07.02.13

Berlinale-Kolumne

Hilft nichts, da müssen wir jetzt durch

Noch ist nichts passiert. Aber man sollte gut vorbereitet in die Berlinale zu gehen. Es ist ein großes, gesundheitsgefährendes Ereignis.

Foto: Karl Anton Koenigs

Die Berlinale gilt als größtes Publikumsfilmfest der Welt. Es ist aber natürlich auch ein Treffpunkt der Stars. Hier plaudert Klaus Wowereit mit Till Schweiger und Freundin Svenja Hoffmann auf der „Bild“-Party 2012.

12 Bilder

Moment. Ich bin noch nicht soweit. Könnten wir das hier, also die Berlinale, vielleicht verschieben? So in den Sommer hinein? Oder wenigstens in den April? Jetzt passt's grad gar nicht.

Ich bin nämlich ziemlich schlecht durch den Winter gekommen. So schlecht, dass ich eben noch auf dem roten Teppich gelegen hab, so flach, wie es mir in meinem, naja, doch leider eher vollumfänglichen Zustand im Moment halt möglich ist.

Auf meinem roten Teppich versteht sich. Zu Hause. So'n fusselndes Teil, quadratisch, nicht mehr jung, direkt vor dem Fenster. Ungefähr genau 18 Kilometer weg vom Potsdamer Platz liegt er.

Schlafen kann man ab jetzt später

Und geschlafen hab ich da. Die Gelegenheit war günstig. Zum Schlafen komm ich in den nächsten Tagen ja erstmal nicht so.

Hätte ich aber viel mehr tun sollen letzte Woche. Hatte ich mir fest vorgenommen. Vorschlafen. Und Ausgeglichenheit üben. Muster in den Schnee harken vielleicht. Oder übers Wasser starren. Oder den Schneeflocken nach. Am besten mal gar nichts gucken, nichts denken, nichts schreiben.

Es wird erwartbar – ist ja schließlich meine zehnte Berlinale, soll also keiner sagen, ich hätte es nicht wissen können – wieder ein großer, ein schrecklicher, ein gesundheitsgefährdender Spaß werden. Und wie soll man das mit einer angegriffenen Seele und einem Immunsystem aushalten, das jetzt schon die weiße Fahne in Händen hält?

Das ganze Blut hält keiner aus

All das Scheitern, all die Schlechtigkeit der Welt, der Gesellschaft, der Politik, die koreanischen Selbstmörder, die misshandelten Frauen, die fiesen Männer, die fahlen Farben, das ganze Blut sechs, acht Stunden am Tag auf der Leinwand.

All das dauernde Meinungmachen, -sagen, -schreiben anschließend, das schlimme Essen, der viele Kaffee, das Bier, all die allerlei Ansteckendes auswerfenden Kollegen vor, neben, hinter einem und die feinen Gerüche ihrer kapitulierenden Deos im Kino.

Die Menschheit – das weiß jeder, der auch nur einmal auf der Berlinale war – riecht verdammt schnell wie nasser, toter Hund, wenn es Februar ist und feucht und kalt und sie, also die Menschheit, vor allem die cineastische, gezwungen ist mehr als eine Woche in einem Satz Kleidern zu schlafen.

Ordnung ist die halbe Berlinale

Wie kann man das retten? Mit Ordnung. Und mit guten Vorsätzen. Da siehts schon besser aus.

Zunächst zur Ordnung: Die Notfallapotheke ist gepackt, Taschentücher, Hustensaft, Nasenspray. Die vielen bunten Pillen der Vitaminkur, Empfehlung des Kollegen Z., liegen bereit. Diverse Duftwässerchen, Riechfläschchen, es hängt genug Wäsche wohlpräpariert und -duftend parat. Die Mütze, die Handschuhe sind gefunden, Schals liegen an allen Notfallstationen.

Das Fahrrad ist repariert. Die Familie nach Hamburg expediert. Kabel und Datenüberträger sind vorbildlich verpackt. Der Computer zickt nicht (nicht mehr als sonst so jedenfalls). Der Filmplan ist gemacht (nun gut, halbwegs).

Auch mal Nein sagen können

Die Vorsätze: Nicht jeden Film im Wettbewerb sehen. Auch mal Nein sagen. Raus kommen, seitwärts, abwärts durchs Programm streifen, in die kleinen, die kurzen, die fernen Filme, in die Kinos am Rand, mal nach Potsdam raus fahren zum Beispiel.

Auch mal Nein sagen. Mal auf eine Pressekonferenz. Mal Nein sagen. Gesünder essen. Mehr Rad fahren. Nein sagen.

Wird schon. Und hinterher auf dem roten Teppich liegen. Ein bisschen flacher vielleicht (das gesunde Essen, das Radfahren!). Gesund und müd'. Ein schöner Plan. Eine schöne Berlinale.

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