11. Juni
WHO ruft Schweinegrippen-Pandemie aus
Zum ersten Mal seit 41 Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation für eine Grippe die höchste Alarmstufe 6 ausgerufen. Damit erklärt die WHO die Grippe zur Pandemie. Experten fürchten, dass die Grippe im Herbst zum großen Problem werden könnte. Berlin sieht sich mit einem Notfallplan gut gerüstet.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat angesichts der raschen Ausbreitung der Schweinegrippe den Beginn einer weltweiten Epidemie, einer sogenannten Pandemie, erklärt. Die Warnstufe wurde von 5 auf das höchste Niveau 6 angehoben, was eine weltweite Verbreitung der Krankheit bedeutet.
Damit hat die WHO zum ersten Mal seit 41 Jahren die höchste Alarmstufe ausgerufen. Da es sich bislang aber um eine "milde Pandemie" handele, halte es die WHO nicht für nötig, Grenzen zu schließen oder sonstige Reise- oder Frachtbeschränkungen zu erlassen. Es bestehe kein Grund zur Panik, hieß es. Die Pandemie werde per Definition dann erklärt, wenn auf zwei Kontinenten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen über einen längeren Zeitraum beobachtet würden, erläuterte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker. Nach Nordamerika sei nun Australien dazugekommen.
Die Gesundheitsexperten rufen die Regierungen dazu auf, die Produktion von Grippemedikamenten deutlich zu beschleunigen und sich nun verstärkt um eine Eindämmung der Epidemie zu bemühen.
Mehr als 100 Infektionen in Deutschland
Laut jüngsten Zahlen der WHO haben sich bisher mehr als 26.500 Menschen in 73 Ländern mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert, mindestens 140 starben daran. Die meisten Fälle traten in Nordamerika auf; Australien verzeichnete jedoch zuletzt einen deutlichen Anstieg. Die Grippe war ursprünglich in Mexiko ausgebrochen.
Die Zahl der Menschen, die in Deutschland an Schweinegrippe erkrankt sind, stieg bis Donnerstag durch zahlreiche Infektionsfälle an einer Düsseldorfer Schule sprunghaft auf über 100. Es sei davon auszugehen, dass weitere Fälle hinzukommen, sagte RKI-Präsident Hacker in der ARD. Er schloss auch nicht aus, dass die Grippe gefährlicher werden könnte. Bisher waren die Infektionen mit dem H1N1-Virus in Deutschland relativ milde verlaufen. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) erklärte, die Behörden in Deutschland müssten "keine neuen Maßnahmen ergreifen".
Bislang kein Fall in Berlin
In Berlin ist bislang keine Infektion mit H1N1 bekannt geworden. Wie die Senatsverwaltung für Gesundheit mitteilte, sei Berlin auf Grundlage des Berliner Pandemieplans dennoch gut vorbereitet. Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher will am Freitag die Öffentlichkeit über die Vorkehrungen gegen ein Ausbreiten der Seuche zu informieren.
Unterdessen wurde bereits mit der Vorbereitung für die Herstellung eines Impfstoffs begonnen. Pharmakonzerne erhielten am Mittwoch Proben des Virus und versuchen, innerhalb der kommenden Monate einen Impfstoff herzustellen. Allerdings wird es wohl zunächst nicht ausreichend Impfstoff für die gesamte Bevölkerung geben. Nach dem Nationalen Pandemieplan soll er so verteilt werden, dass die medizinische Versorgung und die öffentliche Ordnung aufrechterhalten bleiben. Mitglieder von Polizei, Feuerwehr und medizinisches Personal würden daher vorrangig geimpft.
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