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Von Ameise bis Zebra - Die spannendsten Tiere Berlins aus Zoo, Tierpark und Aquarium.

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Geschichten aus Zoo und Tierpark

Zu Besuch bei den lebenden Fossilien

Für Mehlwürmer ist ihre Schnauze ein Staubsauger des Todes. Aber wenn ein Erdferkel an einem Menschen schnüffelt, kitzelt es nur. Die Tiere werden - wie die Zeichentrickfigur 'die blaue Elise' - unterschätzt.

Tanja Laninger schaut Erdferkeldame Karla in die Augen
Foto: Pressefoto Wagner
Tanja Laninger schaut Erdferkeldame Karla in die Augen

Der Erdferkel Schönheit erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Man muss nahe rangehen, dann sieht man sie, die langen Wimpern, und spürt es, das weiche Fell. Und sie riechen frisch gewaschen. "Sie sind eben wie Ferkel: sehr sauber", sagt Zoo-Kurator Heiner Klös.

Reviertierpfleger Mario Grüßer schüttet deshalb besonders viel Erde ins Gehege im Nachttierhaus. Darin vergraben die reinlichen Säugetiere ihren Kot und ihren Urin. Die Schnauze der Erdferkel ist scheibenförmig mit zwei Löchern. Damit sehen Erdferkel aus wie Schweine. Ihre Ohren sind lang wie die der Hasen und ihr Schwanz sieht aus wie vom Känguru abgezwackt. Erdferkel werden auch als lebende Fossilien bezeichnet, weil sie schon seit 15 Millionen Jahren auf der Erde vorkommen - in Afrikas Savanne. In Amerika rennen ähnliche Tiere herum, die Ameisenbären. Aber verwandt, sagt Kurator Klös, sind die beiden nicht. "Da hat sich nur auf zwei Kontinenten eine analoge Entwicklung ergeben."

Zum Beispiel die Zunge. Die der Ameisenbären ist blau, die von Erdferkeln weiß. Sie ist zwar schmal, aber extrem zugespeichelt, was wie braune Fang-Bänder auf Fliegen wirkt: Die Tiere bleiben dran kleben. Plucky (5) und Karla (4) kleben auch aneinander. Ist es draußen hell, verziehen sie sich in ihre Höhle und kuscheln. Nachwuchs gab es schon drei Mal, nur überlebt hat noch kein Junges.

Erdferkel sind nachtaktiv. Bei ihren Beutezügen verlassen sie sich weniger auf ihre Augen als auf Geruchssinn und Gehör. Vor ihren Feinden - Leoparden, Löwen und Hyänen - laufen sie davon. Reicht das nicht, werfen sie sich auf den Rücken und treten aus. Ihre Klauen sind lang und scharf, damit reißen sie sonst Termitenhügel auf.

Im Zoo ist derartiges Futter nicht zu beschaffen - es gibt Menschen, die Regenwürmer en masse züchten, aber Zehntausende Ameisen pro Tag und Tier bietet noch kein Händler an. So mischt Grüßer einen Ersatzbrei aus Fleisch, Babybrei, Mineralien, Vitaminen, Bananen, Birnen - und rundet das Vier-Liter-Menü mit einem kräftigen Schuss Ameisensäure ab.

Außerhalb der Öffnungszeiten dürfen sie durchs Nachttierhaus streifen. Manchmal wird es dabei verdächtig still. Dann hat Plucky wieder eine Türklinke runtergedrückt und ist in einem Nebenraum verschwunden. "Wir müssen nur aufpassen, dass sie nicht nach oben laufen", sagt Grüßer. Da leben die Löwen und Leoparden.



Erschienen am 12.04.2009

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