Workshop für Kinder
Fotografieren heißt: Ganz genau hingucken!
Wo ist es schön und wo will ich lieber nicht sein? Beim Projekt "Zwischen Himmel und Hölle" fotografieren Kinder ihr Berlin
Von Samantha Knobloch
"Wer hat schon mal fotografiert?", fragt Fotograf Sebastian Hänel. "Fotos hat doch jeder schon mal gemacht", sagt Habiba. Hobbyweise Fotos knipsen können vielleicht viele, doch heute im Workshop sollen die Kinder von Hänel lernen, wie das professionell geht. Am 21. Juli startete das Fotoprojekt "Zwischen Himmel und Hölle - Kinder fotografieren ihr Berlin" der Berliner Stadtmission. In den nächsten Wochen finden mehrere Fotoworkshops in der St.-Lukas-Kirche in Kreuzberg statt, in denen Kinder von acht bis 14 Jahren gratis lernen können, Fotos zu schießen wie die Profis.
"Die Kinder sollen die blödesten, verrücktesten und unsinnigsten Bilder machen. Es sollen Fotos werden, die sie noch nie zuvor gemacht haben", sagt Sebastian Hänel, der den ersten Kursus leitet. Er zeigt den Kindern, wie man die Kamera richtig hält, wie man mit dem Licht umgeht, wann man den Blitz benutzt und wie man die besten Motive und Ideen für ein tolles Bild findet. Der Profi steht jedem Kind mit Tipps zur Seite: Er erklärt dem neunjährigen Raijk, dass er früh genug abdrücken muss, um seinen Partner beim Springen in der Luft auf dem Foto festzuhalten, und der achtjährigen Kevber zeigt er, wie sie an das Gesicht ihrer Partnerin zoomt.
"Ich habe versucht kreativ zu sein und schöne, echte Bilder zu machen, also nicht gestellt. Das hat echt Spaß gemacht", sagt Hannah, die sich zusammen mit Partnerin Napirai viele originelle Ideen für die Fotos überlegt hat. Auf Bäume klettern und Tarzan spielen, auf dem Boden wälzen und Tigergebrüll nachmachen, verrückte Grimassen schneiden und sich gegenseitig nass spritzen - die Kinder dürfen alles ausprobieren, um das beste Foto zu ergattern. Die Tricks und Tipps vom Profi-Fotografen sollen sie dann zu Hause umsetzen. Das Projekt soll Kinder ermutigen, ihren Alltag mit allen Höhen und Tiefen auf Fotos zu dokumentieren. Es soll zeigen, wie sie ihre Stadt Berlin erleben, wo ihre Lieblingsplätze sind und wo sie sich gar nicht gern aufhalten. Die 13-jährige Habiba weiß schon genau, wie sie die Stadt in Szene setzt: "Mein Lieblingsort ist der Spielplatz in Wedding. Dort werde ich Kinder beim Spielen fotografieren. Und das Höllen-Bild schieße ich bei den Mülltonnen, wo es so richtig stinkt. Man braucht sehr lange, bis man das richtige Motiv findet." Das hat Habiba vom Fotografen gelernt. Dann fotografiert sie ihre Freundinnen beim Herumhampeln.
Ortrud Wohlwend von der Stadtmission hat eine genaue Vorstellung von den Workshops: "Vor allem geht es uns darum, dass die Kinder lernen, ihre Stadt von einem neuen Blickwinkel kennenzulernen. Das geht am Besten mit dem Fotoapparat: Wenn man Fotos schießt, muss man genau hingucken. Man braucht den richtigen Blick durch die Linse." Außerdem können die Kinder viele neue Freunde kennenlernen. Egal ob aus Wedding, Tegel oder Kreuzberg, egal ob türkischer, iranischer oder deutscher Herkunft, alle Kinder arbeiten zusammen, um das schönste Foto zu machen.
Bis zum 24. September werden fast wöchentlich Fotoworkshops mit professionellen Fotografen stattfinden. Kinder, die vielleicht keine Kamera zu Hause haben, bekommen für das Projekt gespendete Kameras ausgeliehen.
"Das ist mal was Anderes in den Sommerferien", findet die zehnjährige Napirai. Wer noch mitmachen will, sollte sich schnell anmelden, der nächste Termin ist am Mittwoch, dem 11. August.
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