Bahnhofsmission
Für Menschen in Not immer geöffnet
Sonntag, 20. Dezember 2009 12:04 - Von Kirsten SchiekieraDie Mitarbeiter der Bahnhofsmission am Zoo helfen Reisenden, Armen und Wohnungslosen
Seit sechs Wochen steigt Jana jeden Morgen am Bahnhof Zoo aus. Ihr Arbeitsplatz liegt in der Jebensstraße, direkt hinter dem Bahnhof, an einer Stelle, an der es keine Leuchtreklame gibt und an der nur wenige Touristen vorbeikommen. Die Schülerin einer Fachoberschule macht gerade ein zehnwöchiges Praktikum bei der evangelischen Bahnhofsmission. Tag für Tag bilden sich dort vor der Tür lange Menschenschlangen. Einige der Männer und Frauen führen ihre ganzen Habseligkeiten in Tüten oder Einkaufswagen mit sich. In der Bahnhofsmission können sie eine Dreiviertelstunde lang im Warmen sitzen – dreimal am Tag gibt es dort eine Mahlzeit für die Bedürftigen, Kuchen oder heißen Tee. Danach müssen sie wieder gehen, und die nächste Gruppe kommt hinein. Mehr als 50 Personen passen nicht in den Raum.
Die Hälfte der Gäste hat keine Wohnung
„Ungefähr die Hälfte der Leute, die hierherkommen, hat keine Wohnung. Die anderen sind zu arm, um sich genug zu essen zu kaufen“, erklärt Jana, während sie Brote schmiert und Tee kocht. Vieles von dem, was sie verteilt, wird der Bahnhofsmission von Berlinern gespendet. In den Zeiten der Essensausgabe reicht Jana den Gästen – so nennen die Mitarbeiter dort alle Menschen, die Hilfe bei ihnen suchen – Teller Butterbroten und Salat, Streuselschnecken oder Joghurt. Vor allem aber hört sie zu.
„Die Leute erzählen mir viel von ihren Problemen“, erzählt die 17-Jährige. „Einige suchen Jobs, andere haben Ärger mit den Verwandten. Manche reden aber auch wirres Zeug. Mir macht die Arbeit hier ganz viel Spaß“, sagt Jana, die ihr Praktikum auch in einem Kindergarten oder in einer Behindertenwerkstatt hätte machen können. Sie wollte aber unbedingt in die Bahnhofsmission: „Hier kann man direkt helfen, und man sieht, wie die Menschen sich freuen.“ Außer ihr sind im Moment noch die beiden Praktikanten Raphael und Maximilian in der Bahnhofsmission. „Unsere Gäste freuen sich, wenn so nette junge Leute wie die drei an der Essensausgabe stehen“, sagt der Leiter der Bahnhofsmission am Zoo, Dieter Puhl.
Außer ihm arbeiten in der Bahnhofsmission noch sieben festangestellte Mitarbeiter der Berliner Stadtmission, einige Zivildienstleistende, Praktikanten und viele ehrenamtliche Helfer. Insgesamt sind dort 80 Männer und Frauen im Einsatz.
Festessen an Heiligabend
Heiligabend gibt es für die Gäste ein besonderes Festessen: Gänsekeulen und Klöße. Ein Rentner hat das Geld für das Weihnachtsessen gespendet. Der schlichte Raum wird dann geschmückt, Weihnachtslieder werden gespielt, und ein Pfarrer liest die Weihnachtsgeschichte vor. Jana feiert an diesem Tag mit ihrer Familie in Wittenau. „Ich komme aber auf jeden Fall kurz vorbei und sage Hallo“, sagt sie. Am ersten Weihnachtsfeiertag wird Jana wieder an der Essensausgabe stehen. Sie hat sich freiwillig gemeldet. Helfen kann übrigens jeder. Kürzlich brachte ein Kind fünf Euro für ein Päckchen Kaffee vorbei. Über eine heiße Tasse Kaffee freuen sich die Wartenden am Morgen. schie
Info:
Bahnhofsmissionen gibt es auch am Ost- und am Hauptbahnhof. Sie sind 365 Tage im Jahr geöffnet, allerdings ist nur die am Zoo rund um die Uhr offen. Etwa 400 Personen wenden sich dort jeden Tag an die Mitarbeiter. Die kümmern sich um Bedürftige und um Reisende, die in Berlin landen und nicht wissen, wo sie übernachten sollen. Für sie gibt es einfache kleine Zimmer.





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