch das muss die Bundesregierung - aller Wahlkampfverlockung und aller Pflicht zum Arbeitsplatzerhalt zum Trotz - sorgfältig wägen: Die Rettung der Opel AG darf am Ende, unterm Strich und bei Einrechnung aller Folgekosten der Alternative Insolvenz, nicht zulasten der Steuerzahler gehen. Staatliche Hilfen, sei es in Form von Bürgschaften oder anderer Wettbewerbsvorteile, kann und darf es nur geben, wenn damit belastbare Vorteile wie dauerhafte Arbeitsplatzgarantien und damit auch Steuereinnahmen hierzulande verbunden sind.

Das mag man für typisch deutsches Sicherheitsdenken halten, es bleibt aber richtig. Auch in neuen Zeiten. Seite 3

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