Management
Gegenseitiger Respekt verbessert das Betriebsklima
Behandelt der Chef die Mitarbeiter respektvoll, ist auch das Betriebsklima positiv. "Wer gut führt, motiviert enorm", sagt die Berliner Managementberaterin Petra Bock.
Von Heike Kowitz
Anerkennung zu erfahren, respektiert zu werden, zählt zu den Grundbedürfnissen. Wer von seinem Chef als gleichwertiges Gegenüber behandelt wird, hin und wieder ein Lob bekommt, fühlt sich motiviert, arbeitet gern und identifiziert sich mit seiner Firma. Viele Führungskräfte aber ignorieren dieses zentrale Bedürfnis, schlussfolgert das Beratungsunternehmen Gallup in einer Studie. 21 Prozent von 2000 Befragten haben demnach keine emotionale Bindung an ihr Unternehmen. 45 Prozent der Befragten fühlen sich von ihrer Führungskraft vernachlässigt, sie werden zu selten in Entscheidungsprozesse eingebunden.
"Menschen gut zu führen, ist wichtig für ein Unternehmen. Anerkennung ist ein Hygienefaktor in einer wirklich guten Unternehmenskultur. Anerkennung ist einer der wichtigsten Motivatoren für Menschen. Das belegt auch die Hirnforschung", betont Petra Bock, die als Coach und Managementberaterin Führungskräfte aus ganz Deutschland zu ihren Kunden zählt.
Die Berlinerin hält Wertschätzung "für ein völlig unterbelichtetes Thema." Unsere Führungskultur sei in erster Linie auf Leistung und Effizienz ausgerichtet. Der einzelne müsse möglichst viel arbeiten. Die Ressource Mensch werde aber in Zukunft immer wertvoller. Auch aufgrund des demographischen Wandels werde es schwerer "guten Nachwuchs" zu finden.
Den Stellenwert von Wertschätzung zu stärken, hält sie für eine "riesige Herausforderung", zumal die gleiche Arbeit künftig von viel weniger Personal bewerkstelligt werden müsse. "Wenn wir da nicht den Kommunikationsstil in Unternehmen, der vielerorts ein hierarchischer ist, ändern, wird ein extremer Druck entstehen. Und den braucht kein Unternehmen, weil Druck Menschen krank macht", warnt sie.
Doch nicht nur ein rauer Umgangston, auch eine schlechte Bezahlung ist ein Beleg für fehlenden Respekt: "Ein Arbeitgeber, der seine Beschäftigten respektiert, bezahlt sie auch angemessen", sagt Petra Bock. "Und er schafft ein ansprechendes Arbeitsumfeld, das Menschen ermöglicht Mensch zu bleiben." Beschäftigte werden nicht als Arbeitsmaschinen gesehen, sondern ihnen werde Zeit für Privatleben zugestanden. "Respekt bedeutet, dass man auch eine Grenze einhält, die den anderen leben lässt."
Wertschätzung setze Großzügigkeit voraus, sagt Coach Sabine Asgodom. "Wir können keine Wertschätzung geben, wenn wir engherzig und neidisch sind." Sie plädiert beispielsweise dafür, in Verhandlungen darauf zu achten, dass beide Seiten möglichst viele ihrer Forderungen umsetzen können. "Der gesunde Kompromiss ist die Basis für eine lange, gedeihliche Zusammenarbeit." Weder im Beruf noch im Freundeskreis sollten wir andere klein machen oder demotivieren, "nur damit sie uns nicht über den Kopf wachsen. Wenn wir helfen, Menschen zu stärken, helfen wir uns selbst." Wer vorankommen wolle, müsse die Stärken, die Werte der anderen Menschen und ihre individuelle Art zu arbeiten kennen und anerkennen, bekundet Asgodom in dem Coaching-Handbuch "In mir steckt noch mehr" (Kösel-Verlag).
Um Respekt ausdrücken zu können, seien mehrere Zutaten nötig, betont Ingrid Strobl, die ein Buch zum Thema "Respekt" (Pattloch-Verlag) geschrieben hat. Beispielsweise: "Achtsamkeit. Nicht automatisch von mir auf andere schließen. Und Wertschätzung: Den anderen Menschen als Person anerkennen und ihm das auch zeigen. Andere in Entscheidungsfindungen mit einbeziehen. Die andere Person um Rat fragen oder ihr einen hilfreichen Tipp geben, ihr vermitteln: Ich schätze dich."
Wertschätzung zeige sich auch in der Bereitschaft, Gespräche mit Mitarbeitern zu führen, sagt Petra Bock. "Regelmäßige Feedback-Gespräche halte ich für zwingend erforderlich." Petra Bock bezweifelt, dass sich der Einzelne von dem Bedürfnis nach Anerkennung frei machen kann. "Wir sind soziale Wesen und uns geht es gut, wenn wir in einem guten Kontakt zu anderen Menschen stehen."
Wenn das Betriebsklima als belastend empfunden werde, dann raten Top-Coaches zum Jobwechsel. "Man sollte sich ein Umfeld suchen – ich nenne es gern Biotop – in dem man wachsen und gedeihen kann", so Bock. Diejenigen, für die ein Jobwechsel nicht in Frage kommt, sollten den Mut aufbringen und das offene Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen. Sie sollten deutlich ansprechen: "Ich weiß nicht, ob das, was ich hier tue gesehen wird und ob ich auf dem richtigen Kurs bin? Wie zufrieden sind Sie mit meiner Leistung?" Man sollte signalisieren, dass Rückmeldung erwünscht sei. Viele Führungskräfte, erzählt die erfolgreiche Beraterin aus der Praxis, seien dann sehr erstaunt, dass sie diese Rückmeldung offenbar nicht geben. In aller Regel würden sie positiv auf Aussprachen reagieren.
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