Gourmetspitzen
Eine Bereicherung für den Savignyplatz
Ich habe sie nicht gezählt, aber im weiteren Rund um den Savignyplatz gibt es mindestens zwei Dutzend Restaurants und Bars.
Von Heinz Horrmann
Häufige Wechsel der Besitzer und der Ausrichtung sind hier normal. Seit dem letzten Jahr bereichert ein Lokal mit französischem Namen Le Compagnon, und einer Küche mit leicht französisch angehauchten Gerichten die Palette. Das kleine, weiß eingedeckte Restaurant an der Knesebeckstraße mit dem Charakter eines privaten Esszimmers wird vom Ehepaar Schulze aus dem Rheinland geführt. Und die machen das so gut, dass es mir schon Leid tat, dass nur drei Tische besetzt waren. Damit kann man auf die Dauer nicht auskommen. Vielleicht fehlt ein wenig die Vielfalt im Speiseangebot. Ich kritisiere zwar immer die ausladenden Speisekarten mit hundert Positionen und mehr, etwas, das keine Küche seriös bewältigen kann, aber nur zwei Menüs ohne zusätzliches à-la-carte-Programm, das ist dann doch eindeutig zu wenig.
Da fehlt Flexibilität, zumal der Inhaber und Koch es nicht einmal gerne sieht, wenn Gäste zwischen den Menüs einzelne Gänge tauschen wollen. Er glaubt, die Abstimmung und Balance könnte dadurch verloren gehen. Was für ein Unsinn. Aber es ist nun einmal wie es ist, ich habe mich also darauf eingestellt und mir sorgfältig die beiden Speisefolgen angeschaut und probiert. Das Menü "Tradition" (etwas rustikaler, typisch für die Bretagne) und das Menü "Finesse"(etwas leichtere Speisen) sind das Programm des Hauses und ohne Alternative.
Was freilich auf den Tisch kommt, ist recht ordentlich, gut im Zusammenspiel der Aromen und handwerklich mit erkennbar frischen Produkten sehr appetitlich zubereitet. Das einmal vorweggenommen. Nach zwei kleinen Amuse Bouches, den Grüße aus der Küche zum Appetitanregen, wird das kulinarische Programm mit den Vorspeisen eröffnet: dem warmen Gelee von Flusskrebsen und Wildsaibling mit kräftiger Fenchelcreme und auf der anderen Seite eine karamellisierte Sardine mit Wildkräutern und Kartoffelsalat nach Elsässer Art herzhaft angerichtet. Im Anschluss daran kommt ein ausgesprochen geschmackintensiver Gang auf den Tisch und recht interessant in der Zusammenstellung: gegrillte Störfilets mit schwarzen (weichen) Nüssen und Staudensellerie. Leider war der doch schon tote Fisch noch einmal mausetot gebraten. Gerade der Stör verträgt einen glasigen Kern. Das war schade, weil das Produkt hervorragend war.
Sie kennen "Pot-au- feu", übersetzt, Topf auf dem Feuer? Es ist der klassische Eintopf der ländlichen Küche Nordfrankreichs. Christian Schulze zelebriert ihn vom Schwarzfederhuhn, geschmacklich intensiver als das übrige Federvieh, verbunden mit Paprika und roten Rüben. Ohne Fehl und Tadel präsentierte sich das tatsächlich rosa gebratene Salzwiesenlamm, präziser, der Rücken, mit hauchdünnen Auberginen-Scheiben und umhüllt von einem Gewürz-Crepemantel mit einer herzhaft aromatischen Reduktion parfümiert. Der zweite, zusätzliche Hauptgang für den, der großen Hunger hat, ist die beliebte Kombination von Kurzgebratenem und langsam geschmortem Fleisch. Die bei Niedrigtemperatur gegarte Ochsenbacke und das rosa belassene Filet bekommen mit einer süßlichen Pflaumensauce eine eigenwillige Ergänzung, die Steinpilze und grüne Bohnen passen gut. Die Desserts sind nicht der Rede wert, eine Erfahrung, die ich in letzter Zeit in den unterschiedlichsten Restaurants häufig gemacht habe. In einem Menü steht ein Holundersüppchen mit Sorbet, im anderen ein Cremschnittchen, ebenfalls kombiniert mit Sorbet. Ich habe darauf verzichtet. Wer mag, kann zu allen Gängen glasweise begleitende Weine ordern. Die kosten zwischen vier und acht Euro. Der angebotene Aperitif schafft den Spagat zwischen Berlin und Frankreich, es gibt eine Berliner Weiße mit Champagner und Himbeermark zum kundenfreundlichen Preis von zehn Euro.
Auf der Rechnung stehen nachher für drei Gänge 40 Euro, beziehungsweise 44 Euro (für Finesse) und für fünf Gänge mit Weinbegleitung 90 Euro. Die Weinkarte begnügt sich mit kleinen und mittleren Lagen, verträglich kalkuliert. Ein junger, frischer Pouilly-Fuisse, Jahrgang 2008, wurde mit 65 Euro berechnet. Der Service ist ausgesprochen aufmerksam und kompetent, schafft eine angenehme, entspannte Atmosphäre.
Außergewöhnlich und darum erwähnenswert sind die zusätzlichen Angebote des Le Compagnon: Neben Kochkursen und Weindegustationen gibt es die Möglichkeit, alle Gerichte auch im Außerhaus-Verkauf zu ordern, darüber hinaus auch Hausgemachtes in Gläsern wie gebratene Morcheln mit Brandy. Ganz gewiss keine schlechte Idee.
Heinz Horrmann schreibt jeden Sonnabend für die Berliner Morgenpost
Le Compagnon Knesebeckstr. 76, Charlottenburg, Mi.-So. ab 18 Uhr, www.restaurant-lecompagnon.de , Tel. 30 34 75 55
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
-
00:08Präsidentschaftswahl: Unterlegener Kandidat in Ägypten will gegen Wahler...
-
00:00Verkehrssünder: Flensburger Punktedatei soll weiter verschärft...
-
26.05.2012Festnahme: Toter in Friedrichshainer Bar: Verdächtiger gefass...
- 1. Relegationsspiel Hertha BSC und der Abstieg ohne Gnade
- 2. Formel 1 in Monaco Strafversetzung verdirbt Schumacher nicht die Laune
- 3. Nach Berufung Hertha BSC schickt seine Spieler in den Urlaub
- 4. Relegationsspiel Hertha BSC gibt sich offenbar geschlagen
- 5. Stromerzeugung Solaranlagen liefern so viel Strom wie fast 20 Atommeiler












