Karaseks Woche
Werbung in eigener Sache
Mo gosch na?" - "In d'Schul." - "Mo gosch no na?" - "Widr hoim." - "Mo gosch no no na?" - "Schwimme." Das ist weder Finnisch noch Kisuaheli, sondern Schwäbisch und heißt: "Wo gehst du hin?" - "In die Schule." - "Wo gehst du danach hin?" - "Wieder nach Hause." - "Wo gehst du danach noch hin?" - "Schwimmen."
Wie gesagt, Schwäbisch, allerdings nicht das Honoratioren-Schwäbisch, das in der Landeshauptstadt Stuttgart gesprochen wird, die man sich ohne die Zahl 21 nicht mehr vorstellen kann. Es ist einigermaßen lautgetreu wiedergegeben, wobei das "o" nicht wie im "Ohr" klingt, sondern wie beim "Krombacher Bier", wenn vor Fußballspielen Werbung gemacht wird. Warum ich darauf komme? Weil der in Berlin lebende Werber Sebastian Turner sich um das Amt des Stuttgarter Oberbürgermeisters bewirbt. Das Werbegenie der Agentur Scholz & Friends hat nicht nur den unschlagbaren Slogan für die "FAZ", "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf", erfunden, sondern eben auch das stolze Bekenntnis für seine künftige Heimathauptstadt: "Wir können alles - außer Hochdeutsch."
Turner kann Hochdeutsch, aber auch Schwäbisch, denn er ist in Stuttgart aufgewachsen, hat dort noch eine Wohnung, und seine Frau hat in Ludwigsburg an der Filmakademie studiert. Turner ist demnach ein zweisprachiges Genie, wahrscheinlich eher dreisprachig, da er in den USA studiert hat, sodass man versucht ist, ihn "Törner" auszusprechen. Sein Vater Professor "Schordsch Törner" alias George Turner, der aus Ostpreußen stammt und sich als "Turner" wie Leibesüber ausspricht, war Berliner Wissenschaftssenator.
Ende der 60er-Jahre war Vater Turner Professor in Stuttgart, wo Thaddäus Troll seinen durchschlagenden Bestseller "Deutschland, deine Schwaben" schrieb, der das schwäbische Wesen, das "Bruddeln" (in Berlin würde man sagen: "Meckern"), die "knietze Bauernschläue" und die an die Schotten gemahnende Sparsamkeit der Schwaben den Restdeutschen vermittelte. Der kleine Sebastian Turner war da in der besten Schule. Er putzte Thaddäus Troll, der mit richtigem Namen der seriöse Theaterkritiker Hans Bayer war, die Schuhe und erhielt, ein typisch schwäbisches Geschäft, zum Lohn Fußballbücher, wahrscheinlich Rezensionsexemplare. Prompt gründete Turner am Stuttgarter Karlsgymnasium eine Schülerzeitung, die zur besten Deutschlands gewählt wurde. Dahinter steckte er schon damals als "kluger Kopf".
Jetzt kann der Werber, der sich um Stuttgart für die CDU bewirbt, für sich selber werben: "Ich kann auch Hochdeutsch." Was ihn von den Ministerpräsidenten Oettinger, Späth, Kretschmann, Teufel und dem OB-Vorgänger, Manfred Rommel, unterscheidet.
Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost
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