Frl. Garbers rennt durch die Stadt
Wie aus Schnupfen die Pest wird
Männer sind wehleidiger als Frauen, haben kürzlich britische Wissenschaftler herausgefunden. Das ist, als hätte eine Studie ergeben, dass der Himmel blau, Schnee kalt und Wasser nass ist. Männer leiden also Höllenqualen schon bei kleinsten Infekten, weil sich ihr Immunsystem nicht so schnell und effizient auf Bazillen einstellen kann wie das einer Frau.
Schüttelfrost ist bei diesen Männern grundsätzlich Malaria, auch wenn sie in den letzten 20 Jahren nicht südlicher als Ischgl verreist sind. Der kleine Schnitt, den sie sich geholt haben, als sie das Papier in den Drucker getan haben, muss geklammert werden. Und eine Schürfwunde erfordert die sofortige Transplantation von Eigengewebe. All dies lässt einen sehr misstrauisch auf die Geschichtsschreibung blicken, die ja vor allem von Männern gemacht wurde. Wenn es da heißt: "Wir lagen bei minus zehn Grad im Schützengraben und froren erbärmlich." Stimmt das nun, oder waren es nicht vielleicht doch zehn Grad plus? Lagen sie wirklich vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord? Oder klang "wir hatten einen kleinen Schnupfen an Bord" einfach nicht so gut?
Aber ganz ehrlich: Braucht man für den Nachweis wehleidiger Männer wirklich eine Studie? Hätte es da nicht gelangt, mal kurz eine x-beliebige Ehefrau zu fragen? Warum können diese Wissenschaftler nicht mal wirklich wichtige Dinge herausfinden. Zum Beispiel, warum große Männer sich andauernd mit den Kolleginnen über kleine Männer unterhalten wollen. Oder welche Auswirkungen das Einkaufsverhalten auf die Jahreszeiten hat.
Es ist leider so: Kaum hat man endlich mal rechtzeitig schon im November Winterreifen gekauft, Lammfellstiefel und Arktisparka besorgt, kurz: Kaum ist man perfekt auf den Winter vorbereitet, bleibt der einfach weg.
Mein Kollege macht sich schon Sorgen um seine Schildkröten, die sind nämlich mittlerweile zu groß für das Gemüsefach im Kühlschrank. Jetzt müssen sie draußen überwintern und wenn es weiterhin so warm ist, wachen sie bald auf und dann hat er das ganze Jahr über schlecht gelaunte, unausgeschlafene Schildkröten. Zeitgleich behauptet derselbe Kollege, dass es keine Klimaerwärmung gibt.
Das alles zeichnet ein sehr düsteres Bild für die Zukunft. Vielleicht sollte man schon jetzt versuchen, einen Kontinent nur für Männer zu finden. Wo sie sich von ihren Kriegsverletzungen (Bluterguss) erzählen können, bei 40 Grad im Schatten die nicht vorhandene Klimaerwärmung diskutieren und derweil von ihren schlecht gelaunten Schildkröten angegriffen werden.
Email: sandra.garbers@morgenpost.de
Die Kolumnen von Sandra Garbers sind jetzt auch in einem Buch erschienen: "Single in the City: Frl. Garbers rennt durch die Stadt", Bastei Lübbe (Quadriga), 160 Seiten, 14,99 Euro
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