Frl. Garbers rennt durch die Stadt
Bald sieht Kollege M. ziemlich alt aus
Kollege M. altert einfach nicht . Seit vielen Jahren ist er 38 Jahre, obwohl er im nächsten April 50 wird. M. ist ziemlich glücklich darüber. Er kann sein gutes Aussehen auch dringend gebrauchen, weil er so viele Frauen abschleppen muss. Er sagt, je mehr Frauen er trifft, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann einmal die Richtige dabei ist, mit der man eine Familie gründen kann. Kollege M. begründet seine multiplen Affären also mit Moral.
Es sei ihm gegönnt , denn nicht mehr lange, und M. wird aussehen, als sei er Mitte 60. Oder wie Kollegin B. sagte: "Eines schönen Tages wirst du aus der Kantine zurück kommen und deine süßen kleinen Wangentäschchen werden plötzlich so lang sein, dass du sie unter deinen Rollkragenpullover stecken kannst."
Denn so ist das bei Männern . Sie altern in Zehnjahresschritten. Eine ganze Zeit lang passiert gar nichts. Keine Falte, kaum ein graues Haar, kleines Bäuchlein. Das ist die goldene Zeit, in der sie sich noch trauen, Witze über Cellulite und übers Klimakterium zu machen. Und dann Baff! 20 Jahre älter! Über Nacht!
Und dann lernen sie Demut . Die Männer altern dann innerhalb weniger Tage sogar so schnell, dass sie schon allein davon graue Haare bekommen, das heißt, sie altern noch einmal nach. Wenn Männer also erst einmal anfangen zu altern, dann ist eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die höchstens Professor Mang noch aufhalten kann.
In dieser Phase beginnen Männer wieder nett zu sein zu den Frauen, die sie vorher jahrelang gedisst haben (siehe Cellulite, Klimakterium). Die Frauen schließen sie wieder in ihre Arme. Sie haben Mitleid mit den kleinen Methusalems. Denn während die Frau immer noch nur ein Bäuchlein hat, ist der Mann mittlerweile mit Drillingen schwanger. Frauen altern jeden Tag ein kleines bisschen. Sie können sich und andere schonend an ihre Falten gewöhnen. Die Männer träumen auch nicht mehr von der 24-Jährigen, weil sie wissen, dass sie nur noch mit ihr in engeren Kontakt treten könnten, wenn es sich zufälligerweise um eine Altenpflegerin handelt.
Aber haben Sie keine Angst vor dem nächsten Zehnjahresschritt. Es hat auch Vorteile. Der plötzlich gealterte Mann wird zuvorkommender behandelt. Man denkt automatisch: Er kann nicht mehr so gut hören und sehen. Er kann nicht mehr so lange stehen. Er kann wegen eines Fersensporns auch mal vier Stunden zum Orthopäden verschwinden. Man geht automatisch davon aus, dass er immer auf seinem Lieblingssessel sitzen muss.
Eigentlich also hat das Altern des Mannes fast nur Vorteile. Jedenfalls für ihn.
Und nächstes Mal erkläre ich, warum Männer mit Mitte 30 plötzlich durchdrehen sandra.garbers@morgenpost.de
Die Kolumnen von Sandra Garbers sind jetzt auch in einem Buch erschienen: "Single in the City: Frl. Garbers rennt durch die Stadt", Bastei Lübbe (Quadriga), 160 Seiten, 14,99 Euro
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