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Mein Tagebuch

Ein Weltstar zeitgenössischer Kunst als Filmvorführer im Pfefferberg

Pfefferberg-Gelände in Mitte. Festliches Gefühl beim Erlebnis dieses alten, zum Kulturquartier gewordenen Industrieensembles. Es ist, als stecke in diesen alten Backsteingehäusen immer noch etwas vom optimistischen Geist aus der Hoch-Zeit der Industrialisierung.

Weiße Zettel mit Pfeilen weisen den Weg zur Filmvorführung im Atelier von Olafur Eliasson. Vor ein paar Jahren, als eine Million Menschen zu Eliassons großer Sonne im "Wheather Project" der Londoner Tate Gallery strömte, bemerkte man in Berlin überrascht, dass dieser veritable Weltstar der zeitgenössischen Kunst seit längerer Zeit schon in der Stadt lebte. Sein Atelier hat Fabrik-Ausmaße: Ganze Lagerhallen voller Metallteile, Bohr- und Fräsmaschinen, Elektroinstallationen und Lampen.

Eliassons Stoff ist das Licht. Heute ist er der Gastgeber für die Uraufführung des Films "Dreamland", den sein isländischer Landsmann Andri Magnason gemacht hat. Der Mittdreißiger, der gar nicht wie ein Wikinger, sondern wie ein netter Lehrer aus der Nachbarschaft aussieht, ist so etwas wie der "grüne" Nationaldichter Islands. Er schreibt Romane, Theaterstücke, Gedichte, Kinderbücher und politische Essays. Was ihn umtreibt, ist die Rettung der Natur. Was er bekämpft, ist die Ideologie des permanenten Wirtschaftswachstums und die forcierte Industrialisierung Islands durch die Aluminiumindustrie. Wer Aluminium macht, braucht Strom, und nirgendwo auf der Welt ist der so billig wie in Island mit seiner potenziell unermesslichen Wasserkraft.

Der Film ist kämpferisch und rührend zugleich. Da fliegen wir mit der Hubschrauber-Kamera über die atemberaubend archaische Landschaft Islands, unter uns eine dahinstiebende Rentiergruppe. Wir sausen durch Canyons, stürzen Wasserfälle hinunter, schauen Bauern zu, die Schafe weiden, und folgen den Vögeln beim Brüten bis ins Nest. Und bekommen die Gegenwelt, die amerikanischen Aluminium-Manager und ihre isländischen Partner in der Politik, so recht unsympathisch präsentiert. Der Film ist fair genug, dass er nicht nur die beherzten Umweltschützer zeigt, die Planierraupen blockieren, sondern auch die isländischen Dorfbewohner, die sich - ökologisch vielleicht kurzsichtig - über die Aluminium-Schmelzen freuen, weil sie auf Arbeitsplätze hoffen.

Film vorbei, was fühlt man? Nicht zuletzt die Kühle in Eliassons ungeheizter Halle. In Berlin kommt leider kein heißer Dampf gratis aus der Erde, um den Winter zu erwärmen.

Bis morgen

Ihr

Christoph Stölzl

christoph.stoelzl@morgenpost.de
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