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10.09.08

10. September

Demonstranten stören O2-World-Eröffnung

165 Millionen Euro hat sie verschlungen und heftige Proteste ausgelöst – nun wurde Berlins neue Megahalle offiziell eröffnet. Doch nicht alle waren in Feierlaune. Auf einer Gegendemonstration vor der O2 World kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Mediaspree-Gegnern und der Polizei.

Nach einer Bauzeit von exakt 727 Tagen ist es so weit: Die Multifunktionsarena O2 World am Ostbahnhof wird heute Abend offiziell eröffnet. Während im Inneren der 17.000 Zuschauer fassenden Halle die rund 1000 geladenen Gäste feiern, gibt es für Fans und Anwohner auf dem Vorplatz an der Mühlenstraße ein Fest mit Lichtshow und Feuerwerk.

Mediaspree-Gegner protestieren

Seit die Baustelle im Frühjahr immer wieder Ziel von Vandalismus wurde, sorgt ein Wachschutz für die Sicherheit nicht nur in der Halle, sondern auch auf den Außenanlagen. Die Gegner der Halle und des Gesamtprojektes Mediaspree demonstrierten auch heute noch einmal. Ihr Zug startete um 17.30 Uhr am Kottbusser Tor in Kreuzberg. Etwa 1200 Demonstranten zogen danach von Polizisten begleitet in Richtung Ostbahnhof. Auf Transparenten forderten sie "Weg mit der Scheißhalle!" oder "Mediaspree versenken – Spreeufer für alle". Das Gelände der neuen Sport- und Show-Arena zählt zu dem Stadtumbau-Projekts Mediaspree in Friedrichshain.

Nach Angaben der Polizei verlief die Gegendemonstration zunächst überwiegend friedlich. Bei einer Personenkontrolle zerplatzte allerdings eine Flasche. Eine Person wurde vorübergehend festgenommen, er soll einen Behälter mit Säure mit sich geführt haben. Bis zu 20 Polizisten waren in direkter Umgebung betroffen und wurden vorsorglich ärztlich untersucht.

Nach Abschluss der Kundgebung gegen 20 Uhr kam es dann vor der Halle zu gewalttätigen Ausschreitungen. Demonstranten besetzten zeitweise die nahe gelegene Schillingbrücke, Feuerwrkskörper explodierten. Danach stürmten Randalierer die Bühne des Radiosenders Spreeradio und attackierten den Moderator. Die Ausschreitungen verzögerten auch die Anfahrt der prominenten Gäste.

Internationale Superstars angelockt

Der Bauherr der Arena, die amerikanische Anschutz Entertainment Group, hat 165 Millionen Euro in den Bau der Halle auf dem ehemaligen Areal des Güterbahnhofs investiert. In der Halle finden die Deutschen Meister im Eishockey und Basketball, EHC Eisbären und Alba Berlin, eine neue Heimat.

Vor allem aber sollen internationale Mega-Stars aus der Rock- und Popszene die nunmehr größte und modernste Halle Berlins füllen. Detlef Kornett, Europa-Chef der Anschutz-Gruppe, hat das ehrgeizige Ziel vorgegeben, "300 Veranstaltungen in den ersten drei Jahren" auszurichten.

Der Anfang ist gemacht: "Bis zum Jahresende bieten wir mehr als 40 hochkarätige Sportveranstaltungen und Entertainment-Highlights an", so Kornett. Die ersten vier Events - Metallica (12. September), Herbert Grönemeyer (13. September), Eisbären - Augsburg (14. September) und Coldplay (15. September) sind bereits ausverkauft. "Insgesamt 60.000 verkaufte Tickets in diesen ersten Tagen sind ein guter Auftakt", so Kornett.

Bevor die Halle heute von den geladenen Gästen - darunter der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, die Botschafter der USA und Russlands, William Timken und Wladimir Kotenev, sowie die Boxstars Wladimir Klitschko und Axel Schulz, und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der öffentlichkeitsscheue Besitzer der Arena, der US-Multimilliardär Phil Anschutz - offiziell eröffnet wird, durften am Dienstag 600 Berliner Schulkinder der Jugendinitiative Fit-4-Future als erste jeden Winkel der Halle inspizieren. Die Künstlergarderoben und Mannschaftskabinen, die luxuriösen Restaurantbereiche und vor allem die edel ausgestatteten Entertainment-Suiten "sind voll cool", befand die elfjährige Anna, während ihre Freundin Jana sich vor allem sorgte, "dass Jugendliche die Halle nicht von außen anschmieren".

Nach den Kindern durften Dienstagabend schließlich auch die Eisbären All-Stars gegen das Team Gazprom vor 10.000 Besuchern die Halle und vor allem das Eis einem letzten Betriebstest unterziehen.

Das Borchardt übernimmt das Catering

Gut 900 Beschäftigte, davon 420 mit Vollzeitstellen, die unter anderem auch an 150 Langzeitarbeitslose aus dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg vergeben wurden, sollen nun in den unterschiedlichsten Funktionen, vom Eismeister über die Ticketverkäuferin bis zum Sous Chef des "World Diner Restaurants", dafür sorgen, dass die Besucher der Halle gut versorgt werden.

In den 31 Küchen der Halle hat übrigens der Catering-Ableger von Promi-Wirt Roland Mary (Borchardt) die Versorgung der Pop- und Sportfans übernommen. Ob die Currywurst aus Biofleisch und mit verfeinerter Sauce, wie Küchendirektor Markus Herbicht schwärmt, den Geschmack der Hallenbesucher trifft, muss sich erst noch zeigen. Der Preis von drei Euro (inklusive Brötchen) ist jedenfalls vergleichsweise moderat. Überhaupt soll es an den Verkaufsständen wie auch im à-la-carte-Restaurant "World Diner" nach Auskunft des Chefs "nur frische und hochwertige Waren geben". Aufgetaute Tiefkühlpommes sind deshalb tabu.

Mit dpa/mim

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