Gourmetspitzen
Tanz ums Kalb
Sonntag, 6. September 2009 03:31 - Von Heinz HorrmannIm "Traveller International", dem amerikanischen Kult-Magazin für Reisen und Genuss, wurde das Berliner Clubrestaurant Felix als der "Hot Spot" in Germany gepriesen. Welchen Stellenwert man solchen Beurteilungen auch einräumen mag, ein schönes Kompliment ist es allemal.
Das Club-Restaurant Felix im Adlon-Komplex war vor fünf Jahren als italienisches Restaurant eröffnet worden, blieb aber anfangs wegen der verkorksten Küche erfolglos. Später mutierte der Club zum Tempel für Tanz und Veranstaltungen. Den Restaurant-Anspruch hatte ich lange Zeit überhaupt nicht auf der Rechnung. Aber manchmal wird der Kritiker auch positiv überrascht. Der geneigte Leser weiß: Wer schlechte Gerichte und Fehler im Restaurant beim Namen nennt, der darf auch mal jubeln, wenn's gefällt.Seit das neue Management mit Martin Pelz an der Spitze der Adlon-Holding sich speziell mit dem Felix beschäftigte, stieg die Essensqualität, ebenso wurde die Weinpflege intensiviert. Ein talentierter Küchenchef konnte aus den eigenen Reihen rekrutiert werden: Michael Liebing hatte jahrelang an der Seite von Sternekoch Tim Raue gelernt und übernahm die Regie am Herd.
Ich wollte wissen, was der normale Gast, der zum Speisen ins Felix geht oder sich mit einer soliden Grundlage für eine lange Tanznacht präparieren will, hier erwarten kann. Vorspeisen und Hauptgerichte sind auf ein internationales Publikum zugeschnitten. Wie vorzügliche Sashimi hergestellt werden, hat der Koch im asiatischen Restaurant Ma gelernt. Ich wählte das Thunfisch-Tatar, das hier mit Wasabi-Kaviar und Daikonkresse aromatisiert und zusätzlich mit Gurkensaft abgeschmeckt ist. Ein einfaches Gericht, das mit Aromen harmonisch abgestimmt angerichtet wird, ebenso wie der Wildlachs mit Papaya-Relish.
Keine große Kochkunst, aber geschmacklich in Ordnung auch der Culatello (italienischer Kernschinken), dünn gespänt mit pochiertem Ei, Bohnenkraut und Kopfsalat. Ein Entrecote zuzubereiten oder Kalbspaillard (großes, dünn geklopftes Schnitzel) in Limonensauce verlangt keinen Künstler aus dem Kocholymp, aber oft sind es doch die einfachen Dinge, die leicht daneben gehen. In dem modern gestalteten Restaurant war ich zufrieden.
Paris Hilton, die trotz ihres branchenkundigen Großvaters Conrad nicht unbedingt als Gastro-Kritikerin bekannt ist, zeigte sich begeistert von den gebackenen Jacobsmuscheln auf rahmigen Fenchel-Safran-Gemüse. Immerhin besser als anders herum. Die Perlhuhnbrust auf karamellisierten Lauchzwiebeln war in Ordnung, nicht mehr und nicht weniger, aber die im Rotwein geschmorte Ochsenbacke mit Bohnenragout habe ich als "ein Gedicht" bejubelt. Zwei Menüs sind empfehlenswert: das Drei-Gang-Menü für 44 Euro mit gutem Wareneinsatz: Hummertatar mit Fenchel, Papaya und Chili, gefolgt vom Heilbutt mit Staudensellerie, dominiert von frischem Estragon und dem abschließenden Holundersüppchen mit Kirschen, Schokoladenminze und einem nicht süßen, sondern herzhaften Curry-Eis.
Die Parademischung an Aroma-Kombinationen bietet das Fünf-Gang-Menü mit der Zusammenstellung von A-la-Carte-Gerichten. Zu jedem Gang gibt es dann noch die passende Weinbegleitung, jeweils ein Glas von deutschen Winzern. Die Genuss-Palette wird mit 79 Euro berechnet, deutlich weniger als die Einzelgerichte. Der Preis ist ebenso akzeptabel wie die zehn Euro, die jedes Dessert, ganz gleich ob eingelegte Erdbeeren mit Rosé-Champagner-Gelee oder Grapefruitsuppe mit Vanilleeis und Zitronenmelisse gewählt wird.
Gar nichts zum Nörgeln? Eine Kleinigkeit doch. Ich finde es grundsätzlich nicht gut, wenn die Beilagen zu den Gerichten extra berechnet werden, wie es hier der Fall ist. Geschmorte Thymianschalotten, Pommes Frites oder Sommergemüse gehören für mich selbstverständlich zum Gang.
Der Service arbeitet gut geschult, ohne zu nachdrücklich zu werden. Um die Weinkarte, die noch nicht ganz komplettiert ist, kümmert sich Geschäftsführer Martin Pelz selber. Aus dem, wie ich finde, überragenden Angebot von 100 halben Flaschen wählten wir zur Vorspeise einen Weißburgunder-Chardonnay von Johner und den Saint Emillion Grand Cru Vieux Lescours. Einen Riesling von Dreissigacker gibt es bereits für 12 Euro.
Club-Restaurant Felix im Adlon - Palais

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