Frl. Garbers rennt durch die Stadt
Urlaub im Gucci-Outlet
Es gibt da diesen einen Satz. Wenn ich den in diesem Sommer oder im nächsten Winter noch einmal hören muss, dann hol ich meine atmungsaktive Regenjacke mit Lotus-Abperleffekt heraus und haue sie dem Sprücheklopfer um die Ohren. Der Satz lautet: "Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung."
Dieser Satz macht jeden, der es wagt, sich über das Wetter aufzuregen, automatisch zum Deppen, der so sinnlose Dinge tut, wie sich über das Wetter aufregen. Der Satz wird gerne von älteren Ehepaaren mit Allwetterjacken im Partnerlook aufgesagt oder von Familien, die gerade aus dem völlig verregneten Nordseeurlaub zurückgekehrt sind.
In diesem Sommer adäquate, der Witterung entsprechende Kleidung dabei haben zu wollen, bedeutet allerdings, dass man stets ein kleines Rollköfferchen mit sich führen müsste: Gummistiefel und Pullover für den frühen Morgen, ein leichtes Sommerkleidchen und Flipflops für die zweieinhalb Stunden gegen Mittag, wenn der Himmel plötzlich aufreißt, Pullover und Schal für den späten Nachmittag.
Nicht einmal auf die Drei-Tages-Prognose der Meteorologen ist in diesem Jahr Verlass. Wie oft habe ich in den letzten Wochen die Menschen in den Straßencafés schimpfen hören: "Jetzt ist es DOCH sonnig. Dabei hatten sie für heute Regen angesagt!" Vielleicht liegt das mit dem Wetter daran, dass sich einfach zu viele Leute vorschnell Sommerkleider gekauft haben. Es scheint das Wetter zu erzürnen, wenn man sich perfekt vorbereitet zeigt. Letztes Jahr war der Winter an genau dem Tag vorbei, als mein Bekannter sich endlich entschlossen hatte, Winterreifen zu kaufen. Mit dem Wetter ist es eben wie im Supermarkt: Man steht immer an der falschen Kasse an.
Deshalb bin ich dort hingefahren, wo das Wetter noch eine gewisse Stabilität verspricht: Nach Italien. Ich dachte an warme Spätsommertage und laue Abende - und bekam eine für diese Zeit wirklich außergewöhnliche Hitzewelle. Es ist so außergewöhnlich heiß, dass man sich gar keine mittelalterlichen Städte anschauen kann, weil die Temperaturen eigentlich nur im klimatisierten Gucci-Outlet zu ertragen sind. Da traf es sich gut, dass die Fluggesellschaft meinen Koffer mit den Bikinis und den Sommerkleidern verschlampt hatte.
Hitzewelle, verloren gegangenes Gepäck, Gucci-Outlets - in der Wirtschaftskrise scheinen diese raffinierten Italiener mit allen Tricks zu arbeiten. Der perfideste von allen sind aber mit Sicherheit die Cellulite-Zauberspiegel in den Kabinen des Outlets. Die Spiegel zeigen Dellen, wo gar keine sind, machen blass und dick. Das ist äußerst gerissen von diesen Guccis, denn man beeilt sich, vor diesen Spiegeln jedes freie Stückchen Haut sofort mit Kleidung zu bedecken, um nur bloß nicht weiter diesen menschgewordenen Kreidefelsen betrachten zu müssen. So kommen dann zum ärmellosen Kleid eben auch noch die passende Jacke und ein Schal dazu.
Mehrere hundert Euro später wusste ich endlich, wie der Satz wirklich heißen muss: Es gibt keine schlechte Kleidung. Nur das unpassende Wetter.
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