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24.09.11

Gourmetspitzen

Gerichte, die einem Tränen in die Augen treiben

Asiatische Restaurants gibt es viele in der Stadt, zumeist bieten sie aber keine reine Länderküche, sondern einen munteren Querschnitt von japanischem Sushi, chinesischem Dim Sum und ein paar Elementen aus Vietnam und Thailand.

Das Pan Asia ist da ein klassischer Vertreter. Die erste Küche mit authentischen Gerichten aus Thailand siedelte sich vor etlichen Jahren in Prenzlauer Berg an. Das Mao Thai, ein schlicht eingerichtetes Lokal auf zwei Stockwerken, hat inzwischen einige Ableger in anderen Stadtteilen. Das Original aber ist an der Wörther Straße.

Ebenso, wie die regionalen Küchen Italiens oder Chinas sehr unterschiedlich sind, gilt auch für Thailand: Für jede Region sind bestimmte Zusammenstellungen von frischen Kräutern, getrockneten Gewürzen, Aromaten und abrundenden Zutaten charakteristisch. Im Mao Thai wird die Bangkok-Linie gepflegt. Einheimische würden das sofort erkennen, wenn sie vom Entengericht auf meinem Teller probierten. Aber zuerst zu den Vorspeisen. Mit der Kombination "Hors d'oeuvre Mao Thai" bekommt man einen kompletten Querschnitt durch die kleinen Köstlichkeiten, die Appetit auf mehr machen: knusprige Frühlingsrollen mit Kräutern und Schweinemett, kleine Spieße von scharf gewürztem Hühnerfleisch mit Erdnuss-Sauce und gebackene Garnelen in Eihülle.

Wenn ich in ein Thairestaurant gehe, ist es fast eine Selbstverständlichkeit, eine herzhafte Suppe zu ordern. In der für meinen Geschmack viel zu umfassenden Speisekarte bekommt das Suppenangebot eine komplette Seite. Alle Zubereitungen kosten zwischen 4,50 und 5,40 Euro. Preiswert. Ganz exzellent war dann meine Tom Yam Gung oder wie es in der Kommunikation mit dem Service schlicht heißt, "112".

Die Garnelensuppe mit Laoswurzel, Koriander und Champignons wird durch viel Zitronengras eindeutig dominiert. Die gesunde Schärfe macht Durst. Der Mango-Salat aus frischen grünen Mango-Streifen mit Großgarnelen, Cashewkernen und Kräutern ist eigenwillig gewürzt, vor allem mit viel frischem Koriander (sowohl Blätter als auch Wurzeln). Herrlich original und kein bisschen auf den europäischen Geschmack frisiert. Erheblich schärfer ist das Som Tam aus grünen Papaya, fein gehackt, mit getrockneten Krabben und Erdnüssen. Da hat der Koch dann bei Chili derart kräftig zugelangt, das mir die Tränen kamen.

Speisen vom Huhn gehören traditionsgemäß zu den Favoriten in der Küche, so wie die gebratene Hühnerbrust in Sojasauce, natürlich mit Chili und Wasserkastanien. Am Nebentisch wurde ein rustikaler Steintopf serviert. Ebenfalls mit Hühnerbrust, aber in Kokosnussmilch, mit rotem Curry und gleich drei Sorten Auberginen. Sehr fest im Biss waren die Rindfleischscheiben mit scharfer Tomatensauce, Paprika, Kaiserschoten und Babymais. Da sind die Rindfleischstreifen in Austensauce, sautiert mit Frühlingszwiebeln und viel Ingwer empfehlenswerter. Ich bin in asiatischen Restaurants stets auf Ente programmiert. Hier gibt es nicht den gelackten Vogel mit splitterkrosser Haut nach Peking Style. Kein Problem, die melierte Haut war wenigstens einigermaßen kross und das Fleisch butterzart.

Vielleicht sollte man im Mao Thai zukünftig mit Warmhaltegeräten operieren, sonst wird jede Köstlichkeit zu schnell kalt und das Genießen beeinträchtigt. Insgesamt ist der Begriff Genuss berechtigt und stets programmiert. Ganz gleich ob die Gäste die Platte mit frischem Thaigemüse oder Garnelenschwänze mit würzigem Thai-Curry, Kokoscreme, Basilikum, rotem Chili und frischem Limonenblatt ordern, alles wird mit marktfrischen Grundprodukten a la Minute zubereitet, auch eine breite Auswahl von vegetarischen Häppchen, wie gebratenes Gemüse, Tofu Kohlblätter, Sojakeime und Kräuter. Das sah appetitlich aus. Richtig erwähnenswert sind die kunstvoll geschnitzten Karotten-Rosen, Tomatenblüten und Rettichschwäne. Das ist Kleinkunst auf dem Teller. Die Zubereitung von Desserts, dem süßen Abschluss, wird in der Thai-Kochschule besonders gepflegt. In diesem Restaurant geht es da vergleichsweise simpel zu: Mango mit Sticky Reis (Klebreis).

Über eine Weinkarte im exotischen Restaurant zu reden oder sie zu kritisieren, wäre deplaziert. Der Cabernet Sauvignon "Mapu" aus Chile für kleines Geld auf der Karte (23 Euro) war aber recht ordentlich. Der Service tat sich zu Beginn äußerst schwer, weil wir im Nebenraum ein wenig abseits saßen. Doch dann funktionierte er liebenswürdig wie überall im Land der lächelnden Menschen.

Probieren Sie es aus.

Heinz Horrmann schreibt jeden Sonnabend für die Berliner Morgenpost

Restaurant Mao Thai Wörther Straße 30, Prenzlauer Berg, Tel. 441 92 61, Küche täglich von 12 bis 23.30 Uhr, www.maothai.de

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