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Gourmetspitzen

Auf der Spur des Zanders

Restaurants im Berliner Umland sind vor allem dann besonders beliebt, wenn mit dem möglichst erschwinglichen Genuss von Essen und Trinken noch andere freudvolle Aktivitäten verbunden werden können, wie beispielsweise segeln, reiten oder den Golf-Schläger schwingen.

Gleich alle drei Möglichkeiten bietet das Arosa-Hotel in Bad Saarow, das in der Vergangenheit allzu häufig Betreiber und Namen wechselte, jetzt aber in der Gesellschaft von Horst Rahe eine spektakuläre Entwicklung nahm und in der Summe aller Vorzüge sogar Geheimfavorit unter den Kandidaten ist, die sich um die Ausrichtung des Golf-Weltereignisses, des Ryder-Cups, bewerben. Und wie die Entwicklung des gesamten Sportresorts, so der Höhenflug des Restaurants Weinwirtschaft mit dem herrlichen Blick über den Scharmützelsee.

Vor Jahren, als das Lokal mit der angenehmen Terrasse noch von Palmerstone oder Kempinski geführt wurde, habe ich dort schlecht gespeist und darum erst jetzt nach einer Pause einen neuen Versuch unternommen. Inzwischen zeichnet für die Küche Stefan Russ verantwortlich, der zur Sterne-Crew im Hamburger Traditionshotel Fairmont Vier Jahreszeiten gehörte. Hier am Scharmützelsee macht er keine Sterneküche, sondern setzt täglich zum Spagat an, vom hausgemachten Riesenlandbrot mit Salami, Petersilie, Radieschen und Strauchtomaten bis zur exzellenten Regionalküche wie geschmorten Kalbsbacken mit Sauerampferpüree sowie frischen Pfifferlingen aus der Gegend.

Apropos Pfifferlinge: Für die heimischen, köstlichen Pilze gibt es eine umfassende Sonderkarte (während der Saison). Die Palette reicht von Crostini mit Pfifferlingen und Schnittlauchschmand für schmale 3,50 Euro über Salate bis zum Lammrücken (rosa gebraten) in einer Portweinreduktion mit Kräuterschupfnudeln und einer großen Portion Pfifferlinge in Rahm.

Wie kocht Russ und was ist das besondere an seiner Küche? Erst einmal ist da erwähnenswert, dass auch die kulinarischen Kleinigkeiten köstlich zubereitet werden. Zwei Beispiele dafür: die Karotten-Ingwer-Suppe mit Zitronengras und Zitronenthymian, pikant abgeschmeckt, und einer gebratenen, fleischigen Garnele als Einlage für 7,50 Euro sowie der Salat von Pulpo und Chorizo (der sehr scharf gewürzten Wurst aus Spanien) mit einer Portion Balsamico-Perlzwiebeln. Gewiss, das ist keine Kochsensation, aber einfach gut zubereitet. Und da wir an dieser Stelle im Wechsel Restaurants der exklusiven Art, aber auch besonders günstige vorstellen, hier der tatsächlich kleine Preis dieser kleinen Gaumenfreude: 3,80 Euro.

Ich sprach vom Spagat. Wer ausgesprochene Gourmet-Freuden erleben will, hat hier ebenso Gelegenheit. Der Yellow Fin Thunfisch war perfekt gegrillt, mit Röstaromen auf der Außenhaut und innen roh und zart wie Sashimi. In der Kombination mit Sesam Pak Choi und Ananasspieß, Nudeln im Bastkorb, abgerundet durch Kokos-Limettensoße, kommt ein für den europäischen Gaumen frisiertes Gericht der asiatischen Aromen auf den Tisch.

Wie nicht anders zu erwarten, sind die Renner auch im Berliner Umland die Klassiker. Das Wiener Schnitzel brät Russ in geklärter, schaumiger Butter und lässt als Beilage - keine Überraschung - lauwarmen Kartoffel-Gurkensalat servieren. Der Zander aus dem Scharmützelsee (wenn es da wirklich noch welchen gibt, ansonsten aus Aqua-Kulturen) wird kross gebraten und verträgt sich perfekt mit der Senfkörnersoße. Das Tomaten-Fenchel-Gemüse und Kartoffelpüree sind dagegen kaum erwähnenswert.

Der Service passt in die Landschaft, etwas rau, aber herzlich und immer zur Stelle, wenn man ihn braucht. Vor allem verzichtet die junge Bedienung auf die störenden langatmigen Erklärungen, was man denn nun gerade isst. Und die Weinpflege funktioniert in einem Restaurant endlich mal wie gewünscht. Der Weißwein ist gut gekühlt, der Rotwein wird ohne Aufforderung dekantiert. Etliche Weine kann der Gast auch glasweise ordern, so einen Grünen Veltliner für drei Euro und ein exzellenter " kleiner" Rothschild aus dem Languedoc für sieben Euro. Für Biertrinker ist besonders gesorgt - eine spezielle Karte offeriert Häppchen, die zum Gerstensaft schmecken, so etwa Büsumer Krabben mit Dillpesto oder geräucherten Lammschinken.

Unter dem Strich ist das ein herrlich gelegenes Lokal, zauberhaft durch Romantikbilder, wenn die Sonne im See versinkt, und einem guten Speiseangebot mit ordentlichem Preis-Leistungs-Verhältnis. Für mich ein Grund mehr, das Arosa wieder zu besuchen.

Restaurant "Weinwirtschaft" im Arosa Sport und Spa Resort, 15526 Bad Saarow, Parkallee 1. Telefon: 033631/62682; Geöffnet von 12 bis 22 Uhr, Dienstag Ruhetag

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