Frl. Garbers rennt durch die Stadt
Propaganda mit Schaufeln und Förmchen
Neulich, in einem beinahe absurden Anfall von Übermut, begleitete ich eine Freundin auf einen Spielplatz in Prenzlauer Berg. Während die Kinder sich gegenseitig Schaufeln über die Köpfe zogen, breitete ein Mann seine Tischdecke über dem Balancierbalken und rief die Kinder zu sich.
Dann zog er zwei selbstgemachte Pappmaschée-Puppen hervor: "Hallo, ich bin der Dieter", sagte die eine Puppe. "Und ich bin der Pätrick", die andere. "Und ich geh jetzt mal kurz nach unten."
Es folgte eine Pätrick-Dieter-Verwirrnummer, und als die ausgereizt war, erschien auf der Tischdecke ein kleines braunes Gebilde mit einem rosafarbenen Mund: "Kinder, wisst ihr wer ich bin?" - Nein!!! - "Ich bin der Hundekackehaufen. Mögt ihr Hundekackehaufen?" - Nein!!! - "Na, dann verschwind ich mal wieder." Als nächstes trat der böse Mann auf. "Kinder wollt ihr den bösen Mann sehen?" - Nein!!! - "Er kommt aber trotzdem. Wisst ihr, Kinder, warum der böse Mann ein böser Mann ist?" - Nein!!!! - "Er verwandelt Schweine in Wurst!" Damit zog der Puppenspieler eine fusslige alte Socke hervor, die das Schwein darstellen sollte und die nun ihrerseits: "Neinneinnein!!!" schrie, während der böse Mann die Socke hinter der Tischdecke in eine Stoffsalami verwandelte.
Ich bin begeistert, denn bislang hatte ich immer gedacht, Prenzlauer-Berg-Kinder würden mit so weltfremden Dingen wie Säuglingszeichensprache und Kinderyoga großgezogen. Stattdessen werden schon auf dem Spielplatz die wirklich wichtigen Themen abgehandelt: Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften, Hundedreck, Kritik am Metzgereigewerbe, vegetarische Ernährung. Frühkindliche Prägung nennt man das. So ist das eben bei den Stadtkindern. Da hält man sich nicht lange mit so Zeugs wie Krokodil, Polizist und Kasper auf.
Natürlich habe ich noch ein paar Ideen für unseren Puppenspieler. Puppe 1: "Hallo Kinder, ich bin der erste Mai." Puppe zwei: "Und ich bin ein gewaltbereiter Autonomer und gleich hau ich den ersten Mai mal so richtig." Oder, Puppe 1: "Hallihallo, ich bin der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Hotels" Puppe 2: "Und ich bin die FDP und hab den ermäßigten Mehrwertsteuersatz ganz doll lieb". So können Kinder spielerisch die Welt entdecken. Rentenformel, Frauenquote, Luftverkehrsabgabe, Reform der gesetzlichen Krankenkassen - wunderbare Stoffe für das Puppentheater auf dem Spielplatz.
Denn eines sollte man nicht vergessen. Die Kinder von heute sind die Verbraucher von morgen. Und die Wähler. Dies nur als kleiner Hinweis an die Wahlkampfstrategen der Parteien. Puppe: "Und wir haben auch eine böse Frau. Wollt ihr die sehen?" - Nein!!!! - Puppe: "Da ist sie schon. Sie heißt Angela. Und wisst ihr, warum sie so böse ist?"- Nein!!! - "Sie und ihre Freunde waren ganz lange für eine Laufzeitverlängerungen bei den Atomkraftwerken." BUHHHHH!!!!
Wenn Sie sich fragen, wo findet eigentlich der Wahlkampf statt? Dann kann man endlich wahrheitsgemäß antworten: Im Sandkasten.
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