Frl. Garbers rennt durch die Stadt
Weihnachten? Ich beantrage Fristverlängerung
Vor etwa zwei Wochen hat eine Facebook-Freundin ein Foto gepostet. Drauf zu sehen war ein großer Haufen Geschenke, alle in geschmackvolles Papier gewickelt und mit goldenen Schleifen verziert. Und nur für den Fall, dass jemand noch nicht verstanden hatte, was sie damit sagen wollte, stand unter dem Foto folgender Kommentar: "So, alles fertig, Weihnachten kann kommen."
Wer Anfang Dezember alle Geschenke beisammen hat, kann bestimmt auch morgens eine gebügelte weiße Bluse anziehen und sich sicher sein, dass sie abends noch genauso aussieht. Ohne Soßenflecken, ohne Makeup-Spur am Kragen. Denn diese Menschen sind perfekt. Sie kleckern nicht und sie schwitzen auch nicht. Und wenn sie im August eine schöne Geldbörse sehen, denken sie an Omi und Weihnachten.
Damit bringen sich diese Weihnachtsstreber um den interessantesten Teil des Festes. Um den letzten ur-evolutionären Akt, die Weihnachtsgeschenkejagd in letzter Minute. Man muss schnell sein, die Geschenke einkreisen, gegen die Gegner verteidigen - "He da, ich hab die Nespressomaschine zuerst gesehen!" - und sie schließlich erlegen und nach Hause schleifen.
Bislang hat das auch immer gut geklappt, aber in diesem Jahr kommt Weihnachten wirklich zu früh. Ich möchte deshalb Fristverlängerung beantragen. Es ist dieses Jahr einfach nicht zu schaffen. Nicht mit dem wenigen Personal, das man hat.
Das ist gar nicht so schlimm, wie es sich anhört, denn eigentlich hat so ein individualisiertes Weihnachten nur Vorteile. Nicht nur, dass die Tannenbäume nach dem 24. Dezember schlagartig billiger werden, auch für viele Firmen wäre es von Vorteil, da sich so der Kampf um die freien Tage entzerren lassen könnte. Man könnte dann endlich in den Weihnachtsferien Skifahren ohne ein Vermögen loszuwerden. Und schließlich haben die Kaufhäuser im Januar immer Haushaltswochen, da ließe sich für den Bekannten noch das eine oder andere Schnäppchen finden.
Damit hätte der Januar, ein bislang völlig nutzloser Monat, endlich seine Bestimmung gefunden. Die Londoner Optimistengesellschaft hat mal errechnet, dass der dritte Montag im Januar der traurigste Tag im Jahr ist. 2012 ist das 16. Warum also feiern wir Weihnachten nicht einfach am 16. Januar und machen ihn damit zu einem schönen Tag? Das mit Jesus weiß doch eh keiner so genau. Und die Queen feiert ihren Geburtstag ja auch immer zwei Monate später. Und ich werde mit den 14. Januar schon mal rot im Kalender markieren: Geschenke besorgen!
Email: sandra.garbers@morgenpost.de
Die Kolumnen von Sandra Garbers sind jetzt auch in einem Buch erschienen: "Single in the City: Frl. Garbers rennt durch die Stadt", Bastei Lübbe (Quadriga), 160 Seiten, 14,99 Euro
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
-
00:08Präsidentschaftswahl: Unterlegener Kandidat in Ägypten will gegen Wahler...
-
00:00Verkehrssünder: Flensburger Punktedatei soll weiter verschärft...
-
26.05.2012Festnahme: Toter in Friedrichshainer Bar: Verdächtiger gefass...
- 1. Relegationsspiel Hertha BSC und der Abstieg ohne Gnade
- 2. Formel 1 in Monaco Strafversetzung verdirbt Schumacher nicht die Laune
- 3. Nach Berufung Hertha BSC schickt seine Spieler in den Urlaub
- 4. Relegationsspiel Hertha BSC gibt sich offenbar geschlagen
- 5. Stromerzeugung Solaranlagen liefern so viel Strom wie fast 20 Atommeiler












