03.06.08

3. Juni

Riesenwels im Schlachtensee beißt Schwimmerin

Die Meldung ist beunruhigend. Im sonst so beschaulichen Schlachtensee in Zehlendorf gehen seltsame Dinge vor. Badende wurden beim Planschen im Wasser von etwas Unbekanntem angegriffen und verletzt. Experten müssen nun klären, wer da jagt und dabei nicht nur kleine Fische wegbeißt.

Foto: AP

7. Juni 2008: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Jeanette Jesorka heiraten. In romantischer Umgebung in Ringenwalde lassen sie sogar Tauben fliegen.

14 Bilder

Die Gefahr kam aus der Tiefe. Die Rettungsstelle auf dem Steglitzer Campus der Charité hatte einen merkwürdigen Fall zu versorgen: Eine junge Frau war im Schlachtensee baden gegangen und hatte nach einigen Schwimmzügen plötzlich einen stechenden Schmerz verspürt. Als sie aus dem Wasser kam, blutete sie am Bein aus einer ovalen Wunde. Diese maß genau 17 Zentimeter Durchmesser, so wurde es am Dienstag in der Rettungsstelle der Charité in Steglitz vermerkt.

"Als die junge Frau in der Ersten Hilfe ankam, hat die Wunde nicht mehr geblutet", sagt Johannes Fakler, Oberarzt in der Rettungsstelle. Es sei eine oberflächliche Schürfwunde gewesen, die gereinigt und versorgt wurde. Danach hätte die junge Frau die Notfallstation wieder verlassen können.


Die verletzte Schwimmerin hatte nur eine Erklärung für die Wunde: Ein Fisch hätte sie gebissen. Da sei sie ganz sicher. Beißende Fische im Schlachtensee? Susanne Jürgensen hat die Fotos vom verletzten Bein gesehen. Sie ist beim Fischereiamt Expertin für die Überwachung und den Zustand der Fischbestände in Berliner Gewässern. "Die Bilder der Wunde lassen sehr stark vermuten, dass ein Wels daran beteiligt war", sagt die Fachfrau. Denn Welse hätten keine Zähne, dafür Hornplatten wie Feilen, die beim Biss genau solche Schürfwunden hinterließen. Außerdem lasse sich die Form des Mauls an der Wunde genau erkennen. Ein Hecht käme für so eine Verletzung nicht infrage, weil er Zähne hat.

Für Susanne Jürgensen ist der Fall nicht verwunderlich. "Der Wels scheint im Moment im Schlachtensee besonders angriffslustig und gestresst zu sein", sagt die Biologin. Grund dafür ist die nahende Laichzeit. In dieser Zeit suche sich der Fisch sein Revier, das er gegen alle Eindringlinge verteidige. Es sei dann egal, was ihm vor das Maul komme. "Genau wie ein Stock kann auch eine Hand oder ein Bein diesen Beißreflex auslösen", sagt Susanne Jürgensen.

Normalerweise ist der Wels ein nachtaktives Tier, das sich tagsüber im Schlammgrund aufhält. In der Laichzeit sucht er jedoch die Wärme. Mindestens 20 Grad benötigt er und die findet er zurzeit nur an der Wasseroberfläche. Dort wiederum stößt er derzeit auf ungewöhnlich viele Schwimmer, die Abkühlung von der Hitze suchen. "So viele Badende im selben Revier – das löst Konkurrenzverhalten bei dem Tier aus", sagt Susanne Jürgensen. Und natürlich Stress. Welse können mehr als zwei Meter lang und bis zu 75 Kilogramm schwer werden, und sie sind Räuber. Wenn sie ihr breites Maul aufreißen, kommt es vor, dass darin auch Enten und Schwäne verschwinden.

Die Chance, auf einen Wels zu treffen, hängt vom See ab. Während es im Schlachtensee nur "wenige Exemplare" geben soll, weist die Krumme Lanke einen "guten Bestand" auf, sagt Fischerei-Expertin Jürgensen. Das muss nicht so bleiben. "Welse sind sehr eifrig bei der Vermehrung." So seien auch schon im Schlachtensee kleine Welse gesichtet worden. Sein Auskommen hat der Raubfisch, der bis zu 80 Jahre alt wird, überall, wo er genug andere Fische zum Fressen findet.

Es ist nicht das erste Mal, das der Wels vom Schlachtensee in die Schlagzeilen gerät. Jedes Jahr im Sommer taucht er auf. Das brachte ihm den Namen "Nessi vom Schlachtensee" ein. Vor einem knappen Jahr zog ein Angler einen 1,68 Meter und 32 Kilogramm schweren Wels aus dem Gewässer. Er musste ihm ins Maul greifen, um ihn an Land zu ziehen. Dabei hatte er einen Handschuh an, um sich nicht an den rauen Hornplatten Abschürfungen zu holen. Auf das Konto der Welse sollen auch Schwanenjunge gehen, die über Nacht vom Schlachtensee verschwunden sind.

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