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05.06.11

Geschichten aus Zoo und Tierpark

Laufvögel-Damen mit zweifelhaftem Ruf

Die vier sehen aus wie Frischlinge: hellbraune Streifen auf dunklem Untergrund - nicht auf Fell, sondern in Federn. Die Rede ist von den neuen Emus. Neu heißt in ihrem Falle jung. Geschlüpft sind die Küken am 2. und 3. April 2011. Was sie als erstes machten, war, ihre Dottersäcke aufzufressen und Fett anzulegen.

Das liefert in Notzeiten Energie und Wasser - selbst ausgewachsene Emus achten angesichts australischer Dürre immer auf ihre Pölsterchen an Schenkeln und Bauch. Nur die Männer sind regelmäßig zu dünn. Die Hähne sitzen fast zwei Monate auf dem Gelege. "In der Zeit stehen sie nur auf, um die Eier zu wenden", sagt Reviertierpfleger Christian Möller vom Zoo Berlin. Zeit zum Gras-Fressen nehmen sie sich nicht. Denn Feinde könnten die Gelegenheit nutzen, die Schalen brechen und den Inhalt wegschlürfen. Wer sich aus dem Staub macht, sind die Mütter. Emu-Damen sind leichte Mädels, jedenfalls downunder. Sie werfen sich den Emu-Herren an den halbnackten Hals, lassen gewisse Dinge geschehen, legen Eier und ziehen zum Nächsten. Ihnen bleiben zwei Monate Brut und Hunger erspart - klar, dass sie größer und dicker sind als die Männchen. Und sogar aggressiver. Selbst im Zoo. Dort lebt das Weibchen in Partnerschaft mit dem zwei Jahre jüngeren Hahn. Wenn ihr was nicht passt, blubbert sie. Nicht mit einer Wasserpfeife, sondern durch einen Spalt zwischen Luftröhre und Halssäcken in der Kehle. Der Ruf klingt wie Walgesang als Dub-Sound, eine Akustikblase, die tief und schwer durch den Zaun rollt. Der Reviertierpfleger Möller ist für Wohl und Wehe der Emus verantwortlich, er muss das Gelände betreten. Er hält sich die Eltern mit einem Besen vom Hals. Sie würden ihn sonst beißen und treten. Und wer die sechs wurstdicken Zehen der Emus schon gesehen hat, will seine Hände lieber in eine Fahrstuhltür halten, als einem Emu guten Tag zu sagen.

Auch die Beckenmuskulatur ist ausgeprägt - schließlich muss ein Emu gut laufen können, wenn das Fliegen schon nicht mehr funktioniert. Emus schaffen 50 Stundenkilometer. Ihre Flügel sind völlig verkümmert, ihre Federn allerdings doppelt angelegt: Aus einem Schaft, dem Kiel, entspringen zwei Federn. Das macht ihr Federkleid dichter und dient den Gelegenheitsschwimmern als Isolation. Menschen mögen Emuhaut und Emufleisch. Mit Emu-Öl sollen sich schon die Aborigines beholfen haben: um ihre Waffen zu ölen und außerdem auch die Gelenke - gegen Arthritis.

Zu den Waffen hat bereits das Militär in Westaustralien gegriffen. 1932 war das, in einem heißen Sommer, als Emus vor lauter Durst in Massen umherwanderten und Weizenfelder gefährdeten. Doch Kugeln erwiesen sich als ungeeignet, die hektisch rennenden Tiere zur Strecke zu bringen. So bauen Farmer Zäune. Im Südwesten Australiens soll ein solcher Emu-Abschreckungs-Zaun angeblich 1000 Kilometer Länge messen. Zum Vergleich: Die Avus kommt zwischen Funkturm und Nikolassee auf neun Kilometer. Und die Emu-Küken reichen Müller gerade mal bis zum Knie.

Weitere Kolumnen von Tanja Laninger unter: morgenpost.de/tierfamilie

Als Zooreporter im Fernsehen: TV.Berlin, Sa. 18.20 Uhr, So. 18.20, 21.20, 23.20 Uhr

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