Gourmetspitzen
Speisen mit Spionen
Sonntag, 17. Mai 2009 02:37 - Von Heinz HorrmannDie Leserempfehlung schien mir eindeutig und unverwechselbar. Das Restaurant mit ordentlicher Küche hieße "Blond", wie die Haarfarbe, die Inspiration für eine ganze Serie von Witzen liefert. Doch knapp vorbei ist auch daneben. Eine winzige Namensverwechselung sorgte für Turbulenzen.
"Blond" erwies sich beim Besuch als bekennende Schwulenbar, aber das "Bond", wie Geheimagent James, 007, also das Lokal zwei Ecken weiter in der Knesebeckstraße 16 am Savignyplatz, ist ein hübsch gestyltes, pfiffiges Restaurant mit Straßenterrasse und, vor allem, mit einer guten Küche. Ein Lokal, das ich wirklich ansprechend fand und das wohl auch unser Leser gemeint hat.
Also achten Sie auf das "L", wenn Sie reservieren wollen. Richtig blond, um beim Wortspiel zu bleiben, war allerdings die Begrüßung der blonden Geschäftsführerin, die mich aus TV-Sendungen erkannte und völlig überrascht fragte, wer mich denn in dieses Lokal geschickt hätte. Als Stärke der Dame erwies sich in der Folgezeit ihre glückliche Hand fürs Personal. Der Service war ausgezeichnet, und auch die Küche startete mit Unerwartetem und guten Aromakombinationen.
Bei keinem Gericht lief ich Gefahr, anschließend zur Gesundung in die Reha zu müssen. Das Amuse Bouche war eine interessante Verbindung von Apfelschaum und scharfem Curry im Minigläschen. Mir sind derart kleine Appetitmacher lieber als ein sogenannter Gruß aus der Küche von der Größe einer nicht selber ausgewählten Vorspeise.
Zur Spargelzeit hatte ich Lust auf das Süppchen von diesem Beelitzer Edelgemüse, kombiniert mit frischen Flusskrebsen und Trüffel. Das mit dem Trüffel muss man relativieren. Es waren vier hauchfeine Spänchen der (ungleich billigeren) Sommertrüffel, alles andere hätte auch die Kalkulation oder den Preis gesprengt. Außerdem ist mir das immer noch lieber als dieses furchtbare synthetische Trüffelöl, mit dem so viele Durchschnittsakrobaten am Herd hantieren. Die Suppe war wunderbar abgestimmt, die Krebse knackig und aromatisch. Ein guter Start.
Der kleine Salat von Mittelmeer-Pulpo bestand einmal nicht aus gegrillten sondern in Salzwasser gekochten Tintenfischscheibchen, verbunden mit Blattsalat und einer Vinaigrette mit ausgemacht feiner Säure. Gerne hätte ich davon eine etwas größere Portion bekommen, aber der Koch ist wohl angehalten, besonders auf den Wareneinsatz zu achten, denn am Nebentisch bestand der appetitlich aussehende Garnelenspieß auch nur aus vier winzigen Exemplaren. Auch eine Portion wie geschaffen für die Frühjahrsdiät.
Der Hauptgang korrigierte dann den Eindruck ein wenig. Das war schon eine ordentliche Portion Spargel, noch bissfest gegart und schmackhaft, dazu eine im Wasserbad perfekt aufgeschlagene Sauce Hollandaise. Wer selber kocht, weiß, wie schnell die echte Hollandaise gerinnt. Insgesamt also ein guter Gang, der nur einen Kritikpunkt hatte: Das Kalbsfilet von akzeptabler Fleischqualität war viel zu lange in der Pfanne und mausetot gebraten. Schade.
Sehr positiv ist die Breite des Angebots. Es gibt etliche Gerichte unter zehn Euro, Ziegenkäse im Strudelteich für den kleinen Hunger beispielsweise, Salate mit Grillgemüse und etliche Pastagericht. Für Eilige werden Burger und Sandwichs serviert. Die interessanteste Variante ist dabei gewiss der Bond Burger, bei dem ein kleines Rinderfilet mit Rucola, Tomatenpesto, Parmesan und knusprige French Fries kombiniert wird.
Dazu stehen etliche Weine auf der Karte, die glasweise ausgeschenkt werden. Wer eine Flasche bestellt, bekommt die kundenfreundlich kalkuliert auf den Tisch mit den lila Decken. Aubergine und lila sind dominierende Farben in der Dekoration. An der Wand prangt ein Riesenposter von Emma Peel, der "Schirm, Charme und Melone"- Kämpferin vergangener Tage, die nachdrücklich das Flair der Sixties heraushebt, insgesamt dominierend beim Ambiente diese Restaurants.
Was sie noch wissen müssen: Bond bietet bereits Frühstück und ebenfalls ein schnelles Business-Lunch. Ganz schön vielseitig.
Bond Berlin, Knesebeckstraße 16, 10623 Berlin. Täglich ab 10 Uhr; Bar: Dienstag bis Samstag ab 19 Uhr. Reservierungen telefonisch unter 50 96 88 44 oder online: www.bond-berlin.de

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