Gourmetspitzen
Das Bocca di Bacco wird von Jahr zu Jahr besser
Restaurants, deren glitzerndes Äußeres Verlockung verspricht wie ein Paar unechter, klimpernder Wimpern, sind vom Interieur dann häufig enttäuschend. Vor allem italienische Prominenten-Lokale, wie sie in jeder Großstadt als Stätten der Selbstdarstellung zu finden sind, schwächeln oft erheblich bei der Innenausstattung.
Von Heinz Horrmann
Das Bocca di Bacco an der Friedrichstraße in Mitte überzeugt dagegen auch durch gediegenes Ambiente. Werden in Berlin die In-Lokale aufgezählt, in denen sich die Prominenten tummeln, führt das Borchardt meist die Rangliste an. Die schlimme Küche der Paris Bar wird schön geredet, aber das Bocca di Bacco steht nie oben in der Wertung. Dabei sind auch Hollywood-Stars wie Tom Cruise und Co. inzwischen schon Stammgäste beim Italiener, der sich qualitativ von Jahr zu Jahr gesteigert hat.
Die Speisekarte, sowohl am Mittag als auch zum Dinner, ist übersichtlich geblieben. Neben den Standards wie Vitello Tonnato, vorzüglich zartem Kalbsbraten mit Kapernsauce und toskanischem Landschinken mit Büffel-Mozzarella, gibt es auch ungewöhnliche, kleine Köstlichkeiten wie den Sockel von geschmorten roten Zwiebeln, die eine wunderbare Verbindung mit gegrillten, aber knackig gelassenen Garnelen eingehen. Natürlich steht Pasta im Mittelpunkt. Von Spaghettini bis Lasagne. Meine Empfehlung sind die Ravioli mit köstlichen Steinpilzen an Butter-Thymian-Sauce. Bei den Hauptgängen belässt es die Küche bei vier Mal Fisch, fünf Mal Fleisch.
Das Schwertfischfilet unter einer Kruste von getrockneten Tomaten an Artischocken (mit feiner Säure) war butterzart. Allerdings hätte ich mir von einer Kruste mehr Festigkeit versprochen. Die aromatisierenden, getrockneten Tomaten lagen als Creme zart wie Pudding oben auf. Die anschließend servierten kleinen Kalbsschnitzel mit Salbei sehr fein gewürzt, waren geschmacklich einwandfrei, aber leider trocken gebraten.
Wer ständig in Restaurants speist, wird schnell erkennen, dass auch in Spitzenhäusern die Vorspeisen zumeist besser sind als die Hauptgerichte. Gerade in italienischen Lokalen kann die Fleischzubereitung zum Problemfall werden. Für das Bocca di Bacco gilt dies nicht. Die Küche, die in der Anfangsphase deutliche Schwächen hatte und sich dann erheblich steigern konnte, hat auch ein paar außergewöhnliche Fleisch-Highlights zu bieten. Der Kalbsrücken beispielsweise bekommt eine sehr eigene Note durch die Kruste von Kakaobohnen und Pinienkernen. Das Filet wird flambiert, und beim Lammkarree überzeugt die Rotweinsauce.
Zurück zum Fisch. Auch die Seezungen (leider nicht täglich auf der Karte) sind von vorzüglicher Qualität, perfekt angerichtet und von bissfestem Fleisch. Der bemerkenswerte Vorzug, Fisch und Meeresfrüchte nicht endlos zu braten, zeigt sich bei den Scampi mit Tomate, Oliven und Kräutern und dem Thunfisch in Sesamkruste.
Ich habe zudem selten ein Restaurant erlebt, das eine so aufwendige Käsekarte offeriert. Etwa Parmesan mit altem Balsamico, Ziegenkäse mit Trüffelhonig und Taleggio mit Paprika-Senffrüchten. Auch beim Käse gibt es einen Ausflug nach Sardinien, die Heimat der besten (und bildschönen) Servicekraft des Restaurants. Der sardische Schafskäse wird umrahmt mit Apfel-Senf-Früchten. Beim Dessert beschränkt sich die Küche auf Standards. Es sind die üblichen italienischen Verdächtigen: Crème Brûlée, Schokoladentörtchen oder Vanille-Parfait. Das muss man nicht unbedingt haben.
Die Weine aus dem begehbaren Weinklimaraum im Restaurant sind kundenfreundlich kalkuliert. Aus 200 italienischen Lagen wählten wir einen angenehmen, trockenen Weißen mit Blütenduft aus den Weinbergen von Giuseppe Vita, dem ehemaligen Chef des Pharmakonzerns Schering, für den Wein kein Getränk, sondern eine Lebensphilosophie ist. Für das Businesslunch oder allein Speisende stehen genügend halbe Flasche bereit.
Was ich allerdings kritisieren muss, ist die enge Bestuhlung, so dass an Tischen vertrauliche Gespräche kaum möglich sind. Da ist manchmal die Diskretionsgrenze unterschritten. Doch die Gäste sind bereit, das kleine Problem hinzunehmen, weil das Personal die Kunden liebevoll umsorgt. Auch die Küche unter der bewährten Regie von Loriano Mura machte insgesamt einen guten Job.
Bocca di Bacco Friedrichstraße 167/168, Mitte, Tel. 20 67 28 28, Montag bis Sonnabend 12 bis 24 Uhr, Sonntag 18 bis 24 Uhr, Reservierung wird empfohlen, alle gängigen Kreditkarten werden akzeptiert
Heinz Horrmann schreibt jeden Sonnabend für die Berliner Morgenpost
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