Frau Leinemann schiebt durch die Stadt
Und hier der Live-Stream aus dem Krankenzimmer
Eigentlich wollte ich über das Thema nicht schreiben: unser heimischer Krankenstadl. Alle befreundeten Familien mit Kindern sind momentan krank, wir eben auch. Aber jetzt zieht sich unser Krankenlager in die vierte Woche.
Ab und zu täuschen die Kinder kurz Gesundheit vor und verschwinden ein, zwei Tage in Schule und Kindergarten. Aber nur, um noch fiebernder, hustender, rotzender wieder aufzutauchen. Es ist zum Verzweifeln.
Wir haben alle Varianten durch: Tochter krank, Sohn gesund. Mutter krank, Kinder gesund. Tochter und Sohn krank. Tochter, Sohn und Mutter krank. Gerade haben wir folgende Konstellation: Tochter gesund, Sohn krank. Nur mein Mann hält sich aus allem raus. Er muss ein Teflon-Immunsystem haben. Keine Ahnung, wie er tagtäglich unsere Keime abwehrt. An Gäste sollten wir einen Mundschutz verteilen.
Weil ich also derzeit über nichts anderes reden, an nichts anderes denken kann als an Krankheit, fertige ich jetzt für Sie ein Protokoll an. Halt! Protokoll sagte man früher dazu - in der Siebziger-Jahre-"Literatur aus der Arbeitswelt". Heute würde man, was jetzt folgt, einen Live-Stream nennen. Hier also ein Live-Stream direkt aus unserer Wohnung. Stellen sie sich einen kleinen, glühbackigen Dreijährigen mit durchdringend hoher Stimme vor, dem man dringend den Stimmbruch wünscht. Er sitzt aufrecht im Schlafanzug auf der Matratze, die extra für ihn im Wohnzimmer vor Fernseher und CD-Anlage aufgebaut wurde. Achtung, die Verbindung steht. Live-Stream ab:
"Mama, Nase läuft!"
"Ich will Salzstangen!"
"Wo ist Papa?"
"Tief im Wald, da lebt der Räu-häu-ber Hotzenplotz."(Lautstark von der CD.)
"Na-ha-se läuft!"
"Mama, ich will Wasser!"
"Ich will Milch!"
"Spiel mit mir, Mama."
"Pass auf! Hier kommt eine Bombe!"
"Ich bin stärker!"
"Ich bin krank!"
"Yup, yup, yup!" (Dinosaurier Duffy mit Piepsstimmchen aus "In einem Land vor unserer Zeit", läuft auf Kika.)
"Ich will acht Bücher."
"Das Buch nicht. Das mag ich nicht."
"Ich will noch drei Bücher."
"Mama, ich brauche mein Polizeiauto."
"Wo ist das Fiebermess?"
"Neiin! Keine Nasentropfen!!!"
"Roary, mein kleiner Held - du bist die Nummer eins!" (Sprechender roter Rennwagen im Kinderfernsehen.)
"Ta! Schen! Tuch!"
"Ich will Kekse!"
"Maaaaamaaaaa! Ich! Bin! Fer! Tig!" (Schrei aus der Toilette.)
"Wo ist mein Wasser?"
"Mama, jetzt bin ich gesund."
"Ich will immer krank sein."
"Mama, du sollst heute Nacht bei mir schlafen."
"Mir ist kalt."
"Nase läuft!"
"Ich will Cornflakes."
"Wo ist meine Schwester?"
"Wenn man krank ist, kriegt man eine Kinderzeitung, oder? Ich will eine Kinderzeitung!"
"Auf den Türmen, da steht in großen Stürmen, bei kaltem Wind und Frost der Burgherr Ritter Rost." (CD)
"Mama, komm mal!"
"Mama, wo bist du?"
"Lass mich rein, Mama. Ich will auch ins Badezimmer." (Das ist abgeschlossen. Er hängt an der Türklinke.)
"Ich will im Wohnzimmer schlafen."
"Ich bin nicht müde."
"Keine Zähne putzen!!!!"
"Die Pi-pa-po-Piraten!" (Lautes Grölen von einer geschenkten CD.)
"Lies mir was vor."
"Iiih, eklig! Ich habe keinen Hunger."
"Nase läuft."
"Wo ist mein Polizeiauto?! Die Nachbarn haben mein Polizeiauto geklaut! Nachts!"
"Meine Stirn tut weh."
"Bauch! Schmer! Zen!"
"Mein Polizeiauto! Mein Polizeiauto ist wieder da."
"Taschentuch!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!"
Pardon, gerade ist die Verbindung zusammengebrochen.
Nächste Woche rennt wieder Frl. Garbers durch die Stadt
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