Nussknacker im Advent
Zauberhaftes Ballett-Märchen
23 Mädchen zwischen neun und 16 Jahren tanzen auf dem Gendarmenmarkt die schönsten Stücke aus dem "Nussknacker" - eine von ihnen ist die zwölfjährige Annika
Von Gerlinde Schulte
Der Himmel ist grau am ersten Advents-Sonnabend, der Wind frisch. Auf dem Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt gehen die Lichter an. Neugierige in dicken Mänteln und Jacken versammeln sich vor der Bühne am Konzerthaus. Hier soll gleich eine Vorstellung beginnen. Je eine Reihe Mädchen steht fröstelnd an den beiden Bühnentreppen links und rechts. In dünne Decken gehüllt warten die jungen Tänzerinnen auf ihren Einsatz, darunter auch Annika Schmidt. Die Zwölfjährige ist eine von 23 Ballerinen der Ballettschule Szilvia Wolf aus Biesdorf. Seit neun Jahren sorgt die Schule mit für den Weihnachtszauber auf dem Gendarmenmarkt. Mit je zwei Auftritten und verschiedenen Programmen am Sonnabend und Sonntag. In diesem Jahr sind es "Nussknacker" (Sbd.) und "Puppenfee" (So.).
Neun bis 16 Jahre sind die Ballettmädchen alt. Heute tanzen sie zweimal eine halbe Stunde lang die schönsten Stücke aus dem Nussknacker-Ballett von Peter Tschaikowski: die Ouvertüre, den Marsch, den Tanz der Zuckerfee, den russischen, arabischen und chinesischen Tanz, den Tanz der Rohrflöten und den Blumenwalzer. Die erste Vorstellung beginnt um 15.30 Uhr, die zweite eine Stunde später. Die schwierigen Parts wie die Zuckerfee bekommen natürlich die Großen, aber auch die kleinen Tänzerinnen haben zu tun und sehen in ihren bunten Kostümen wunderhübsch aus.
Seit den Herbstferien haben sich die Mädchen auf diesen Moment vorbereitet, mindestens dreimal in der Woche und auch mal sonnabends hart geprobt, erzählt Annika, denn bei dem Auftritt muss alles klappen. Nicht nur die Ballettschritte, auch der schnelle Kostümwechsel hinter der Bühne ist nicht so einfach. Und davon gibt es einige, denn für jeden Tanz gibt es andere Kostüme: Hemden und Röcke, Folklore-Kleider mit Stiefeln, chinesische und orientalische Gewänder, bunte Tutus, dunkle und helle Schläppchen... Jedes Mädchen muss darauf achten, dass seine Sachen griffbereit in der schmalen Gasse hinter dem dunkelroten Bühnenvorhang aus Samt hängen. "Vor der Premiere bin ich sehr aufgeregt", erzählt Annika, als sie sich in der Pause im Masken-Container aufwärmt. "Aber beim zweiten Auftritt ist dann alles gut, dann haben wir es einmal durchgespielt und wissen, dass alles gut geklappt hat."
Fünf Mal muss sich Annika während der 30 Minuten umziehen. Da sind neben der Liebe zum Ballett, Ordnung, Disziplin und Überblick gefragt. Auf der Bühne sieht man das den anmutig lächelnden Mädchen nicht an - auch nicht die Kälte, der sie in ihren Spaghettiträgern trotzen. Annika lacht: "Neun Grad sind heute, das finden wir übel warm. Im letzten Jahr hatten wir minus zehn Grad!" Mit ihrem Tanz wollen die Mädchen die Besucher verzaubern und in Weihnachtsstimmung bringen. Da passt das Ballett-Märchen, in dem es um einen Nussknacker, eine Zuckerfee und einen Mäusekönig in einer Weihnachtsnacht geht, perfekt.
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