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07.08.11

Geschichten aus Zoo und Tierpark

Erdwölfe spachteln giftige Termiten

Wer lebt in Erdhöhlen und sieht aus wie ein Wolf - oder ein Punk, bei aufgestelltem Nackenhaar? Der Erdwolf. Er heißt zwar so, ist aber gar kein Wolf, sondern eine Hyäne.

Erdwölfe sind die kleinste Hyänenart. Bis zur Schulter gemessen werden die katzenartigen Tiere etwa 50 Zentimeter hoch bei einer Körperlänge von 90 Zentimetern. Die neuen Erdwölfe im Berliner Tierpark sind schon ausgewachsen, auch wenn sie erst ein Jahr alt sind. Die beiden sind Brüder und verstehen sich prächtig, sagt Reviertierpfleger Michael Horn. "Sie liegen immer zusammen: sei es in ihrer Erdhöhle - die sie sich selbst gegraben haben - oder im Sonnenschein."

Wobei der hellere der beiden Brüder der freundlichere ist. Vor der dunkleren Variante nehmen die Tierpfleger sich in Acht, weil er den Eindruck erweckt, in ihre Waden beißen zu wollen. "Wir sperren ihn ein, wenn wir auf die Anlage müssen", sagt Horn.

Der Tierpark hat die Tiere vom "Rare Species Conservation Centre" aus Sandwich in England erhalten. Das war im März 2011. Nun hofft Kurator Florian Sicks auf ein Weibchen für die Zucht. Versprochen ist es, aber der Termin ist offen. Sollte es später mit Nachwuchs klappen, werden die beiden Brüder sich nicht streiten, wer von ihnen der Vater ist. Denn wahrscheinlich wird einer von ihnen dann an einen anderen Zoo abgegeben.

In freier Wildbahn können Erdwölfe sich in Dingen wie Vaterschaft nie sicher sein: Es gibt keine festen Paarbindungen - sprich Treue. Es macht ihnen nichts aus - Erdwölfe sind also viel cooler, als Löwen oder Gorillas, die den Nachwuchs von Konkurrenten sogar töten. Das Weibchen, das sich ein Revier mit einem Erdwolf teilt, wird von ihrem "Mitbewohner" sogar bei der Aufzucht unterstütz: Er schiebt nachts stundenlang vor dem Bau Wache, damit kein Schabrackenschakal - des Erdwolfs größer Feind - ein Jungtier frisst. In der Zeit kann das Weibchen mit seiner spachtelartigen Zunge Termiten von der Erdoberfläche ablecken - zum Graben fehlen Erdwölfen die Klauen und zum Ausschlecken der Gänge ist ihre Zunge nicht lang genug.

Erdwölfe leben ursprünglich in Afrika in zwei getrennten Verbreitungsgebiet: vom südlichen Ägypten bis Tansania im Osten Afrikas sowie ganz im Süden des Kontinents. Sie sind nachtaktiv- und aktiv heißt aktiv. Sieben, acht, neun Stunden lang durchstreifen die Einzelgänger ihr Revier, um im Schnitt 300.000 Termiten zu fressen. Ja, mitnichten Aas, wie es Streifenhyänen vertilgen, sondern nur Termiten der Gattung Trinervitermes. Erdwölfe sind Nahrungsspezialisten - und darin einzigartig unter den Raubtieren. Sie sind die einzigen Tiere, die diese giftige Art vertragen. Obwohl: "Sie müssen sich an das Gift gewönnen", sagt Sicks, "junge Erdwölfe übergeben sich nach dem Fraß oft. Mit dem Älter lässt das nach." Den Kopf der Termiten, in dem das meiste Gift - ein sogenanntes Terpenoid - sitzt, scheiden die Erdwölfe unverdaut aus. Wieso der Kopf anders als der übrige Körper nicht durch Speichel zersetzt und am Magenausgang zerrieben wird, ist noch ein Rätsel für Forscher. Die Termiten decken den ganzen Flüssigkeitsbedarf eines Erdwolfs - er trinkt in freier Wildbahn selten Wasser. Anders im Tierpark. Dort saufen die beiden Exemplare sich satt. Denn Sicks und Horn können mit keiner einzigen Termite dienen.

Als Zooreporterin im Fernsehen: TV.Berlin, Sa. 18.20 Uhr, So. 18.20, 21.20, 23.20 Uhr. Weitere Kolumnen von Tanja Laninger unter www.morgenpost.de/tierfamilie

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