Geschichten aus Zoo und Tierpark
Duschen auf Knopfdruck
Die Achtjährige war die schnellste. Kaum zwei Tage auf der neuen Anlage, hat Djasinga die Selbsttränke entdeckt. Ein Utensil, das für alle Orang Utans im Zoo Berlin so überraschend ist wie das gesamte Areal.
Von Tanja Laninger
Anfang Juni 2011 hat die Gruppe ein neues Außengehege bekommen. Kosten: 640 000 Euro. "Es hat sich gelohnt", sagt Tierarzt und Kurator André Schüle.
Als Schaufenster dient eine sechs Zentimeter dicke Sicherheitsglasscheibe. Hüben wie drüben sind Andrang und Interesse groß. Menschen lieben ihre verloren dreinschauenden Verwandten mit dem langen, roten Fell und den krummen Beinen. Die Anatomie ist bei Orangs - wie bei Jockeys - eine Folge der Lebensweise: Sie tummeln sich in Bäumen, mehr als die drei anderen Großen Menschenaffen. Im Zoo können sie sich durch eine Kletterkuppel schwingen und in Hängematten Schlafnester bauen. Wer in der Luft lebt und schläft, entwickelt einen gedrungenen Körper und lange Arme.
Nun schaut nicht nur der Mensch aufs Tier, es geht auch umgekehrt. "Kinder mit Eistüten oder Plüschtieren ziehen unsere Orangs magisch an", sagt Schüle. Djasinga ist die Pfiffigste von allen Orangs - und die Kreativste. "Sie nutzt die Tränke auch zum Duschen", sagt Schüle. Trinken, Duschen - das geht nur auf Knopfdruck. Tja, Tiere sind schlau. Orang Utans etwa sind lernfähig, benutzen Werkzeug und lösen verzwickte Aufgaben. Die Psychologin Anne Russon von der York-University in Toronto, Kanada, berichtet von einem Orang Utan, der Essen aus dem Kühlschrank seiner Tierpfleger stahl. Sie kamen dem Affen erst bei einem Zahnarzttermin auf die Schliche: Unter seiner Zunge hatte das Tier den aus einer Büroklammer selbst gedrehten Nachschlüssel für seinen Käfig versteckt.
Gut möglich, dass sich Satu Dschasingas Dusch-Kniff noch abschaut. Satu ist eine waschechte Berlinerin, 2006 im Zoo geboren. Ihre Eltern sind die 21 Jahre alte Mücke, ebenfalls Berlinerin, und Enche. Enche kommt aus dem Zoo Heidelberg, ist mit 22 Jahren der Älteste und als einziger Mann der Chef der Gruppe.
Alle viere nehmen die neue Anlage gut an - wenn das Wetter sie lässt. Nur wenn die Witterung angenehm ist und die Temperatur mehr als 10 Grad beträgt, dürfen sie ins Freie - wenn man 600 Quadratmeter so nennen will. Die Zahl unterschreitet nach Angaben des WWF bei weitem die Fläche an Lebensraum, die zeitweise im 20-Sekunden-Takt im ursprünglichen Lebensraum von Orang Utans in Indonesien vernichtet wurde. Die Rodung bereitet den Anbau von Ölpalmen vor.
Die Weltnaturschutz-Organisation IUCN listet die Sumatra Orang Utans - zu denen die Zoo-Tiere gehören - als "vom Aussterben bedroht" und nennt für 2004 eine Population von 7000 Exemplaren.
Weitere Kolumnen von Tanja Laninger unter www.morgenpost.de/tierfamilie
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