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10.09.10

Lektor

Ein Lektor sieht viel mehr als fehlende Kommas

Der Lektor ist das Verbindungsglied zwischen Autoren und Verlagen. Er muss ein Gespür für gute Texte haben und für Themen, die beim Leser ankommen.

Wenn es um Worte und Sätze geht, ist der Lektor in seinem Element. Er ist derjenige, der sich die Manuskripte von Autoren ansieht, sie inhaltlich und sprachlich überprüft und korrigiert. In der Rechtschreibung kennt er sich perfekt aus, Grammatik beherrscht er ebenso gut. Aber der Lektor beschränkt sich nicht auf fehlende Kommas oder falsch geschriebene Worte, sondern prüft auch, ob der Autor falsche Zahlen oder Tatsachen geschrieben hat. Er ist eine wichtige Stütze für den Autor, dem er auch in Sachen Schreibstil oder Themenfindung Ratschläge gibt. Damit ist der Lektor die wichtigste Schnittstelle zwischen Autor und Verlag.

Meist betreut ein Lektor mehrere Autoren, die er gut kennt. Schon bevor die erste Zeile geschrieben ist, setzt er sich mit seinem Autoren zusammen und bespricht Ideen. Ist das Manuskript fertig, lässt der Lektor das gesamte Werk auf sich wirken: Liest es sich flüssig? Ist es spannend? Stimmt der Anfang? Sind Erzählstränge gut verknüpft? Natürlich sind diese Empfindungen auch subjektiv, aber der Lektor kennt den Buchmarkt genau und weiß, was die Leser mögen. Damit ist er auch derjenige, der mit darüber entscheidet, welches Buch am Ende in den Buchhandlungen landet – das Gespür des Lektors trägt mit dazu bei, den Erfolg des Verlages zu sichern. Gerade bei (noch) unbekannten Autoren ist das immer mit einem Risiko verbunden. So mancher Verlag lehnte schon Bücher ab, die bei einem anderen Verlag zum Megaseller wurden.

Der Lektor braucht gutes Sprachgefühl und Liebe zur Literatur

Wer den Beruf des Lektors anstrebt, sollte eine große Liebe zum Lesen und zur Literatur haben, ein gutes Sprachgefühl besitzen, außerdem neugierig auf Bücher und Autoren sein. Starke Nerven sind ebenso gefordert wie die Bereitschaft, Überstunden zu machen und die Fähigkeit, gleichzeitig behutsam und knallhart zu sein. Der Lektor hat somit etwas von einem Manager, der gleichzeitig mit Autoren und Verlagen verhandelt und beide Seiten zufriedenstellen muss. Die Verdienstspanne ist unterschiedlich. So verdient ein Kinderbuch-Lektor meist weniger als ein Kollege, der sich mit Belletristik beschäftigt. Das Gehalt eines eingearbeiteten Lektors kann – je nach Bereich, Arbeitsort und wirtschaftlicher Lage – in etwa mit dem eines Lehrers verglichen werden.

Eine klassische Ausbildung zum Lektor gibt es nicht. Empfohlen wird ein abgeschlossenes Studium in Fächern wie Germanistik, Geistes- oder Sprachwissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften oder Philologie. Verschiedene Universitäten, etwa München und Leipzig, bieten Studiengänge zum Thema Buch- und Verlagswesen an. Bei der Akademie des Deutschen Buchhandels (buchakademie.de) gibt es zudem Kurzseminare, die Einblicke in die Arbeit eines Lektors vermitteln. Sinnvoll ist der Einstieg über ein Praktikum, manche Verlage bieten auch Volontariate an. Viele Lektoren spezialisieren sich später auf bestimmte Literaturbereiche.

Lektoren sind bei Verlagen (Buch-, Audio- oder Fachzeitschriftenverlag) oder Literaturagenturen angestellt, es gibt aber auch die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen. Viele Lektoren arbeiten von zuhause aus, oftmals auch in Teilzeit.

Da der Buchmarkt ein schwieriger Bereich ist, sind die Zukunftschancen schwer vorhersagbar. Zurzeit werden viele Lektoratsstellen gestrichen oder nicht neu besetzt, was dazu führt, dass immer mehr Lektoren freiberuflich arbeiten. Einsteiger erhöhen ihre Chancen durch Praxiserfahrung – die Kontakte sind wichtig. Weil nur wenige Stellen ausgeschrieben werden, sind Inititativbewerbungen empfehlenswert.

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