Geschichten aus Zoo und Tierpark
Am Anfang stand die Fastenkur
Es ist Fastenzeit, sogar für die zwei Mongozmakis im Tierpark. Nur gründet ihre Diät nicht im Glauben, sondern dient der Gesundheit. "Sie waren zu fett, als sie herkamen", sagt Affen-Kurator Andreas Pauly.
Von Tanja Laninger
Benson brachte 3,5 Kilo auf die Waage, Lysiane so um die zwei. Das mögen Gewichtsangaben sein, bei denen Topmodells in die Hände klatschen, dass die Knochen knacken - aktuell machen sich wieder etliche Anwärterinnen vor Heidi Klum zum Affen. Mongozmakis sind Affen, recht kleine allerdings. Sie werden nur 35 Zentimeter groß. Pauly gibt ihr Idealgewicht mit 1,2 bis 1,8 Kilo an. Im Dezember 2009 hat er die fast 15 Jahre alte Lysiane und Benson (13) aus verschiedenen Zoos erhalten. Vermittelt wurden sie von Kim Simmons, die im Zoo Linton in Großbritannien das Europäische Erhaltungszuchtprogramm führt und derzeit nur 49 Tiere gelistet hat.
Mit dem Umzug kam die Kur: 175 Gramm gekochtes Obst und Gemüse geben die Tierpfleger den Makis raus - das ist 'all you can eat' im besten Sinne. Verschlangt auf 2,2 Kilo schlackert Bensons Bauch inzwischen wie ein klatschnasses Handtuch im Wind. Das Fett schmilzt, das Gewebe ist ausgeleiert. "So locker wird die Haut bleiben", sagt Pauly. Der Mann ist Tierarzt, kein Schönheitschirurg, er lässt das Skalpell ruhen und den Tieren ihre Würde - ähnlich wie der amerikanische Maler Walton Ford. Fords "Bestiarium" zeigt angekettete, sterbende und tafelnde Affen, die verstörenden Aquarelle sind bis zum 24. Mai im Hamburger Bahnhof in Mitte ausgestellt.
Bei der Kur der Makis im Tierpark geht es ums Überleben im doppelten Sinne. Die Individuen sollen gesund leben und für Nachkommen sorgen. "Denn der Bestand ist durch Jagd und Regenwaldabholzung bedroht", sagt Pauly.
Mongozmakis stammen von Madagaskar. Sie sind genau wie Kattas oder Varis "echte Makis", auch Lemuren genannt. Ihr Verbreitungsgebiet im Nordwesten der afrikanischen Insel ist sehr klein, sie kommen zudem auf den Komoren vor, auf Anjouan und Moheli, vermutlich weil sie dorthin von Menschen in Booten mitgenommen wurden. Ob Makis schwimmen können, ist nicht bekannt, aber unwahrscheinlich. Sie leben auf Bäumen und klettern prima, auch wegen ihres Schwanzes, der mit bis zu 48 Zentimetern länger ist als ihr Rumpf.
Makis sind Halbaffen - aber so nenne man das heute nicht mehr, sagt Pauly. Es heißt nun Feuchtnasenprimaten - man kann sich denken warum. Halber Affe erinnert an eine halbe Portion - was passt, weil Mongozmakis größenmäßig nur knapp an das weiße Kaninchen von Alice im Wunderland heranreichen.
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