Hochschullandschaft
Staatliche Unis müssen sich wachsender Konkurrenz stellen
Die 26 privaten Hochschulen der Hauptstadt sind besonders für ausländische Studierende attraktiv. Die Stadt punktet dabei doppelt: Sie ist als Wohnort attraktiv und versammelt fast ein Viertel aller deutschen Privat-Unis
Von Tobias von Heymann
In der Berliner Bildungslandschaft sind sie längst eine eigene Größe: Von bundesweit etwa 110 privaten Hochschulen haben 26 ihren Sitz in Berlin. Sie ergänzen auf ihre Weise die Angebote der staatlichen Hochschulen auf vielen akademischen Feldern: Von Wirtschaft, Management oder Mode reicht ihr Spektrum mittlerweile weit über Gesundheit, technische Fächer und berufsbegleitende Weiterbildung hinaus. Rund vier Prozent der 147.000Studierenden in der Hauptstadt sind bei ihnen eingeschrieben.
Seit Anfang Februar haben sie nun auch ihre eigene Interessenvertretung. In der frisch gegründeten Berliner Landesgruppe des bundesweiten Verbandes der Privaten Hochschulen (VPH) sind bereits zehn private Hochschulen Mitglieder. "Als Hochschulen sind wir der Freiheit von Lehre und Forschung genauso verpflichtet wie die staatlichen", sagt Herbert Grüner, Vorsitzender der VPH-Landesgruppe Berlin und Rektor der Fachhochschule des Bildungswerks der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg (BBW).
"Hinzu kommt, dass private Hochschulen sich ohne öffentliche Gelder wirtschaftlich selbst tragen müssen." So ist ein Studium an einer Privathochschule nicht kostenlos. Wer einen Bachelor in einem der drei wirtschafts- und ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen der staatlich anerkannten BBW-Hochschule absolvieren möchte, muss für ein dreijähriges Studium knapp 15.500 Euro einrechnen. Dabei richtet sich die Hochschule schwerpunktmäßig an Studierende ohne Abitur oder akademischen Hintergrund.
Wer zum Beispiel über einen Meister oder eine entsprechende Berufsausbildung samt mehrjähriger Berufserfahrung verfügt, kann sich hier weiterqualifizieren. "Wir verfolgen dabei das Konzept der kurzen Wege", sagt Grüner. "Unsere rund 1000 Studierenden haben enge Kontakte zu den Dozenten und Professoren." Die intensive Betreuung sei ein wichtiger Grund, dass die Abbrecherquote mit unter fünf Prozent sehr niedrig ist.
Auf Führungsaufgaben in öffentlichem Sektor, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bereitet die gemeinnützige Hertie School of Governance vor. Pro Jahrgang werden aktuell etwa 120 Studierende aus vierzig Nationen in dem interdisziplinär, international und praxisorientierten Studiengang "Master of Public Policy" aufgenommen. Etwa die Hälfte von ihnen kommt aus dem Ausland. Mitte November 2011 entschied der Wissenschaftsrat, dass die seit 2003 bestehende Hertie School auch das Promotionsrecht erhalten soll.
Das stellt sie den staatlichen Hochschulen auch auf diesem Gebiet gleich. "Bei den jährlichen Umfragen unter unseren Studierenden nennen diese regelmäßig unter anderem das attraktive Angebot, die guten Hochschullehrer und individuelle Karriereberatung als ausschlaggebende Faktoren für die Wahl unserer Schule", sagt Helmut Anheier, Dean der Hertie School. "Auch Berlin als Stadt sehen viele als Pluspunkt für sich." Als einzige private und staatlich anerkannte internationale Kunsthochschule für Mode in Deutschland bietet die Berliner Esmod angehenden Designern seit Mitte 2011 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Rund 180 Studierende lernen aktuell am Kreuzberger Sitz der Hochschule alles, was sie für ihre späteren Berufe in der Fashion-Branche brauchen – und die Auswahl ist streng.
So müssen Bewerber ein Assessment-Center durchlaufen und Auswahlgespräche bestehen. "Wir suchen Studierende mit vielfältiger Persönlichkeit, die sich über Mode hinaus auch für andere Themen interessieren", sagt Esmod-Sprecherin Jennifer Browarczyk. Pro Jahr kostet das Studium an der Esmod zwischen 8400 und 10.500 Euro. Eng arbeitet die Hochschule dabei mit der Industrie zusammen und ist über Netzwerke auch mit vielen der 250 Junglabels in Berlin verbunden.
"Zum Beispiel stellen Firmen Aufgaben für ein bestimmtes Produkt und die Studierenden entwickeln dazu dann eigene Design-Konzepte", so Browarczyk. Diese Praxisnähe und die Möglichkeit auf Deutsch und Englisch studieren zu können, lockt zudem viele Bewerber aus den USA, Großbritannien oder Australien an die Spree. "Private Hochschulen haben in unserem, prinzipiell auf staatlich finanzierten Einrichtungen gründenden Hochschulsystem, ihren festen Platz", sagt Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz. " Sie stellen eine willkommene Ergänzung, jedoch keine umfassende Alternative dar. Ihre Studienangebote konzentrieren sich in deutlich preiswerter zu realisierenden Disziplinen, insbesondere den Wirtschaftswissenschaften. Sie richten sich nicht selten an zahlungskräftigere Studierende und oft auch an Berufstätige."
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