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10.07.11

Geschichten aus Zoo und Tierpark

Bingo Bongo im Berliner Zoo

Der Bongo kommt aus Afrika. Sein Namensvetter, die mit Tierhaut bezogene Doppel-Trommel, ist populär in der Son-Cubano-Musik. Auch das Fell des Bongos ist begehrt, sein Fleisch auch.

"Es soll sehr schmackhaft sein", sagt Zoo-Kurator Tobias Rahde. Bongos werden gejagt und als so genanntes Buschmeat vertilgt. Ein weiterer Grund für ihre abnehmende Zahl ist, dass ihr Lebensraum, der afrikanische tropische Dschungel, schrumpft. Vor 40 Jahren, als der Zoo Berlin zum ersten Mal Bongos zeigte, waren die Waldböcke auch in Tierparks selten. Doch die Nachzucht gelingt gut und so gilt heutzutage der traurige Satz, dass in Zoos mehr Bongos zu sehen sind als in ganz Kenia. Die Weltnaturschutzunion IUCN schätzt den Bestand der Östlichen oder Mountain-Bongos vage auf weniger als 300 Exemplare. In 50 europäischen Zoos werden insgesamt 227 dieser Tiere gehalten.

Im Zoo Berlin sind kürzlich vier Östliche Bongos dazugekommen. Zwei Mädchen und zwei Jungen. Die Jungen werden später Herdenchefs und irgendwann zu Vätern. Um die Aufzucht kümmern sich allein die Mütter. Im Februar und April 2011 geboren, musste der Bongo-Nachwuchs zuerst im Stall leben. "Da war er sicher vor Füchsen und Krähen", sagt Rahde. Inzwischen sind die Kälber groß genug und dürfen in der Anlage herumspringen. Bongos sind neugierig, wenngleich nicht so überdreht wie Affen - einen Menschen, der bei Affen aufwuchs spielt Adriano Celentano im Film "Bingo Bongo" - hat zwar nichts mit den Bongos, um die es hier geht, zu tun, aber immerhin stammen auch die Affen aus Afrika.

Bongos sind in natura wenig bühnentauglich, denn sie sind stille Gesellen - jedenfalls für Menschenohren. Tatsächlich kommunizieren Bongos sehr viel - nur in einem so tiefen Frequenzbereich, dass wir sie nicht hören können. Den Biologen geben Bongos auch ansonsten Rätsel auf. Die Tiere leben im Wald, sind hellbraun auf dunkelbraun gestreift und daher gut getarnt, aber ein bisschen zu groß fürs Dickicht. "Die Vermutung der Biologen ist, dass Bongos einst in der Savanne lebten wie andere Antilopen auch, dann im Laufe einer langen Zeit vom Wald eingeschlossen wurden", sagt Rahde.

Bei den Bongos tragen Männchen und Weibchen Hörner. Schon kurz nach der Geburt beginnt das Horn bei den Jungtieren zu wachsen. Bleibt zu wünschen, dass die Berliner Bongos nicht nach ihrem Vater Shagri geraten: Dem zehnjährigen Bullen stehen die Hörner schief.

Weitere Kolumnen von Tanja Laninger unter morgenpost.de/tierfamilie

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