Geschichten aus Zoo und Tierpark
Diese Frösche werden auch ohne küssen rot
Samstag, 18. Oktober 2008 14:00 - Von Tanja LaningerFrösche küsst man nicht. Es ist der Mühe nicht wert. Siehe Miss Piggy: Die Muppets-Mecker-Ikone ist dick und kreuzunglücklich an der Seite ihres Froschs. Kermit ist ein Jammerlappen, kein Prinz. Selbst wenn Piggy ihn wie die Prinzessin im Grimmschen Märchen an die Wand klatscht - er bleibt ewig grün und kreischt "Applaus, Applaus, Applaus".
Vielleicht bringen ruhige, rote Frösche mehr Glück? Solche mit einem Namen, der Hausfrauenherzen schneller schlagen lässt: "Tomatenfrosch". Er stammt aus Madagaskar und ist in fünffacher Ausführung im Aquarium zu sehen. Für Menschen mit Geduld und scharfen Augen. Denn ein Tomatenfrosch buddelt sich im Sand ein, bis nur noch seine großen Augen zu sehen sind. Er versteckt sich unter Wurzeln. Er kommt tagsüber gar nicht raus. Aber nachts. "Dann laufen die Frösche in ihrem Terrarium hin und her und suchen sich Nahrung", sagt Tierpfleger Robert Seuntjens. Fütterung ist sonntags und donnerstags während des Publikumsverkehrs. Dann wirft der 41-Jährige den Engmaulfröschen Grillen und Regenwürmer ins Terrarium.
Tomatenfrösche laufen viel. Sie leben an Land, am Boden, schwimmen wenig, hüpfen selten. Es lohnt sich nicht: Die Beine sind zu kurz. So macht ihnen nicht die französische Feinschmeckerkultur zu schaffen, sondern die Bedrohung ihres Lebensraums in Madagaskar durch umfangreiche Rodungen.
Sind sie aufgeregt, pulsiert ihre Kehle, sie blähen sich auf und produzieren ein Sekret. "Viele Frösche sondern ein Hautgift ab. Das schützt sie gegen Pilze und Bakterien. Menschen schadet das Gift nur, wenn es direkt ins Blut gelangt", sagt Seuntjens. Tomatenfrösche sind zahm, Seuntjens hat im Handumdrehen ein dickes Exemplar umgesetzt. Es ist ein Weibchen, die sind größer als die Männchen. Beide fahren regelmäßig aus ihrer Haut - und fressen sie auf. Wird die Luft zu trocken, bleibt die alte Haut am Frosch kleben, verstopft seine Poren und: Exitus! "Darum sorgen wir für hohe Luftfeuchtigkeit. Sie beträgt nachts bis zu 100 Prozent, tagsüber 70 Prozent", so Seuntjens.
Balzrufe sind im Aquarium zwar schon erklungen, und Froschsex fand auch schon statt. Nur abgelaicht wurde in den Wassernapf noch nicht. In freier Wildbahn wandern Tomatenfrösche zu Wassergräben und Tümpeln. Das Männchen lässt mit Hilfe einer inneren Schallblase seine Rufe erklingen - bis zu 60 Mal in knapp zwei Minuten. Die Begattung geschieht per Huckepack: Er hüpft auf ihren Rücken und klammert sich mit seinen Beinchen hinter ihren Vorderbeinen fest. Die Befruchtung geschieht außerhalb der Körper. Der Laich besteht aus bis zu 1500 weißen, drei Millimeter großen Eiern, die sich wie ein Film über die Wasseroberfläche verteilen. Nach 36 Stunden schlüpfen Kaulquappen, die dann ihre Metamorphose zu Tomatenfröschen vollziehen und an Land gehen. Später werden sie rot. Die Farbe sei genetisch bedingt, eine Laune der Natur, sagt Seuntjens. Vom Küssen kommt sie jedenfalls nicht.











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