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09.01.12

Abenteuer

Die Bande mit dem Muschelzeichen

Gemeinsam auf der Suche nach Abenteurern: Drei Mädchen und drei Jungen einer Charlottenburger Schule halten fest zusammen und hüten ihre Geheimnisse

© Amin Akhtar
Einen Bandennamen und ein Quartier müssen die KInder noch finden: Carlotta (10), Janos (9), Luna (9), Niklas (9), Johanna (9) und Marcel (9; von links nach rechts
Einen Bandennamen und ein Quartier müssen die KInder noch finden: Carlotta (10), Janos (9), Luna (9), Niklas (9), Johanna (9) und Marcel (9; von links nach rechts

Los ging alles unter dem Tisch. Kurz nach den Sommerferien. In einer kurzen Pause, zwischen Mathe und Sachkunde, in ihrem Klassenraum. Da hat Carlotta ihre fünf Mitschüler gefragt, ob sie nicht eine Bande sein wollen. Und Luna, Johanna, Niklas, Marcel und Janos waren sofort dabei. Aber bevor die sechs Viertklässler einer Charlottenburger Grundschule weitere Pläne schmieden konnten, klingelte es schon wieder zur nächsten Stunde.

Die Idee, eine Bande zu gründen, ist allerdings schon älter. Zuerst hatten sich die drei Mädchen zusammengeschlossen. Carlotta (10) kannte die Geschichte der "Wilden Hühner" von Cornelia Funke, in der eine Mädchenbande gegen eine Jungenbande antritt. Luna (9) brachte auch schon ein bisschen Bandenerfahrung mit: "Ich hatte mal mit zwei Mädchen aus der Parallelklasse eine Bande". Aber die hielt nicht lange. "Außerdem finde ich es besser, wenn Jungen dabei sind, dann lernt man die besser kennen", ergänzt Johanna. Welche Jungen dazugehören sollten, ergab sich fast von allein. Denn die drei Freunde Niklas, Marcel und Janos waren auf das Treiben der Mädchen aufmerksam geworden und wollten unbedingt ihre Geheimnisse herausbekommen. Erst wurden sie von den Mädchen abgewimmelt, aber dann kam es zu der Begegnung unter dem Tisch.

Seitdem halten die sechs fest zusammen - auch wenn sie bis heute noch keinen richtigen Namen für ihre Bande gefunden haben. Dafür aber ein Geheimwort. Es setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen der drei Jungen und drei Mädchen. Die Reihenfolge verraten sie aber nicht - bei sechs Konsonanten wird es ohnehin unaussprechlich sein. Auf zwei Zetteln haben sie auch eine Regelsammlung entworfen, die alle unterschrieben haben. "Eigentlich wollten wir mit Blut schwören", sagt Luna, aber das haben sie sich dann doch nicht getraut. "Wir verpetzen uns nicht, wir verraten kein Geheimnis und wir lassen niemanden rein", zählt Niklas die wichtigsten Regeln auf. Allerdings sei das gar nicht so einfach, denn Interessenten gäbe es schon einige. Carlotta rollt mit den Augen: "Das nervt ganz schön!" Aber wenn die Gruppe noch größer wäre, dann würde es immer schwieriger werden, etwas zu entscheiden, zumal die sechs Viertklässler keinen Anführer haben, sondern alles ganz demokratisch miteinander besprechen. Viel Zeit für Besprechungen haben sie auch nicht. "wir haben alle so viel vor am Nachmittag und wohnen auch ganz schön weit auseinander", erzählt Janos. Also bleiben nur die Pausen - und manchmal der Unterricht. Ihre Klassenlehrerin hat die sechs allerdings inzwischen auseinandergesetzt, weil ihr zuviel gequatscht wurde.

Als Zeichen ihrer Bande haben die drei Mädchen und drei Jungen eine Muschelkette gebastelt, die sie sich ab und zu umhängen. Oft bleibt sie aber auch im Schulranzen oder zu Hause im Versteck "wir wollen ja nicht so auffallen", sagt Marcel. Für das neue Jahr hat die Bande einen ganz großen Wunsch: ein Bandenquartier. Irgendwo im Grunewald wollen sie ein Häuschen bauen, in dem sie auch mal zusammen übernachten können. "Aber meine Eltern haben gesagt, dass man das nicht einfach so machen darf, daher will ich jetzt einen Brief an Klaus Wowereit schreiben und ihn fragen, ob wir es vielleicht doch dürfen - aber ich habe ihn noch nicht abgeschickt." Eigentlich wollten sie selbst etwas bauen, aber weil sie keine professionellen Bauarbeiter sind, könnte es vielleicht nass werden - "außerdem können da Raupen reinkommen", sagt Niklas, so ein krabbelndes Getier mag er nicht. Zum Glück weiß Carlotta aber eine Lösung: "Wir kaufen uns so ein Gartenhäuschen im Baumarkt." Bleibt nur die Frage, wie sie das bezahlen sollen. Johanna und Luna haben vor Weihnachten einen Basar vor der Haustür veranstaltet. Leider blieb die Laufkundschaft aus. "Wir haben nur drei Euro sieben eingenommen, das reicht noch nicht ganz." Aber sie wollen weiter sparen - und träumen. Denn es gibt noch einen zweiten Wunsch: "Wir hätten gern ein Bandentier", sagt Janos. Am liebsten einen Hund, aber ein Hamster würde ihnen auch schon reichen.

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