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6. Dezember

Gegendemonstranten stoppen Neonazi-Aufmarsch

In Lichtenberg marschierten Hunderte Rechtsextreme auf. Dabei kam es zu Krawallen zwischen den Neonazis und Gegendemonstranten. Die Polizei setzte Wassserwerfer ein und nahm mindestens 70 Personen aus beiden Lagern fest. Die Rechten mussten schließlich ihre Marschroute verkürzen.

Bei einer Demonstration von Rechtsextremen in Berlin-Lichtenberg ist es zu Ausschreitungen gekommen. Mehrere Hundert Gegendemonstranten überwiegend aus der linken Szene versuchten wiederholt, den Zug durch Sitzblockaden aufzuhalten. Schließlich setzte die Polizei auch Wasserwerfer ein, um die Blockaden aufzulösen. Bis zum Abend wurden mindestens 70 Personen aus beiden Lagern festgenommen, sagte eine Polizeisprecherin.

Immer wieder flogen auch Steine in Richtung der rund 750 Rechtsextremen. Als Antwort warfen diese laut Augenzeugenberichten Bierflaschen zurück. Es kam außerdem zu regelrechten „Jagdszenen“ zwischen einem Wasserwerfer und einzelnen Demonstranten. Mehrere Angehörige der rechten und linken Szene sowie mindestens ein Polizist wurden leicht verletzt.

Eigentlich sollten die rechten und linken Demonstrationen durch einen massiven Polizeieinsatz von bis zu 1600 Beamten zeitlich und räumlich voneinander getrennt werden. Zahlreiche Einzelgruppen konnten sich laut Polizei aber den Neonazis nähern. Bei einer der Sitzblockaden fanden sich plötzlich rund 700 Gegner ein und versperrten den Demo-Teilnehmern den Weg.

Neonazi-Aufmarsch endet früher

Die Neonazis demonstrierten für ein „nationales Jugendzentrum“. Die Demo der rund 700 Rechtsextremen war zunächst ohne Zwischenfälle verlaufen. Die Demonstranten wollten vom S-Bahnhof Karlshorst durch Lichtenberg bis zum S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost. Doch der Demonstrationszug endete vorzeitig mit einer Abschlusskundgebung an der Rhinstraße/Frankfurter Allee. Am Abend waren außerdem zwei Gegenkundgebungen geplant. Insgesamt erwarteten die Veranstalter dabei mehrere hundert Teilnehmer. Mehrere Kundgebungen waren kurzfristig abgesagt worden. Wie viele Gegendemonstranten tatsächlich unterwegs waren, konnte die Polizeisprecherin am Abend noch nicht sagen.

Eine Gegenkundgebung fand am Vormittag auch im Einkaufszentrum Linden-Center in Hohenschönhausen statt. Dort demonstrierten laut Polizei rund 30 Teilnehmer vor einem Geschäft, das auch die bei Neonazis beliebte Kleidermarke Thor Steinar verkauft. Die Demonstranten hatten sich als Weihnachtsmänner und Engel verkleidet und unter anderem Flugblätter verteilt. Nach etwa zwei Stunden war die Aktion beendet. Zu einem Zwischenfall kam es hingegen in der Schönhauser Allee im Bezirk Pankow. Dort griffen laut Polizeiangaben acht vermummte Mitglieder der linken Szene drei mutmaßliche Angehörige der rechten Szene an. Die Attackierten wurden dabei leicht verletzt.

Linken-Parteitag wegen Demontration verspätet

Die Demo der Neonazis wirkte sich auch auf den Parteitag der Berliner Linken zur Neuwahl ihres Landesvorstandes aus. Die Versammlung begann mit deutlicher Verspätung, da zahlreiche der rund 170 Delegierten sich an den Gegendemonstrationen beteiligten. Auch der Tagungsort der Linken liegt in Lichtenberg.

Im Vorfeld der Demonstration war die Berliner Polizei heftig kritisiert worden, weil sie Proteste in Sicht- und Rufweite des Neonazi- Aufmarsches nicht zuließ. Der Lichtenberger Aufmarsch ist bereits die sechste Demonstration der Neonazis für ein nationales Jugendzentrum. Vor einem Jahr waren rund 550 Anhänger stundenlang durch Neukölln gezogen.plet/hhn/apä/dpa



Erschienen am 06.12.2008

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