Gourmetspitzen
Zu Gast im Restaurant der zwei Preisträger
Das Ergebnis ist spektakulär und für das Restaurant eine gute Marketing- Hilfe: Bei der jährlichen Aktion "Meisterköche" von Berlin-Partner wurde Michael Kempf, der Küchenchef des Facil, hoch über dem Mandala Hotel am Potsdamer Platz, zu Berlins Meisterkoch 2010 gewählt. Gleichzeitig kürten die Juroren Restaurant-Leiter Manuel Edwin Finster zum besten Maître der Metropole.
Von Heinz Horrmann
Zwei aktuelle Preisträger im selben Sterne-Restaurant. Das ist wahrlich eine gute Empfehlung. Auch ich war bei früheren Besuchen mehrheitlich zufrieden, aber nicht immer. Wie schmeckt nun das Essen, wie agiert der Service?
Dramaturgisch vielleicht falsch, aber mein Urteil zum Service gleich vorweg: Da gibt es nichts, aber auch gar nichts auszusetzen. Das ist etwas, das ganz selten vorkommt. Finster und sein Team sorgen für Wohlfühlatmosphäre, operieren von der Begrüßung (mit feuchten Handtüchern) bis zur Verabschiedung herzlich, aber unaufdringlich. Das gilt auch für den Wein-Service.
Und die Küche? Erst einmal verlangt die Speisekarte mit vielen Spezialbegriffen wie Carabineiro (rote Riesengarnele), Dashi (japanischer Fischsud), Escabeche (scharfe Marinade), oder Anapurna-Curry (eine harmonisch-scharfe Gewürzmischung) dem Gast eine Menge ab.
Ich startete mit der Terrine von der Gänseleber mit Maracuja und Rote Bete. Drei kleine Würfel Rote Bete, das war insgesamt wenig auf dem Teller, aber ein großartiges Geschmackserlebnis. Das gilt auch für den Müritz-Saibling, ein saftiges Mittelstück, auf den Punkt gegart, behutsam gewürzt und mit Grapefruit, Birne und Akazien-Nussbutter ergänzt und abgeschmeckt. Meine Begleiterin probierte derweil "Bauer Grübels Landei" (den Namen muss man auch nicht kennen). Das pochierte Ei kommt mit butterzartem Spinat und gewürzt mit Pommerysenf und einer Decke aus knusperigen Pfefferkaramell. Köstlich.
Kempf liebt Bison. Die Schulter bei Niedrigtemperaturen geschmort und mit Mais und einem Hauch von Curry parfümiert. Erstklassig ebenso das kurzgebratene Bison-Filet mit Herbstfrüchten und Kalbskopfjus.
Eine interessante Variante erlebten wir bei der butterzart geschmorten Ochsenbacke, die herzhaft durch Bockbieressig gewürzt war. Der dazu gereichte Waldorf-Salat bestand aus Streichholz-großen Sellerie-Spänen plus Dressing.
Insgesamt hat sich Michael Kempf, der jüngste unter den Berliner Topköchen, ohne Frage prima durchgesetzt und mit seiner Vorliebe für arabische und indische Gewürze eine sehr eigenwillige Linie gefunden. Ein paar Bespiele: Der besonders fleischige Felsenoktopus (bekommt man nicht oft) ist häufig im Tagesangebot. Ich habe ihn mehrmals gegrillt mit Tomaten-Chorizomarmelade (scharfen, spanischen Würstchen) genossen. Ein anderes Mal entwickelte sich die Aroma-Fülle des Felsenoktopus mit Holzkohleöl.
Erfahrungsgemäß sind die Hauptgänge in Top-Restaurants häufig schwächer als die Vorspeisen. Meisterkoch Michael Kempf aber liefert die Ausnahme. Ganz gleich ob Tafelspitz vom Müritz-Lamm, Taube oder Entenbrust, gute Noten sind gewiss.
Für die Desserts von Patissier Thomas Gläser gibt es eine eigene Karte. Erstklassig sind die "Roten Früchte mit Tahiti Vanille". Fein abgeschmeckt, schön präsentiert und mit genügend Gran Couva Schokolade ergänzt.
Die Preiskalkulation im Facil ist durchwachsen. Mittags ist der Preis von 18 Euro für den ersten Gang und 28 für zwei Gänge akzeptabel, das Abendmenü kostet 85 Euro für vier kleine Gänge, aber der zusätzlich bestellte kleine Blattsalat ist mit 16 Euro zu teuer. Doch alles, was serviert wird, ist von guter bis hervorragender Qualität und delikat zubereitet. Das Schwächste waren die Amuse bouches, ein warmes Mini-Süppchen vom Feldsalat und Andeutungen von gezwirbelten Fleischsplittern. Das entspricht nicht der Klasse der Küche.
Die Weinkarte ist dem Niveau des Restaurants angemessen. Erfreulich viele halbe Flaschen sind für das Business-Lunch oder auch für den späten Genuss ideal. Ebenso bietet der Sommelier täglich glasweise eine besondere Auswahl von guten und günstigen Kreszenzen.
Über die Weinpflege habe ich mich gefreut, der Chablis Premier Cru kam ordentlich gekühlt und der Bordeaux wurde rechtzeitig dekantiert. Aufmerksam und ohne großes Theater wird ständig nachgeschenkt. Längst nicht mehr selbstverständlich, aber für ein Genusserlebnis absolut zwingend.
Facil im Hotel The Mandala, Potsdamer Straße 3, Tiergarten, Tel. 590 05 12 34, Mo.-Fr. 12-15 Uhr, abends ab 19 Uhr, Küchenschluss 23 Uhr, Kreditkarten
Heinz Horrmann schreibt jeden Sonnabend für die Berliner Morgenpost
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