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Gourmetspitzen

Gehobene Mittelmäßigkeit

Die Strahlkraft der stadtbekannten Promis sorgte für den gewünschten Glanz, damit die Boulevardblätter in der Vorwoche die Eröffnung des Grunewald-Restaurants Hundekehle in der gleichnamigen Straße, Hausnummer 33 breitflächig präsentieren konnten.

Über die Qualität von Küche und Service sagen gekühlte Cocktails, Häppchen und im Stehen genossene Kartoffelpuffer aber nun wirklich nichts aus. Was den normalen, zahlenden Gast erwartet, wollte ich selber erleben, um eine mögliche Empfehlung an die Genuss-Gemeinde geben zu können, oder eine Warnung vor drohendem Flop.

Die herrliche Terrasse des Eckgrundstücks ist in diesen Tagen, jetzt, wo der Sommer zum furiosen Endspurt ansetzt, natürlich eine prächtige Bühne. Bei sommerlichen Temperaturen von 30 Grad und lauen Nächten drängen auch eingefleischte Gourmets nach draußen, schreiben die Liste ihrer momentanen Lieblingsrestaurants neu, Parks, Terrassen, Biergärten, Bistros unter Bäumen sind die Favoriten dieser Zeit. Und hier im Restaurant Hundekehle ist der Tisch im Freien schön gedeckt, mit Kerzen und angenehm großen Stoff-Servietten.

"Regionale saisonale Trendküche" wird plakativ als die Speise-Richtung des Restaurants verkündet und vorgegeben. Doch eine spezielle Form der geschmacklichen Ausrichtung war für mich nicht erkennbar. Fraglich, ob der Gast, der einfach nur zwei oder drei leckere Gänge aussucht und genießen will, darauf Wert legt. Man geht zum Italiener, zum Chinesen, auch gezielt zum Sushi-Meister oder ins Französische Bistro, aber regionale Trendküche?

Das sieht dann nach den Vorstellungen des Restaurateurs und des Kochs so aus: Sommerlauch und Orangen zu den Jakobsmuscheln oder erntefrische Pfifferlinge nicht nur als Schaumsüppchen und Beilagen, sondern auch als Pfifferlingsquiche mit Rucolacreme verarbeitet. Dem Lachs-Thunfisch-Carpaccio mit Limonenvinaigrette, optisch sehr appetitlich angerichtet, fehlte es eindeutig an feiner Säure und das "Trio di carne" - das sind drei kleine Portionen Tartar, Carpaccio und Vitello (dünn geschnittene und gerollte Kalbsbrustscheibe) - war von seltener Geschmacksneutralität. Da habe ich eine ausdrucksstarke Thunfischsauce vermisst.

Und so stellte sich schnell heraus, dass die Küche handwerklich ordentlich agiert, aber über gehobene Mittelmäßigkeit nicht hinauskommt. Dafür punktet der Service und die Weinpflege. Der Kellner, der mir stolz erzählte, dass er aus eigenen Stücken gerade einen Sommeliers-Lehrgang absolviert hat, gehört zum Besten, was ich in der Hauptstadt erlebt habe. Kompliment.

Die Küchenleistung blieb auch in der Folge des Dinners, wie bisher, ohne wirklichen Flop, aber auch ohne Highlight auf der Durchschnittsspur. Das Geschmorte vom Reh in Spätburgunder war als Gulasch von einer Wildgewürzmischung total dominiert und beim auf den Punkt perfekt gegarten (erwähnenswert!) Kabeljau gab es nicht den angekündigten cremigen Spinat, sondern eine Portion zusammengepresster Spinatblätter. Die Pommes Allumettes zum Entrecote (ordentliche 300 Gramm), diese frittierten, dünnen Streichholzstifte von der Kartoffel waren leider nicht kross, sondern labbrig.

Was wird sonst angeboten? Standards wie Lammrücken und Hüfte, Entenbrust mit Pinienkern-Polenta, Rinderfilet mit Ochsenbäckchen-Ravioli oder die Berliner Kalbsleber mit Portweinjus und Balsamicopfirsichen. Da passt sich das Dessert-Angebot an: Die inzwischen nirgendwo ausgelassene Crème brûlée, gebackene Apfelringe, ein paar Sorbets und ein weißes Esspressoparfait mit Portweinkirschen.

In Erinnerung bleibt, wie gesagt, der Service. Bei Herzlichkeit und Liebe zur Gästepflege verzeiht man handwerkliche Fehler, mir ist es dann gleich, ob von rechts oder von links serviert wird. Im Restaurant Hundekehle stimmte im Gleichschritt mit der Freundlichkeit auch die fachliche Seite. Ebenso hatte ich an der Weinkarte meine helle Freude, die bereits alle Geschmacks-Bereiche, sehr kundenfreundlich kalkuliert, anbietet.

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