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30.07.11

Gourmetspitzen

Die Garzeiten muss der Küchenchef noch meistern

100 Tage Schonfrist nach Dienstantritt und Neubeginn wird zwar stets Politikern eingeräumt, niemals aber Fußball-Torhütern und Köchen. Die dürfen vom allerersten Auftritt an auf dem Rasen oder am Herd keinen Fehler machen.

Der Gedanke kam mir in der Brasserie Le Faubourg im Concorde-Hotel, wo der ehemalige Vox-Küchenchef Felix Petrucco vor einem Monat die Küchen-Regie übernommen hat, mit den Garzeiten aber noch nicht zurechtkommt, ja, geradezu auf Kriegsfuß steht. Dafür hat er eine Menge kreativer Ansätze eingebracht, die das Angebot des Hotelrestaurants verbessern und aufwerten.

Das Zusammenspiel der Aromen ist gelungen, die Menükarten für Lunch und Dinner durchaus erwähnenswert. Wenn man da bedenkt, wie die Qualität nach der Eröffnung war, als ich über das Systemgastronomie-Konzept nur Schmunzeln konnte. Heute ist die Atmosphäre entspannt und kultiviert, die Speisen sind weitgehend schmackhaft. Die Jakobsmuscheln waren pikant gewürzt, die Terrine von der Gänseleber zart schmelzend, köstlich, ein Gedicht. Auch die intensiv reduzierte Rinderbrühe gelang sehr ordentlich. Das Rinderfilet war von guter Produktqualität, ausgewogen gewürzt. Allerdings hatten wir es "medium" bestellt, es kam aber leider total blutig, fast noch roh. Wie gesagt, die leidigen Garzeiten.

Das Schwarzfederhuhn, herzhafter im Geschmack als die gefiederten Artgenossen, gewiss ein interessantes Gericht, war dafür total übergart, das Fleisch von Farbe und Konsistenz wie altes Weißbrot. Da ist wahrlich viel Platz für Verbesserungen. Was ich sehr positiv fand: Der Küchenchef entschuldigte sich persönlich für die Pannen. Auch der gesamte Service überzeugt mit natürlicher Freundlichkeit. Das schafft Wärme in dem vom Ambiente her nüchternen Restaurant mit dem optischen Charme einer Tiefkühltruhe.

Während die Frites, die frittierten Kartoffelstäbchen, die so etwas wie die Visitenkarte einer jeden Brasserie sind, deutlich krosser sein müssten, fand ich den Salade Nicoise originell. Die grünen Bohnen, die Kartoffelscheiben, Zwiebelringe, Sardellen, Wachtelei und gegrillter Thunfisch nicht in einer Schale gemischt, sondern in Einzelteile dividiert und separat angerichtet.

Vergleichbar ansprechend ist das Monats-Menü, das mit dem korrespondierenden Wein (glasweise) offeriert wird. Für den Juli waren etwa marinierter Lachs mit konfierter Wassermelone, ein Bio-Ei mit jungem Spinat und Sommertrüffel, das paniert gebacken wurde, richtig gelungen. Einschließlich Wein kostet das Vergnügen 59,50, für drei Gänge werden 39,50 Euro berechnet.

Mittags wird der Gast mit einem Glas Cremant zum Vorzugspreis von fünf Euro begrüßt. Savoir Vivre! Suppe, Hauptgang, Dessert plus Mineralwasser und Kaffee, das Komplettangebot also, steht kundenfreundlich mit 13,50 Euro auf der Rechnung.

Die Weinkarte ist im Bereich der mittleren Lagen gut sortiert, absolute Spitzengewächse fehlen, die erstklassige Weinpflege ist herauszuheben. Der Champagner ist richtig kalt und der Rotwein wird sehr sorgfältig dekantiert, bevor der Gast die Bitte äußert. Die Küche der Brasserie hebt sich mit kleinen Gerichten und günstigen Mittagsangeboten von der Gourmetküche auf der anderen Straßenseite im Restaurant 44 des Swissotel ab.

Heinz Horrmann schreibt jeden Sonnabend für die Berliner Morgenpost

Brasserie Le Faubourg im Hotel Concorde, Augsburger Straße 41, Tel. 800 99 90, geöffnet von 11 bis 24 Uhr. Alle gängigen Kreditkarten

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