Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
11.12.11

Karaseks Woche

Alle Menschen werden Schwestern

Deutschland und Österreich sind zwei Länder, die getrennt sind durch die gleiche Sprache. Man kennt das. Die Österreicher essen Karfiol, wir Blumenkohl, sie sagen beim "Abschied leise Servus", wo wir Tschüss oder Tschüssikowski sagen, essen zum Frühstück Semmeln, sogar Kaisersemmeln, während wir bei uns nur Tore und Chancen (die wir "Schangsen" aussprechen) versemmeln. Na und so weiter.

Eine Zeit lang teilten wir uns sogar die Nationalhymne, jedenfalls was die Melodie anlangt. Und in beiden Ländern klang der Schlusschor von Beethovens "Neunter" gleich: "Alle Menschen werden Brüder", was ich in meiner Jugend in den 50er-Jahren aus gutem Grund missverstanden habe: "Alle Menschen werden prüder."

Nun aber las ich, dass die Ösis zum 1. Jänner (so heißt im Ösiland der Monat, der bei uns Januar heißt) ihre Nationalhymne verändern wollen. Zwei Textstellen. Wo es bisher hieß: "Heimat bist du großer Söhne" soll es künftig heißen: "Heimat großer Töchter und Söhne." Das hat keinerlei politische Gründe. Nein, beileibe nicht. Denn schon Billy Wilder wusste: "Die Österreicher haben (nach 1945, versteht sich) das Kunststück fertiggebracht, aus Beethoven einen Österreicher und aus Hitler einen Deutschen zu machen."

Es geht also nicht um Politik, sondern um geschlechtliche Gleichstellung. Um Quote in der Nationalhymne. Elfriede Jelinek neben Andreas Hofer, Sissi neben Franz Joseph, Nannerl Mozart neben Wolfgang Amadeus.

Die zweite Stelle ist die, dass die Alpenländler und Donauiten die "Bruderchöre" durch "Jubelchöre" ersetzen. Recht so. Wir müssen uns keine Sorgen machen, bis die Franzosen in ihrem Revolutionsmotto "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" Schluss machen mit dem Fraternisieren. In Karikaturen über Merkel und Sarkozy, die sie zu dem Namenspaar Merkozy zusammengefasst haben, "verschwestert" sich die ostdeutsche Pfarrerstochter ohnehin mit dem französischen Präsidenten - sie wird als Domina gezeichnet, die Sarkozy wegen der Euro-Krise auspeitscht.

Was aber machen wir mit unserer Hymne? Mit der dritten Strophe, in der es heißt: "Brüderlich mit Herz und Hand"? Wir hätten es da leicht. Wir singen künftig einfach die zweite Strophe, die da geht: "Deutsche Frauen, deutsche Treue, / Deutscher Wein und deutscher Sang / Sollen in der Welt behalten / Ihren alten schönen Klang"!

Na also, geht doch! Wir wären da flexibler als die Ösis. Und wo die Ösis Maria Theresia hatten, haben wir Angela Merkel. Ätsch!

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote